Gipfelstürmerin Queen Michelle

Cool und herzlich, chic und bodenständig: Michelle Obama begeisterte beim G-20-Gipfel mit einer für eine First Lady ungewohnten Nahbarkeit. Was die Briten verblüfft, ist nicht nur, dass die amerikanische Präsidentengattin die Queen knuddelte - sondern dass diese zurückherzte.


London - Wer sich darüber ereifert, dass Michelle Obama das Hofprotokoll missachtete, als sie beim Empfang der englischen Königin in Buckingham-Palast den Arm um die Queen legte - die Monarchin zu berühren, ist streng untersagt - übersieht etwas viel erstaunlicheres.

Denn, so belehrt die britische "Times" heute ihre Leser, ungleich bemerkenswerter sei etwas ganz anderes: Die Queen habe die liebevolle Umarmung erwidert!

Dies wird vom Blatt als Symptom einer Zeitenwende in der britischen Monarchie gedeutet. Als der australische Premierminister es vor knapp 20 Jahren wagte, Elizabeth II. die Hand auf den Rücken zu lagen, sei dieser immerhin noch als "Lizard of Oz", als unsittliches Kriechtier, gebrandmarkt worden.

Auf den Obama-Knuddler reagierte der Palast - für seine Verhältnisse - betont gelassen. "Es handelte sich um eine beiderseitige und spontane Demonstration der Sympathie und Wertschätzung zwischen der Queen und Michelle Obama", sagte eine Palastsprecherin.

Die Briten sind von so viel Spontaneität begeistert, die Amerikaner wiederum sind begeistert, weil die Briten von ihrer First Lady so begeistert sind: "Man nennt sie dort 'Mighty Michelle' und 'Die Neue Jacqueline Kennedy'", frohlockt die "Washington Post".

Ihren Herz- und Kosefeldzug setzte die First Lady beim letzten offiziellen Termin ihrer London-Reise ungehindert fort: Beim Besuch der Elizabeth-Garrett-Anderson-Mädchenschule konnte sich Michelle Obama der Zuneigung der Schülerinnen kaum erwehren und teilte selbst reichlich Umarmungen aus.

Wie schon im US-Wahlkampf transportierte die 45-Jährige auch an die jungen Britinnen ihre Message: In ihrem Leben habe zunächst nicht viel dafür gesprochen, dass sie einmal die erste schwarze Präsidentengattin der USA sein würde. Liebe, starke Werte, Bildung und "ein Haufen Arbeit" seien Schlüssel zum Erfolg. "Auch ihr könnt, mit diesen Werten, Euer Schicksal selbst bestimmen."

Der Siegeszug dürfte unvermindert anhalten - jetzt wird Michelle Obama in Straßburg erwartet.

pad



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