Filmprojekt Jennifer Hudson soll draußen bleiben

Gute Rollen für schwarze Schauspielerinnen sind rar. Kein Wunder also, dass sich Oscar-Preisträgerin Jennifer Hudson begeistert zeigte, als man ihr anbot, Winnie Mandela zu spielen. In Südafrika löste diese Entscheidung jedoch wütende Proteste aus.

REUTERS

London - Jennifer Hudson war entzückt, als ein Drehbuch aus Südafrika auf ihrem Schreibtisch landete - mit der Option für die 28-Jährige, die Hauptrolle zu übernehmen.

Der südafrikanische Regisseur Darrell J. Roodt ("Cry, "Serafina") will das Leben Winnie Madikizela-Mandelas verfilmen, der früheren Ehefrau Nelson Mandelas und einer der umstrittensten politischen Figuren des Landes. Vorlage des Kinoprojekts ist die Biografie der südafrikanischen Autorin Anna Marie du Preez.

"Ich war fasziniert und tief bewegt, als ich das Drehbuch las", sagte Hudson, als sie den Zuschlag für die Rolle erhielt. "Winnie Mandela ist eine komplexe und außergewöhnliche Frau. Ich fühle mich geehrt, dass man mich gebeten hat, sie zu porträtieren. Dieses enorm wichtige Stück Geschichte muss erzählt werden."

Der Meinung ist auch die Gewerkschaft der südafrikanischen Schauspieler - nur sind die empört, dass die Hauptrolle einer Kollegin aus Hollywood zufiel.

Die Entscheidung für Hudsons unterminiere die Anstrengungen, in Südafrika eine eigene Filmindustrie aufzubauen, sagte Gewerkschaftschef Mabutho Sithole der britischen "Times". Diese Entscheidung, so ein anderer Gewerkschaftssprecher, müsse "rückgängig gemacht werden."

"Es gibt hier zahlreiche Talente im Land, warum nutzt man die nicht?", zitiert das Blatt einen Vertrauten von Winnie Madikizela-Mandela.

Madikizela-Mandela war fünf Wochen mit Nelson Mandela, dem wichtigsten Akteur im Kampf um das Ende der Apartheid in Südafrika, verheiratet, als dieser 1962 für 27 Jahre ins Gefängnis kam. Bis in die achtziger Jahre hinein wurde auch Winnie Mandela zur Schlüsselfigur im Kampf gegen den Rassismus im Land, man pries sie als "Mutter der Nation".

In den achtziger Jahren war sie jedoch auch in Bandenkriminalität verwickelt und soll die Schuld an der Hinrichtung eines 14-jährigen Jungen tragen. Aus ihrem Amt als Ministerin wurde sie 1994 wegen Korruptionsvorwürfen entlassen. Die Ehe der Mandelas wurde 1996 geschieden.

Nach den Wahlen 2009 zog Winnie Madikizela-Mandela erneut ins südafrikanische Parlament ein.

pad



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