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28. August 2009, 21:51 Uhr

Gerichtsmediziner

Michael Jackson starb durch "Tötungsdelikt"

Die Gerichtsmedizin von Los Angeles hat im Fall Michael Jackson ihren offiziellen Bericht vorgelegt. Das Ergebnis: Der Popstar starb aufgrund eines Tötungsdelikts. Todesursache war dem Befund zufolge eine "akute Vergiftung" mit dem Schlafmittel Propofol.

Los Angeles - Der Gerichtsmediziner von Los Angeles hat die seit Wochen kursierenden Gerüchte bestätigt: Michael Jackson ist keines natürlichen Todes gestorben. Eine "akute Vergiftung" mit dem Anästhesiemittel Propofol habe den Tod des "King of Pop" herbeigeführt. Jackson sei einem "Tötungsdelikt" zum Opfer gefallen, heißt es in einer Mitteilung.

Der komplette Autopsiebericht sowie der toxikologische Befund sollen auf Antrag der Polizei von Los Angeles und des Staatsanwalts unter Verschluss bleiben. In der ersten Mitteilung heißt es weiter, dass auch andere Beruhigungsmittel eine Rolle gespielt hätten, vor allem das Medikament Lorazepam. Es wird in den USA unter dem Namen Ativan gegen Angstzustände verschrieben.

Weitere Medikamente, deren Spuren bei der Autopsie des Popstars entdeckt wurden, waren unter anderem die Beruhigungsmittel Diazepam (Valium) und Midazolam (Versed). Sie hatten allerdings keinen direkten Einfluss auf Jacksons Herzversagen, heißt es in der offiziellen Erklärung.

Die Ergebnisse der Gerichtsmedizin decken sich in großen Teilen mit zuvor veröffentlichten Aussagen von Jacksons Privatarzt Dr. Conrad Murray. Der Mediziner hatte der Polizei zu Protokoll gegeben, dass er Jackson auf dessen Verlangen Propofol gespritzt habe.

Den Aussagen zufolge hatten die von Murray verabreichten Beruhigungsmittel in der Nacht vor Jacksons Tod keine Wirkung gezeigt. Wiederholt habe Jackson um Propofol gebeten, sagte Murray. Um 10.40 Uhr morgens (Ortszeit) habe er nachgegeben und ihm das Betäubungsmittel verabreicht, so Murray.

Der Popstar sei daraufhin eingeschlafen. Murray blieb nach eigener Aussage rund zehn Minuten an der Seite seines Patienten und verließ dann den Raum, um zur Toilette zu gehen. Bei seiner Rückkehr - rund zwei Minuten später - hatte Jackson aufgehört zu atmen. Murrays Anwalt bezweifelte diesen zeitlichen Ablauf und sprach von einer "Theorie der Polizei".

Gegen Murray wird im Todesfall Jackson seit Wochen ermittelt, eine Anklage wurde bislang jedoch nicht erhoben. Ob dies nach dem offiziellen Ergebnis der gerichtsmedizinischen Untersuchung geschehen wird, ist noch unklar. Die Polizei von Los Angeles übergibt den Fall der Staatsanwaltschaft. Diese muss nun entscheiden, ob Anklage erhoben wird oder nicht.

hut/dpa/AP

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