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Franka Potente Kleine Schreibfluchten

aus DER SPIEGEL 31/2021
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Uli Heckmann / photoselection

Ihren Durchbruch hatte sie vor mehr als zwei Jahrzehnten als rothaarige Heldin im Kinofilm »Lola rennt«, doch möglicherweise sei sie nur »versehentlich« Schauspielerin geworden, sagt Franka Potente, 47. »Vielleicht hätte ich eigentlich Autorin werden sollen.« Gerade ist in den deutschen Kinos ihr Langfilmdebüt als Regisseurin angelaufen, »Home« heißt es. Die in Los Angeles lebende Darstellerin hat auch das Drehbuch geschrieben. In ihrem Film erzählt Potente die Geschichte eines aus dem Knast entlassenen Außenseiters (Jake McLaughlin), der zu seiner von US-Star Kathy Bates dargestellten Mutter heimkehrt, bei der er alles andere als willkommen ist. Texte und Drehbücher zu schreiben falle ihr leicht, sagt die international durch Filme wie »Die Bourne Identität« (2002) bekannt gewordene Potente, die 2010 die Kurzgeschichtensammlung »Zehn« und 2014 den Roman »Allmählich wird es Tag« veröffentlichte. »Ich habe immer gern geschrieben, als Kind schon. Ich mochte es, wenn ich mir was ausdenken konnte. Und als ich dann anfing, Filme zu drehen, saß ich dort als Schauspielerin viel herum. Weil ich sowieso kreativ angepikst war, habe ich eben angefangen zu schreiben.« In Kalifornien, wo sie mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler Derek Richardson, zwei gemeinsame Kinder großzieht, habe sie im vergangenen Jahr auch wegen pandemiebedingter Homeschooling-Aufgaben sehr viel Zeit zu Hause verbracht. »Da war das Schreiben auch eine herrliche Flucht.« Wenn sie etwa eine Weile Kinderbetreuungspause gemacht habe, auf dem Sofa liegend, dann habe sie nicht geschlafen, sondern sich Geschichten im Kopf herumgehen lassen – »und mich dann sofort hingesetzt und es aufgeschrieben. Das ist ein bisschen wie mit einem Brötchen, das man nur noch aufbacken muss«. Vier weitere Drehbücher habe sie derzeit in der Schublade liegen, sagt Potente, die im münsterländischen Dülmen aufwuchs, alle auf Englisch geschrieben. »Das ist die Sprache, mit der ich täglich umgehe. Die Sprache, in der ich streite. Ich fühle mich in ihr auch freier.«

höb
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