Fame Fatale Anistons Abschied von der einsamen Festung

Es ist ein Tapetenwechsel im ganz großen Stil. Hollywood-Star Jennifer Aniston verkauft ihre Super-Villa in Beverly Hills, ihren Ich-lass-mich-nicht-unterkriegen-Bau, um einen Neuanfang zu wagen. Aber Geistern, die einen verfolgen, kann man nicht einfach entfliehen.
Von Steffi Kammerer

Beverly Hills, eine steile Straße oberhalb des Sunset Boulevards. Ein Verkaufsschild fehlt, die Einfahrt ist verschlossen. Leider kommt auch nur in den Genuss einer Besichtigung, wer 42 Millionen Dollar übrig hat . Für diese Phantasiesumme gibt es Ringo Starr als Nachbarn, einen Pool mit Blick auf den Pazifik und, das größte Verkaufsargument, eine berühmte Vorbesitzerin: Jennifer Aniston, America's sweetheart.

Bekannt für ihre Frisur und ja, auch für ihre Lebensrolle seit mehr als einem halben Jahrzehnt: der gedemütigten Verliererin, tapfer fröhlich. Das Opfer in der großen Brangelina-Show. Eine Rolle, die sie sich nicht ausgesucht hat, und die sie doch nicht loswird, so sehr sie sich bemüht, so sehr sie lächelt, wechselnde Männer präsentiert und sagt, wie glücklich sie ist. In Top-Form ist auch das Haus, in dem es alles gibt, bis auf Leben und andere Menschen in den vielen Schlafzimmern.

Sollte Aniston hier auf die Rückkehr von Brad Pitt gehofft haben, so tat sie es heimlich. Bekanntermaßen kam er bisher nicht. Sondern bezog mit der männermordenden Angelina Jolie Haus um Haus, hinzu kam Kind um Kind. Wenn Jennifer an einem Kiosk vorbeikam, konnte sie eigentlich nur die Augen schließen.

Keine schöne Situation, schon gar nicht, wenn die ganze Welt zuschaut. Und sich daran erinnert, dass Aniston immer gesagt hat, sie wolle Kinder. Weshalb alle paar Wochen wieder jemand schreibt, nun sei sie endlich schwanger. Und kein Interview ohne die Frage auskommt: Sie sind 42, tock tock tock? Wird schon, sagt sie.

Ihre Fans lieben sie dafür, mindestens so sehr wie für ihre Rollen. Weil es ihrer Jennifer geht wie vielen und weil sie so ist wie so ziemlich jede Frau, die ich kenne: Wenn wir unser Leben ändern wollen, gehen wir zum Friseur. Oder streichen die Wände pink. Wenn man eine der reichsten Frauen Hollywoods ist, fällt das Ganze nur umfänglicher aus.

Aniston hat ihr Haus 2006 gekauft, kurz nach der Scheidung. Drei Jahre lang hat sie renoviert, und das Ergebnis schließlich vor einem Jahr in "Architectural Digest" präsentiert: auf dem Titel. Natürlich wissend, dass Brad, der Architekturfreak, es mitbekäme. Ein Haus sei es, "wie eine große Umarmung", sagte Jennifer da noch. Ein Haus, in dem sie zur Ruhe komme. Innen alles, was die Wohlfühlindustrie zu bieten hat, brasilianisches Holz, einen Thai-Gong, viel Glas. Sie nannte das Haus "Ohana", das hawaiianische Wort für "erweiterte Familie".

Es ist ein Ich-lass-mich-nicht-unterkriegen-Bau. Ein einziges Ausrufezeichen. Schon die Lampen in der Einfahrt leuchten heimelig orange. Auf dem Dach Solarpaneele. Trotzdem sieht hier nichts wie eine Umarmung aus - es ist eher eine einsame Festung, viel Beton rund um eine einzelne Person. Irgendwo zwischen Trostkerzen und Buddha muss man sich die Hausherrin vorstellen, die ihren Körper stählt für den Irgendwann-Prinzen und die Medien, im Yoga-Sitz, die Zähne zusammengebissen. Nein, das alles ist keine Umarmung, das ist anstrengend.

Und genau deshalb muss das Haus jetzt weg. Weil es nicht geklappt hat mit der Geistervertreibung. Weil es als Beschäftigungstherapie funktionierte, während der Renovierung. Leben aber geht nicht darin. Weil es ein Wartehaus ist. Ein leeres Nest.

Mitten in der Nacht war sie im Sommer in London aufgewacht, erzählte Aniston dem "People Magazin" und dachte: "Es ist zu viel. Ich bin nicht diese Person." Sie suche jetzt nach einer kleinen Wohnung in New York.

Nun löst man Probleme nicht durch Ortswechsel, nicht mal als Hollywood-Star. Aber manchmal tut es trotzdem gut, die Perspektive zu wechseln. Oder auch nur eine Wand anzustreichen.