Fans, Stars, Politiker Millionen trauern um Michael Jackson

Radiostationen von Argentinien bis Australien spielen "Heal the World" und "Billie Jean", das US-Repräsentantenhaus legt eine Schweigeminute ein, Show-Größen erklären ihre Betroffenheit über den Tod Michael Jacksons. Die Fans des "King of Pop" halten Mahnwachen - und feiern Tanzparties in seinem Namen.


Hamburg - Er war einer der größten Stars aller Zeiten, eine Ikone des Pop, eine Projektionsfläche für Sehnsüchte und Phantasien. Weniger als drei Wochen vor dem lange geplanten, aufwändig inszenierten Comeback ist alles vorbei. Die Nachricht vom Tod Michael Jacksons verbreitete sich in Sekundenschnelle rund um den Globus, im Internet löste sie eine Lawine an Beileidsbekundungen aus.

Sofort wurde der Tod des "King of Pop" mit dem Tod der "Königin der Herzen", Prinzessin Diana, verglichen, der eine wochenlange Massen-Trauer ausgelöst hatte.

Hunderte Fans versammelten sich vor dem UCLA Medical Center in Los Angeles, in das man Jackson gebracht hatte, nachdem er in seiner Villa zusammengebrochen war. In der Klinik wurde er um 14.26 Uhr Ortszeit (23.26 Uhr MESZ) für tot erklärt. Jacksons sichtlich erschütterter Bruder Jermaine berichtete, ein ganzes Team von Ärzten habe länger als eine Stunde versucht, das Leben seines Bruders zu retten.

Michaels persönlicher Arzt habe sofort nach dem Zusammenbruch mit Wiederbelebungsversuchen begonnen. Jacksons Leiche sollte noch am Freitag obduziert werden.

"Michael Jackson, eine wahre Apollo-Legende"

Die Menschen in Los Angeles weinten, fielen sich in die Arme. Viele zogen zu Jacksons Wohnhaus, riefen in Sprechchören "Michael! Michael!". Fans pilgerten auch zum bescheidenen Haus in Gary, Indiana, wo Jackson aufgewachsen war.

Einige versuchten gar, die Türen des UCLA Medical Centers aufzubrechen. Der Eingang zur Notaufnahme wurde von der Polizei abgeriegelt. In vielen US-Städten hielten Fans spontan Mahnwachen ab und zollten ihrem Idol mit seinen Liedern und dem legendären "Moonwalk" Tribut.

Vor dem geschichtsträchtigen Apollo-Theater in New York, in dem der junge Michael Jackson einst seine Karriere startete, feierten unzählige, meist schwarze, Verehrer ihr Vorbild die ganze Nacht hindurch mit einer riesigen Tanzparty. "In Erinnerung an Michael Jackson, eine wahre Apollo-Legende", leuchtete als Schriftzug auf dem Gebäude auf.

Nach dem Bekanntwerden seines Todes spielte der Musiksender MTV Videos aus Jacksons erfolgreichsten Zeiten. Auch viele andere Hörfunk- und Fernsehstationen in der ganzen Welt unterbrachen ihre laufenden Sendungen. In Fan-Foren im Internet nahmen Tausende Abschied von dem Musiker.

Die Kommentare grenzten fast an Hysterie: "Michael, Du bist eine Legende und eine der wichtigsten Figuren unserer Geschichte", schrieb Fan Ricki Mj Naqvi auf der Internet-Plattform Facebook. Ein anderer postete: "Wir werden Deinen Beitrag zur Musik und zur Menschheit nicht vergessen." Von einem "Prinzessin-Diana- Moment" sprach ein Fan auf der BBC-Webseite. Bei der Suchmaschine Google wollten so viele Menschen mehr über den Tod des Popmusikers erfahren, dass die Seite zeitweise zusammenbrach.

"Einer der einflussreichsten Ikonen der Musikindustrie"

Auch in Deutschland reagierten die Michael-Jackson-Fans erschüttert. Internetseiten wie "malibufanclub.de" und "mjfan.de" veröffentlichten schwarze Trauerseiten mit Kerzen und Fotos von Jackson. Die Seite "mjackson.net" appellierte an die Fans, mit ihrer Trauer nicht allein zu bleiben, sondern sich Eltern, Geschwistern oder Freunden anzuvertrauen oder die Nummern der Telefonseelsorge anzurufen.

Politiker auf der ganzen Welt zeigten sich bewegt über den plötzlichen Tod des Sängers: Japanische Minister äußerten ihre Betroffenheit ebenso wie die Nelson-Mandela-Stiftung in Südafrika.

Die Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses legten eine Schweigeminute ein. "Wir erheben uns, um einem Star Anerkennung zu zollen, der jetzt im Himmel ist", sagte die demokratische Abgeordnete Diane Watson. Er danke Gott dafür, dass er die "Ära" von Michael Jackson miterleben durfte, ergänzte der demokratische Abgeordnete Jesse Jackson junior. "Sein Herz hätte gar nicht größer sein können. Und gestern hat es aufgehört zu schlagen."

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, CSU, nannte Jacksons Tod eine "außerordentlich traurige Nachricht". Er sei ein "großer Künstler" gewesen, der viele Impulse für die Popwelt gesetzt habe. Er werde dem Musikgeschäft sehr fehlen. Jackson habe ein tragisches Leben geführt, sagte Guttenberg. Er hoffe aber, "dass man nicht nur mit Blick auf die letzten Jahre mit seinem Tod umgeht."

Grünen-Chefin Claudia Roth erklärte, Jacksons Auftritte seien "choreographische Meisterleistungen" gewesen - "schrill, provokant, von unerhörter Intensität". "Sein Spiel mit Identitäten, die Veränderungen seines Aussehens, machten ihn zu einer Figur der Postmoderne, zu einer Ikone, die die Ausdrucksformen und den Tanzstil einer ganzen Generation prägte. Bei all seinen Erfolgen sei er rätselhaft und zerbrechlich gewesen, erklärte Roth.

Jackson bereitete sich zuletzt in Los Angeles auf ein großes Comeback vor: Für den 13. Juli war in London das erste von insgesamt 50 Konzerten geplant. Die O2-Arena, eine riesige Sport- und Konzerthalle in der britischen Hauptstadt, war ausverkauft. Für die Konzerte im früheren Millennium Dome probte Jackson bereits stundenlang mit Tänzern.

han/AFP/dpa/AP/reuters

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