Geschmackloses Halloween-Kostüm Einmal Raubopfer sein wie Kim Kardashian

Schon eine Idee für Halloween? Wie wäre es mit einem "Pariser Raubopfer-Kostümset" für 69,99 Dollar, Fesseln und Knebel inklusive? Geschmacklos und "ekelhaft" sei ein solches Outfit, finden Fans von Kim Kardashian.

REUTERS

Das Unternehmen Costumeish verkauft "billige Halloween-Kostüme" - zu allen Themen, für jedermann, wie es auf der Webseite heißt. In der Prominentensparte locken die üblichen Verdächtigen - Elvis, Michael Jackson, Lady Gaga und Marilyn Monroe.

Für eine kurze Zeit konnte man hier auch ein Kostüm erstehen, das nicht explizit einer Celebrity zugeordnet wurde - aber recht unverkennbar Kim Kardashian darstellen sollte. Und das in einem ihrer schwärzesten Momente.

Auf dem Produktfoto zu sehen ist eine kniende Frau in einem weißen Bademantel, die Hände gefesselt und einen weißen Knebel im Mund. Die Frau hat sehr langes, schwarzes Haar und trägt eine schwarze Sonnenbrille. Das Produkt heißt "Pariser Raubopfer-Kostümset", kostet 69,99 Dollar und beinhaltet den Mantel, eine Perücke, einen "Vier-Millionen-Dollar-Ring", die Sonnenbrille, einen Knebel und Fesselband. Auch die Produktbeschreibung ist unmissverständlich: "Sie hat ihr Leben dem Ziel gewidmet, für amerikanische Dekadenz zu werben, für Jugend und Hedonismus."

Ein recht unverhohlener Hinweis auf Reality-TV-Star Kim Kardashian, die vor eineinhalb Wochen in einer Luxusvilla in Paris von als Polizisten verkleideten Männern überwältigt, gefesselt und bedroht wurde. Die Einbrecher sollen Schmuck im Wert von zehn Millionen Dollar geklaut haben, doch schlimmer als der materielle Verlust sollen die psychologischen Spätfolgen auf Kardashian sein. Der Vorfall sei "schrecklich traumatisch" für sie gewesen, sagte ihre Schwester Khloe in der "Ellen DeGeneres-Show".

Dementsprechend ungehalten reagierten viele potenzielle Käufer: "Ich bin kein Fan von Kim Kardashian, aber das ist ekelhaft", schrieb einer auf der Webseite des Unternehmens. "Die Situation, in der Kim war, sollte weder für sie noch für jemanden anders ein Witz sein." Auch in den sozialen Medien war die Entrüstung groß. "Das Kostüm ist total krank. Es gibt ein paar extrem abgedrehte Leute da draußen", schrieb die Britin Olivia Barraclough auf Twitter.

Der stellvertretende Geschäftsführer von Costumeish, Johnathon Weeks, sagte dem Sender CNN, man wolle sich nicht über Kardashian lustig machen. "Wir habe großes Mitleid mit allen Opfern von Kriminalität und niemand verdient es, so eine schreckliche Erfahrung zu machen." Aber Halloween sei nun mal der Tag, an dem die Menschen ihren manchmal auch kranken Humor ausleben könnten. "Es geht um Spaß. Es geht ums Lachen. Manchmal ist Lachen das Beste in ernsten Situationen."

Trotzdem ist beim Hersteller irgendwem dann doch das Lachen vergangen. Das umstrittene Kostüm wurde aus dem Onlineshop entfernt.

Kardashian hatte nach dem Raubüberfall bereits mit Spott und Häme zu kämpfen. Sie wurde dafür kritisiert, dass sie Bilder des später gestohlenen Schmucks auf Instagram gepostet hatte. Auch Designer Karl Lagerfeld rügte Kardashian für ihre Publicity-Sucht: "Man kann nicht seinen Reichtum so zur Schau stellen und sich dann wundern, wenn andere etwas davon abhaben wollen", sagte er.

Die US-Website mediatakeout.com warf Kardashian gar vor, den Überfall erfunden zu haben. Nun hat die 35-Jährige Klage gegen die Website eingereicht. Sie sei ein zweites Mal zum Opfer gemacht worden, indem sie als Lügnerin und Diebin bezeichnet wurde, hieß es zur Begründung. "Die Artikel sind voller ungestützter Behauptungen und nennen keine glaubwürdigen Quellen für die wilden Anschuldigungen" heißt es laut "variety.com" in der Anklage. Die Vorwürfe seien bewusst darauf ausgelegt, Kardashian zu schaden.

In Paris hat derweil die französische Justiz ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Ermittelt werde wegen eines bandenmäßigen bewaffneten Raubüberfalls, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Freiheitsberaubung, hieß es. Das Verfahren sei bereits am Dienstag eröffnet worden.

ala/dpa



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