Verteidiger von O. J. Simpson und Patty Hearst Staranwalt F. Lee Bailey ist tot

O. J. Simpson trauert um »einen der großen Anwälte unserer Zeit«: F. Lee Bailey ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Einst galt er als schillerndster US-Strafverteidiger – dann folgte der Absturz.
Anwalt F. Lee Bailey (Archivfoto 2014)

Anwalt F. Lee Bailey (Archivfoto 2014)

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Robert F. Bukaty / AP

Der berühmte US-Anwalt F. Lee Bailey ist tot. Das bestätigte unter anderem sein Sohn Bendrix, eine Ursache nannte er nicht. Er sagte, sein Vater sei in den letzten Jahren bei schlechter Gesundheit gewesen und habe in Georgia gelebt, um in der Nähe seines anderen Sohnes, Scott, zu sein. F. Lee Bailey wurde 87 Jahre alt.

Bailey wurde durch die Verteidigung von O. J. Simpson in dessen Mordprozess 1995 berühmt – Simpson wurde damals in einem der umstrittensten und meistdiskutierten Prozesse in der US-Geschichte trotz erdrückender Beweise vom Mordvorwurf an seiner früheren Ehefrau Nicole Brown Simpson und dem Kellner Ronald Goldman freigesprochen. Nun meldete sich der ehemalige Footballstar bei Twitter  zu Wort, in einer Videobotschaft nennt er Bailey einen »großen Freund« und »einen der großen Anwälte unserer Zeit«.

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Als der SPIEGEL Bailey 2017 besuchte, war er noch immer von der Unschuld Simpsons überzeugt.

Simpson war nicht der einzige bekannte Klient von Bailey.

  • In den Sechzigerjahren gelang es ihm, eine Verurteilung wegen Mordes für den US-Arzt Sam Sheppard aufzuheben, der beschuldigt worden war, seine schwangere Frau getötet zu haben. Die Geschichte von Sheppard inspirierte die Fernsehserie »Auf der Flucht« und das Filmremake mit Harrison Ford in der Hauptrolle.

  • Bailey vertrat auch den Mann, der behauptete, der sogenannte Würger von Boston zu sein, Albert DeSalvo. Der Fall eines Serienmörders aus dem US-Bundesstaat gehört zu den rätselhaftesten der Kriminalgeschichte. Von Juni 1962 bis Januar 1964 vergewaltigte und ermordete er mindestens elf Frauen.

  • Patricia Hearst, die Enkelin des legendären US-Zeitungszars William Randolph Hearst, die entführt wurde und später zu Amerikas meistgesuchter Bankräuberin wurde, engagierte Bailey ebenfalls für ihre Dienste. Allerdings wurde sie zur Höchststrafe verurteilt – und machte anschließend geltend, dass sie ihren Prozess verloren habe, weil Bailey unfähig gewesen sei, sie angemessen zu verteidigen.

  • Einer der US-Armeeoffiziere, die in das Massaker von My Lai im Vietnamkrieg verwickelt waren, Ernest Medina, verließ sich ebenfalls auf Bailey, um ihn zu verteidigen.

O.J. Simpson (Mitte) mit Verteidigern Bailey (l.) und Johnnie Cochran (r.) bei dem Freispruch 1995

O.J. Simpson (Mitte) mit Verteidigern Bailey (l.) und Johnnie Cochran (r.) bei dem Freispruch 1995

Foto: Myung J. Chun / AP

Bailey galt einst als einer der schillerndsten amerikanischen Strafverteidiger, als Meister des modernen psychologischen Kreuzverhörs. Er ist Autor mehrerer Bücher, darunter das 800-seitige Standardwerk »Excellence in Cross-Examination«.

Er könne einen Fall nicht ablehnen, sobald er einen dieser drei Aspekte erfülle, sagte Bailey einmal der »New York Times«: »berufliche Herausforderung, Bekanntheit oder ein hohes Honorar«. In seinem Job gehe es darum, »diejenigen Leute zu finden, die sagen, was Sie gesagt haben wollen«.

Vom Staranwalt zum Gefängnisinsassen

Bailey gelang es allerdings nicht, sich selbst vor einer Freiheitsstrafe zu bewahren. Im Jahr 1996 verbrachte er 43 Tage im Gefängnis. Er hatte sich geweigert, unter anderem 700.000 US-Dollar an die Behörden zu übergeben, die er von einem Drogendealer erhalten hatte. Bailey hatte argumentiert, dabei habe es sich um eine Zahlung für seine Dienste gehandelt.

In Florida wurde Bailey seine Lizenz im Jahr 2001 entzogen. Er habe in mehreren Punkten »ungeheuerliches Fehlverhalten« an den Tag gelegt, darunter »falsche Aussagen im Zeugenstand«. Auch in Massachusetts durfte er nicht mehr praktizieren.

2013 versuchte Bailey, seine Kanzlei in Maine wieder zu öffnen; das wurde ihm allerdings vom Supreme Court in dem Staat verwehrt. Begründung: Er habe es versäumt, »eindeutige und überzeugende Beweise vorzulegen, dass er die erforderliche Ehrlichkeit und Integrität besitzt«. Im Juni 2016 meldete er in Maine Insolvenz an: Er schulde dem Staat mehr als 5 Millionen Dollar an Steuern und habe keinen nennenswerten Besitz.

In den vergangenen Jahren arbeitete er als juristischer Berater für Firmen. Sein Büro war in einer Wohnung über einem Friseursalon, der seiner Partnerin gehörte.

Anmerkung: Wir haben die Angaben zu dem Film und der Serie »Auf der Flucht« korrigiert.

mjm/aar/Reuters
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