Geburt von Lilibet Diana »Vielleicht wird das Mädchen sogar stolz auf seinen Namen sein«

Der Name von Harrys und Meghans neugeborener Tochter könnte kaum bedeutungsschwerer sein. Gabriele Rodriguez, Fachberaterin für Vornamen, sieht darin kein Problem, sie hält die Entscheidung der Eltern für ideal.
Ein Interview von Lisa Duhm
Lilibet Diana Mountbatten-Windsor ist das zweite Kind von Harry und Meghan

Lilibet Diana Mountbatten-Windsor ist das zweite Kind von Harry und Meghan

Foto: Matt Dunham / dpa

SPIEGEL: Frau Rodriguez, Harry und Meghan haben den Namen ihrer neugeborenen Tochter verkündet: Lilibet Diana. Was haben Sie gedacht, als Sie das hörten?

Gabriele Rodriguez: Die Wahl finde ich für das Kind ideal. In Königsfamilien ist es üblich, dass Kinder nach ihren Vorfahren benannt werden, meist nach den Großeltern. Lilibet ist eine Koseform des Namens von Urgroßmutter Elisabeth, Diana der Name der Großmutter. Obwohl Harry und Meghan damit der Tradition folgen, haben sie es doch geschafft, einen sehr modernen Namen zu finden. Das Mädchen kann »Lili« gerufen werden, was aktuell voll im Trend liegt.

SPIEGEL: Was bedeutet es für ein Kind, einen so bedeutungsschweren Namen zu tragen?

Rodriguez: Vielleicht wird das Mädchen sogar stolz auf seinen Namen sein, auf seine beiden bedeutenden Vorfahren. Hätten die Eltern Elisabeth als Rufnamen gewählt, sähe das anders aus. Der Name klingt ernsthafter, der direkte Bezug zur Großmutter würde schwerer wiegen. So aber wird Lilibet erfahren, dass es ihr eigener Name ist. Ich habe auch einen persönlichen Bezug zu dem Namen. Meine Tochter heißt ebenfalls Diana, sie wurde 1987 geboren. Bis heute ist Diana weltweit ein weit verbreiteter Name. Und meine Hündin hört auf den Namen Lili. Ich kann die Wahl also nur gutheißen.

SPIEGEL: Sie bieten an der Universität Leipzig Namensberatung an. Von Ihnen hätten Harry und Meghan also eine uneingeschränkte Empfehlung für ihre Lilibet Diana erhalten?

Rodriguez: Absolut. Heute liegen kurze Namen im Trend, bei Jungen ein- bis zweisilbige, bei Mädchen zweisilbige. »Lili« klingt weiblich und niedlich, weil der Name auf -i endet. Er hat alles, was ein wohlklingender Name haben muss. Und es ist auch ein allgemeiner Trend, Kinder heute wieder nach den eigenen Vorfahren zu benennen. Da bilden Königshäuser keine Ausnahme mehr.

SPIEGEL: Wie kommt das?

Rodriguez: Wir beobachten das etwa seit der Jahrtausendwende. Seitdem werden wieder altdeutsche Namen vergeben, die zuletzt vor hundert Jahren im Trend lagen. Oskar, Fritz und Karl, bei den Mädchen Ida, Emma oder Frieda. Ich interpretiere es so, dass die Familie als sicherer Bezugspunkt der eigenen Identität wieder wichtiger geworden ist. In den Jahrzehnten zuvor gab man den Kindern lieber exotische Namen, es gab die französische, skandinavische, englische Welle. Vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs benannte man Kinder noch gern nach Heiligen. Davon wandten sich die Menschen nach den schrecklichen Gräueltaten des Krieges ab.

SPIEGEL: Mit welchen Anliegen kommen die Menschen zu Ihnen?

Rodriguez: Meist hat das Standesamt den gewünschten Namen für das Neugeborene abgelehnt. Wir erstellen dann ein Gutachten, für das wir zum Beispiel prüfen, ob der Name schon einmal in Deutschland vergeben wurde. Das ist zwar nicht rechtlich bindend, aber oft entscheiden die Standesämter nach unserer Empfehlung. Problemfälle sind etwa ausländische Namen, die wir meist empfehlen können, auch wenn sie noch nicht vorkamen. Ich hatte auch schon ganz verrückte Anfragen. Da wollten Eltern ihre Kinder »Joghurt« oder »Rumpelstilzchen« nennen. Da müssen wir abraten. Auch der Name »Lucifer« bereitet mir seit Jahren Probleme. Es gibt eine US-amerikanische Fernsehshow mit diesem Titel. Ich rate Eltern trotzdem davon ab. Der Bezug zum Teufel ist noch immer stark. Dabei hat Lucifer eigentlich eine schöne Bedeutung: »der Lichtbringer«.

SPIEGEL: Was rieten sie jemandem, der sein Kind Corona nennen möchte?

Rodriguez: Tatsächlich stellt das überhaupt kein Problem dar, kein Standesamt lehnt den Namen ab. Im vergangenen und auch in diesem Jahr wurden schon einige Kinder »Corona« genannt. Lange vor der Pandemie war der Name weitverbreitet, es gibt keinen Grund, ihn plötzlich zu verbieten. Der Name stammt aus dem Lateinischen und bedeutet »Krone«. An sich ist das hübsch, aber natürlich sollte man überlegen, was man seinem Kind damit aufbürdet.

SPIEGEL: Welche Fallstricke sollten Eltern bei der Namenswahl für ihr Kind beachten?

Rodriguez: Mein Haupttipp ist, einen zeitlosen Namen zu wählen. Wenn er vor hundert Jahren im Trend lag und auch jetzt gut klingt, kann man kaum etwas falsch machen. Außerdem ist es wichtig, sich zu fragen: Wäre ich selbst glücklich, diesen Namen mein Leben lang zu tragen? Könnte man ihn verballhornen oder ergibt er gar im Zusammenspiel mit dem Nachnamen eine merkwürdige Kombination? Wählt man einen exotischen Namen, sollte man einen weit verbreiteten Zweitnamen aussuchen, damit das Kind später selbst entscheiden kann.

Anm. d. Red.: In einer früheren Fassung dieses Textes hieß es, die damalige Prinzessin Diana sei 1987 noch nicht berühmt gewesen. Das trifft nicht zu.