Protest gegen Brunei George Clooneys Kampagne zeigt Wirkung

Hollywoodstar George Clooney fordert dazu auf, bestimmte Luxushotels zu meiden - als Protest gegen die Einführung der Todesstrafe für Homosexuelle im Sultanat Brunei. Der Aufruf hat bereits erste Erfolge.

George Clooney
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George Clooney


Vor gut einer Woche hatte Schauspieler George Clooney öffentlichkeitswirksam zum Boykott von Luxushotels aufgerufen, die sich im Besitz des Sultans von Brunei, Hassanal Bolkiah, befinden. Clooney hatte neun Luxusherbergen in England, Frankreich, Italien und Kalifornien aufgelistet, die der Brunei Investment Agency gehören. Mit jedem Besuch dieser Hotels würde man dazu beitragen, die Ermordung unschuldiger Menschen zu finanzieren, mahnte Clooney. Sein Boykott-Aufruf wurde unter anderem von Popstar Elton John weiterverbreitet.

Hintergrund von Clooneys Wut waren Strafrechtsverschärfungen in Brunei, die am Mittwoch in Kraft getreten sind. Sie orientieren sich am islamischen Recht der Scharia und sehen für gleichgeschlechtlichen Sex zum Beispiel die Todesstrafe durch Steinigung vor.

Im Sinne von Clooneys Aufruf haben mittlerweile einige größere Unternehmen Konsequenzen aus den neuen Regeln in Brunei gezogen:

  • Der Reiseanbieter STA Travel hat angekündigt, vorerst keine Flüge von Bruneis nationaler Fluggesellschaft Royal Brunei Airlines mehr anzubieten.
  • Die australische Fluggesellschaft Virgin Australia Airlines beendete eine Kooperation mit Royal Brunei Airlines, bei der es um rabattierte Flugtickets für Mitarbeiter ging.
  • Die für das Londoner Verkehrssystem zuständige Organisation Transport For London teilte mit, dass sie Werbung für Urlaubsreisen nach Brunei entfernt habe.
  • Die Deutsche Bank teilte mit, dass sie die neun Hotels von der Liste der Unterkünfte entfernt, in denen sie ihre Mitarbeiter auf Reisen einquartiert. Stuart Lewis, der oberste Risikomanager der Bank, sagte laut "Welt": "Die neuen Gesetze, die Brunei eingeführt hat, verstoßen gegen grundlegende Menschenrechte, und wir glauben, dass es unsere Pflicht als Unternehmen ist, Maßnahmen dagegen zu ergreifen."
  • Der "Welt" und der "Financial Times" zufolge sind in den vergangenen Tagen zudem Veranstaltungen verschiedener Firmen im Londoner "The Dorchester", einem der erwähnten Hotels, abgesagt worden. Ähnliches wird auch aus Los Angeles berichtet.

Clooney kennt die Hotels aus eigener Erfahrung

Mörderische Regime könne man kaum ändern, aber man könne Banken und Unternehmen, die mit ihnen Geschäfte machen, an den Pranger stellen, hatte Clooney in seinem Gastbeitrag für das Magazin "Deadline" geschrieben. Darin verwies er unter anderem auf eine Boykott-Aktion gegen zwei der Hotels in Los Angeles vor einigen Jahren: Sie sei "bis zu einem gewissen Grad" effektiv gewesen. Der Schauspieler räumte allerdings ein, dass er selbst unwissentlich schon in einigen der fraglichen Luxushotels gewohnt habe.

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Sultan von Brunei: Allmächtiger!

Die neun Hotels, die in Clooneys Fokus geraten sind, treten unter dem Markennamen Dorchester Collection auf. Auf der Website der Hotelgruppe taucht mittlerweile prominent eine Stellungnahme auf, in der man sich für "Inklusion, Diversität und Gleichheit" ausspricht: Man toleriere keine Form der Diskriminierung, habe dies noch nie getan und werde dies auch nie tun.

"Wir verstehen die Wut und den Frust der Menschen", heißt es weiter. Bei dem, was nun geschehe, gehe es aber um eine politisches und religiöses Thema. Die Hotels mit ihren 3630 Mitarbeitern seien nicht der richtige Ort für diese Auseinandersetzung.

Mehrere Social-Media-Accounts aus dem Umfeld der Dorchester Collection wie der Twitter-Account @TheDorchester sind in den vergangenen Tagen vom Netz genommen worden. Womöglich sehen die Betreiber die Deaktivierung der Accounts als einen Weg, negativen Reaktionen von Internetnutzern auszuweichen.

Proteste und Empörung

Proteste gegen Brunei und seine neuen Strafregelungen gibt es online, aber auch an Universitäten. So existiert etwa eine Petition, mit der die Oxford University aufgefordert wird, einen Ehrentitel zu widerrufen, mit dem Sultan Hassanal Bolkiah 1993 ausgezeichnet worden war. Von der Universität hieß es in einer ersten Stellungnahme, man werde sich noch einmal mit dem Thema beschäftigen.

In London hatte es am Wochenende auch einen kleineren Straßenprotest gegen Bruneis Gesetzesänderungen gegeben. Rund hundert Menschen zeigten sich demnach mit der Regenbogenflagge vor dem Dorchester-Hotel.

Die Verschärfung des Scharia-Rechts in Brunei hatte in vielen Ländern weltweit Empörung ausgelöst. Uno-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet etwa bezeichnete die Strafen als "grausam und unmenschlich". Deutschland, Frankreich und die USA riefen das Sultanat zur Achtung der Menschenrechte auf.

Das Auswärtige Amt riet Reisenden in Brunei angesichts der Strafrechtsverschärfungen am Mittwoch zu besonderer Vorsicht. Besuchern werde ausdrücklich empfohlen, "sich mit den landesspezifischen Gesetzen vertraut zu machen".

mbö/Reuters



insgesamt 5 Beiträge
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bernteone 23.04.2019
1. Sanktionen aufs Öl
und die würden gsnz schnell einlenken . Öl ist was die Herrscherfamilie reich macht . Wenn ihr pompöser Lebenstil in Gefahr wäre bin ich mir sicher wäre das Problem ganz schnell gelöst . Aber die Sanktionen sind nur für den Iran angedacht .
Beijinger 23.04.2019
2. Ich habe nicht nur
wegen dieser Entwicklung in Brunei Reisen in islamische Länder seit vielen Jahren auf meine persönliche no go Liste gesetzt. Das gleiche gilt für Flüge mit Airlines aus diesen Ländern, die könnten mir kostenlose Tickets anbieten, würde ich nicht akzeptieren. No way......
zack34 23.04.2019
3. Effektive polit. Werbung in eigener Sache
Merke: G.Cooney hat auch monatelang für "die Befreiung von Südsudan" geworben. Inzwischen versinkt ganz Sudan im Chaos, und von dem Befreier ist dazu nichts mehr zu hören. Dass Hr.Clooney polit.Ambitionen pflegt, dürfte sich herum gesprochen haben. Aber die Show gehört dazu...
Hans58 23.04.2019
4.
Zitat von bernteoneund die würden gsnz schnell einlenken . Öl ist was die Herrscherfamilie reich macht . Wenn ihr pompöser Lebenstil in Gefahr wäre bin ich mir sicher wäre das Problem ganz schnell gelöst . Aber die Sanktionen sind nur für den Iran angedacht .
Glauben Sie, dass Südkorea, Taiwan oder Japan sich seine Ölimporte aus Brunei mit Sanktionen belegt? Oder denken Sie eher daran, dass die Niederländer oder die Briten sich aus der Brunei Shell Petroleum Gesellschaft zurückziehen?
Ronald Dae 31.05.2019
5.
Klasse, George!
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