Bette Midler Gut gemeint ist noch lange nicht gut getwittert

Eigentlich wollte Bette Midler sich via Twitter für Frauenrechte stark machen. Aber die Schauspielerin vergriff sich so im Ton, dass der Versuch nach hinten losging.

AFP

Dass Bette Midler meinungsfreudig und streitlustig ist, lässt sich an ihren öffentlichen Aussagen und Tweets gut ablesen. Eine Äußerung auf Twitter brachte der Schauspielerin und Sängerin indes so viel Kritik ein, dass sie ihre Worte zurücknahm und zerknirscht um Verzeihung bat.

Midler hatte geschrieben, Frauen seien das "N-Wort der Welt": "Vergewaltigt, geschlagen, versklavt, zwangsverheiratet, ausgebeutet wie dumme Tiere". Frauen werde Bildung und Erbschaft vorenthalten; sie müssten den Schmerz und die Gefahren von Geburten ertragen. Frauen seien "die Kreaturen auf der Welt, denen am wenigsten Respekt entgegengebracht" werde.

Die Kritik kam prompt, und sie war deutlich. Manche Personen störten sich daran, dass Midler als reiche weiße Frau nicht in der Position sei, sich über Benachteiligung auszulassen. Andere kritisierten, der Kampf weißer Frauen könne nicht mit der Geschichte des Rassismus, der Gewalt und der systematischen Unterdrückung verglichen werden, denen schwarze Frauen ausgesetzt seien.

Midler lasse die Schwierigkeiten schwarzer Frauen außen vor, ihre Äußerung sei angesichts der Versklavung und Benachteiligung Schwarzer in den USA geschmacklos.

Zunächst schien sich Midler davon nicht beeindrucken lassen zu wollen. Die 72-Jährige twitterte, es handle sich um ein Zitat von Yoko Ono aus dem Jahr 1972. "Es klang damals richtig, und es klingt heute richtig, ob es euch passt oder nicht." Es gehe nicht um schwarz oder weiß, schrieb Midler, "sondern um den Status von Frauen; IHRE GESCHICHTE."

Das machte es nicht besser, fassten es doch viele als Rechtfertigungsversuch für etwas auf, das nicht zu rechtfertigen sei. Es dauerte nicht lange, dann waren beide Tweets verschwunden und Midlers Ton wurde konzilianter.

Sie habe sich sehr über die zu kurze Untersuchung der Vorwürfe gegen Brett Kavanaugh geärgert, Donald Trumps Kandidat für einen Sitz am Obersten US-Gericht. Sie habe getwittert, ohne darüber nachzudenken, dass ihre Worte schwarze Frauen erzürnen könnten, die doppelt zu leiden hätten: Weil sie Frauen und weil sie schwarz seien. "Ich bin eine Verbündete und stehe mit euch; das habe ich immer getan. Und ich entschuldige mich."

ulz



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.