First Lady auf Reisen Der ganz private Trip der Michelle O.

Ohne ihren Gatten reiste Michelle Obama nach Spanien, ein Kurztrip, zur Erholung, ganz privat. Die Folge: Mit großem Tross, begleitet von einer Medienmeute, exponiert sich die First Lady in Marbella - und das State Department steckt in Erklärungsnöten.

AFP

Hamburg - Michelle Obamas Kurzbesuch in Spaniens VIP-Hochburg Marbella war nicht die beste Idee, das lässt sich jetzt schon sagen. Denn aus der viertägigen, als "Mutter-und-Kind-Trip" angekündigten Reise - die First Lady wird von der jüngeren ihrer beiden Töchter, Sasha, begleitet - ist längst eine Posse geworden.

Zum einen macht der Ausflug einen reichlich opulenten Eindruck: Die Präsidentengattin ließ im Fünf-Sterne-Hotel Villa Padierna Marbella (der Mindestpreis pro Übernachtung beträgt rund 300 Dollar) nämlich nicht nur fast die Hälfte aller Zimmer buchen - 60 an der Zahl - ihre Exkursionen ins Stadtzentrum sind zudem Massenkundgebungen nicht unähnlich. Obama wird von einem stattlichen Gefolge an Bodyguards, Gästen und Gefolge begleitet.

"Michelle Obamas Privatbesuch", spottet das "Wall Street Journal" und zitiert Pressesprecher Robert Gibbs' unbeholfene Stellungnahme: "Die First Lady befindet sich auf einem Privatbesuch. Sie ist - eine Privatperson und Mutter einer Tochter und - auf einem Privatbesuch. Ich denke, ich belasse es dabei."

Außenministerium in Nöten

Michelle Obama und ihre Freunde zahlten ihre Zimmer aus eigener Tasche, heißt es aus dem Weißen Haus. Die Kosten für die Unterbringung der Secret-Service-Mitarbeiter übernehme jedoch der amerikanische Steuerzahler, so das "Wall Street Journal".

Zum anderen wurde auch das amerikanische Außenministerium durch den Spanien-Trip in die Bredouille gebracht. Von dessen Website wurde laut britischer "Times" am Montag hastig eine Warnung an amerikanische Spanien-Reisende entfernt, wonach in dem südeuropäischen Land "rassistische Vorurteile zur Festnahme von Afro-Amerikanern führen" könnten.

Die Warnung sei nach einem Vorfall im Februar 2009 geposted worden, so die "Times". Damals seien zwei schwarze Mitarbeiter der US-Botschaft in Barcelona "ohne erkennbaren Grund" festgenommen und verhört worden und hätten während der Polizei-Befragung sogar Verletzungen davongetragen.

"Überholte Information"

Den Eindruck, man halte die spanische Polizei für rassistisch, bemüht man sich im State Department nun rasch zu zerstreuen. "Durch die Aufmerksamkeit, die Mrs. Obamas Spanien-Besuch zuteil wurde, haben wir uns die Warnung noch einmal angeschaut", zitiert die "Chicago Sun Times" Ministeriumssprecher P.J. Crowley. "Wir entschieden dann, dass die Information überholt sei."

In Marbella ist eine riesige Plakatwand mit der Aufschrift "Willkommen, Familie Obama. Danke, dass Sie sich für Marbella entschieden haben", laut einem Bericht der Website "Spanishnews" übrigens mittlerweile wieder abgebaut worden. Auf Bitten des Stadtrates, wie es heißt.

pad



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