Eva-Herman-Prozess "Tagesschau"-Kollegen müssen vor Gericht aussagen

Wegen umstrittener Aussagen über die NS-Zeit kündigte der NDR seiner Moderatorin Eva Herman im September 2007. Nun klagt sie auf Wiedereinstellung. Demnächst sollen ihre ehemaligen Kollegen Jo Brauner und Jens Riewa in dem Fall vernommen werden.


Hamburg - Im Arbeitsgerichtsprozess um die Kündigung der ehemaligen "Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman sollen Ex-Kollegen als Zeugen aussagen. Das Landesarbeitsgericht Hamburg ordnete am heutigen Mittwoch die Vernehmung des Sprechers Jens Riewa, des Pensionärs Jo Brauner sowie des "Tagesschau"-Chefredakteurs Kai Gniffke an.

So soll festgestellt werden, ob die vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) gekündigte Herman wie eine freie Mitarbeiterin oder wie eine Festangestellte behandelt worden ist, wie der Vorsitzende Richter sagte. Hermans Anwalt hatte schon früher erklärt, die Klage ziele darauf ab, dass sie wieder als "Tagesschau"-Sprecherin eingesetzt wird.

Im vergangenen Jahr war Herman wegen umstrittener Äußerungen über die NS-Zeit in die Schlagzeilen geraten. Der NDR, für den sie seit 20 Jahren gearbeitet und neben der "Tagesschau" auch die Talk-Sendung "Herman und Tietjen" moderiert hatte, kündigte ihr im September 2007.

Eine von Herman dagegen eingereichte Klage wies das Hamburger Arbeitsgericht mit der Begründung ab, es habe kein Arbeitsverhältnis gegeben, Herman sei freie Mitarbeiterin gewesen. Daraufhin legte sie Berufung ein.

Im Berufungsverfahren scheinen die Dinge besser für Herman zu laufen: Nach einem früheren Termin hatte der Vorsitzende Richter erklärt, er können eine Verherrlichung des Nationalsozialismus aus Hermans Aussagen nicht entnehmen. Der Richter machte auch deutlich, dass Herman durchaus Aussicht auf Erfolg habe.

Das Gericht könne anders als die erste Instanz durchaus zu der Entscheidung kommen, dass ein Arbeitnehmerverhältnis zwischen Herman und dem NDR bestanden habe. Der Prozess wird am 23. Januar fortgesetzt.

bog/AP



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