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Sophie Mort Frau Doktor Insta

aus DER SPIEGEL 28/2021

Die Psychologin und Verhaltenstherapeutin Sophie Mort möchte etwas gegen die negativen Einflüsse der sozialen Medien tun – und betreibt dafür ein Blog auf Instagram. »Dr Soph«, wie sie sich nennt, hat inzwischen über 43 000 Abonnenten, Tendenz steigend. Besonders die Generation der nach der Jahrtausendwende Geborenen ist mit Instagram groß geworden, aber nicht immer glücklich. Die Psyche junger Menschen leidet unter dem Druck, scheinbar immer einen guten Eindruck machen und Erwartungen erfüllen zu müssen: Angst- und Essstörungen, mangelndes Selbstwertgefühl können die Folge sein. Eines der größten Probleme in der Welt der sozialen Medien, sagte Mort der »Times«, sei die »toxische Positivität«. Die allgegenwärtigen Aufforderungen, positiv zu denken, nur gute Gefühle zu haben, können dazu führen, dass jedes negative Gefühl als »falsch« interpretiert werde, was wiederum die Verstärkung von Unsicherheiten und Angst zur Folge haben könne. »Bedeutet es, dass etwas nicht stimmt mit mir, wenn ich mich schlecht fühle?«, fragt die Mitte Dreißigjährige rhetorisch. »Nein«, antwortet sie, »es bedeutet, dass du ein Mensch bist.« Ihr pragmatischer Ansatz kommt bei ihren Fans gut an. Sie gibt täglich Tipps und hat eine Videoserie mit dem Titel »Happy Not Perfect«. Nach zehn Jahren im Dienst der Gesundheitsbehörde will Mort mit ihrem Blog nun aufklären und die Menschen erreichen, bevor es ihnen schlecht geht. Finanzieren kann Mort ihre Bloggerinnentätigkeit mit Therapiestunden für Privatpatienten, die sie ausschließlich online abhält. Außerdem erscheint gerade ein Buch von ihr: »Manual for Being Human«, etwa »Anleitung zum Menschsein«. Auch damit will Mort tiefere Krisen verhindern helfen. Trotz aller Prophylaxe muss sie gewiss keine Angst haben, arbeitslos zu werden: Bis auf Weiteres ist sie völlig ausgebucht, neue Patientinnen nimmt sie nicht an.

ks
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