Bericht über angebliche sexuelle Belästigung Millionen-Schadensersatz für Oscarpreisträger Geoffrey Rush

Wenn es um Diffamierung geht, kennen australische Richter offenbar keine Gnade: Ein Gericht hat dem Schauspieler Geoffrey Rush in einem Prozess gegen den "Daily Telegraph" eine Rekordsumme zugesprochen.

Schauspieler Geoffrey Rush nach dem Prozess in Sydney: Erneuter Erfolg vor Gericht
Brook Mitchell/ Getty Images

Schauspieler Geoffrey Rush nach dem Prozess in Sydney: Erneuter Erfolg vor Gericht


Der Oscar-Preisträger Geoffrey Rush soll wegen falscher Berichte über die angebliche sexuelle Belästigung einer Kollegin eine Millionensumme erhalten. Ein Gericht in Sydney hat ihm wegen Artikeln des "Daily Telegraph" eine Summe von 1,96 Millionen Australischen Dollar zugesprochen. Das entspricht gut 1,2 Millionen Euro.

Dem Fernsehsender ABC zufolge handelt es sich nun um die höchste Summe, die jemals einem einzelnen Australier wegen Diffamierung zugesprochen wurde. Der Verlag des "Daily Telegraph" legte Berufung ein.

Es ist die zweite Strafe gegen den "Daily Telegraph" innerhalb weniger Wochen in dem Fall. Bereits im April hatte ein Gericht zu Rushs Gunsten entschieden, weil der "Daily Telegraph" nicht sorgfältig genug recherchiert habe. Damals wurden ihm 850.000 Australische Dollar zugesprochen.

Mit der neuen Entscheidung beläuft sich die Gesamtsumme auf gut 2,8 Millionen Australische Dollar (rund 1,73 Millionen Euro) Schadenersatz. Damit sollen Einkommensausfälle vergangener und künftiger Jahre ausgeglichen werden, die dem Schauspieler bereits entstanden sind oder noch entstehen könnten.

Der "Daily Telegraph" hatte 2017 unter Berufung auf eine Schauspielerin behauptet, dass Rush eine Kollegin der Frau während einer Theaterproduktion von "König Lear" sexuell belästigt habe. Er selbst bestritt die Vorwürfe von Anfang an.

Rush forderte eine Entschuldigung

Laut ABC hatte der Schauspieler im vergangenen Jahr angeboten, den Streit mit der Zeitung gegen eine Entschuldigung, die Übernahme der Anwaltskosten und 50.000 Australien-Dollar (etwa 31.000 Euro) beizulegen. Der Verlag des "Daily Telegraph" sei darauf aber nicht eingegangen.

Rush hatte 1997 für seine Rolle in "Shine - Der Weg ins Licht" den Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen. Zu seinen weiteren Filmen gehören "Shakespeare In Love", "The King's Speech" und "Fluch der Karibik".

Das australische Gesetz gegen Diffamierung ist streng. Auch deutsche Medien bekamen die Folgen schon zu spüren: Die Schauspielerin Rebel Wilson beispielsweise streitet sich schon länger mit dem Bauer-Verlag um Schadenersatz in Millionenhöhe.

one/dpa/Reuters



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