Exkommunikation Kardinal streitet mit Bischof über "Mörtel" Lugner

Trubel in der Katholischen Kirche Österreichs: Weil der prominente Bauunternehmer und Paris-Hilton-Gönner Richard Lugner einen Mietvertrag mit einer Abtreibungsklinik geschlossen hat, wurde er durch einen Bischof exkommuniziert. Dessen vorgesetzter Kardinal scheint das jedoch anders zu sehen.


Wien - Der Streit zwischen dem Salzburger Weihbischof Andreas Laun und dem Wiener Kardinal Christoph Schönborn zeichnete sich bereits am Freitag ab. Nur wenige Stunden, nachdem Laun den Wiener Bauunternehmer Lugner wegen einer Abtreibungsklinik in seinem Einkaufszentrum für exkommuniziert erklärt hatte, meldete sich der Sprecher Schönborns zu Wort und erklärte, die Exkommunikation sei "kontraproduktiv".

Ohne Laun namentlich zu nennen, warnte der Sprecher des Kardinals davor, das Engagement gegen die Abtreibung "der Lächerlichkeit preiszugeben". "Akademische Diskussionen über Exkommunikation helfen sicher nicht, einem einzigen Kind das Leben zu retten", sagte der Sprecher.

Bischof Laun reagierte verärgert und will jetzt mit den übrigen österreichischen Bischöfen über die Äußerungen des Sprechers reden. Er glaube nicht, dass Schönborn dahinter stehe, sagte Laun.

Morgen wird er es erfahren. Dann nämlich wird Kardinal Schönborn sich selbst in einer Stellungnahme zu dem Fall äußern, der bereits für gehörigen Wirbel in der Alpenrepublik gesorgt hat.

Stein des Anstoßes ist das "Zentrum für Sexualmedizin", eine Abtreibungsklinik, die am Donnerstag in einem von Lugners Einkaufszentren eröffnete. Bischof Laun hatte am Freitag erklärt, Lugner habe sich durch sein Handeln selbst exkommuniziert. Auch andere Vertreter der katholischen Kirche reagierten empört. Der Wiener Theologe und katholische Kirchenrechtler Alexander Pytlik forderte Lugner heute auf, den Mietvertrag mit der Klinik zu kündigen oder dort Abtreibungen zu verbieten. Bei der Eröffnung am Donnerstag hatten Abtreibungsgegner vor der Klinik demonstriert.

Richard "Mörtel" Lugner, der durch seine prominenten Gäste beim Wiener Opernball regelmäßig Schlagzeilen macht und dieses Jahr Partygirl Paris Hilton eingeladen hat, meinte zu seiner "Exkommunikation": "Jetzt habe ich genug". Er sei Katholik, habe vier Kinder gezeugt und keines davon abgetrieben. Zudem stehe das Recht auf Abtreibung im Gesetz. Lugner kündigte eine Klage gegen den Bischof an.

cvo/dpa



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