»Ich mag so gern am Fließband stehn« Kabarettist und Liedermacher Hans Scheibner ist tot

Er feierte im ganzen Land Erfolge, ob mit eigenen Songs oder Fernsehauftritten: Nun ist Hans Scheibner in seiner Heimatstadt nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 85 Jahren gestorben.
Im Alter von 85 Jahren gestorben: der Hamburger Liedermacher und Kabarettist Hans Scheibner

Im Alter von 85 Jahren gestorben: der Hamburger Liedermacher und Kabarettist Hans Scheibner

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Der Hamburger Liedermacher und Kabarettist Hans Scheibner ist tot. Er starb am 23. Mai im Alter von 85 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit, wie seine Familie am Mittwochabend mitteilte. Das berichten unter anderem die Deutsche Presseagentur und der Norddeutsche Rundfunk .

Mit Songs wie »Ich mag so gern am Fließband stehn«, seiner Sendereihe »scheibnerweise« oder auch den NDR-Politsatiren »Walther und Willy« hatte Scheibner bundesweit Erfolge gefeiert. Seine wohl größte Zeit erlebte der Sohn eines kleinen Speditionsunternehmers jedoch in der legendären »Hamburger Szene« der Siebzigerjahre. So ermöglichte sein Text zu »Schmidtchen Schleicher« dem Sänger Nico Haak 1976 einen viel gesummten Top-Ten-Hit.

Bereits zwei Jahre zuvor hatte Scheibner für Gottfried und Lonzo von der »Rentnerband« die Hymne »Hamburg 75« verfasst. »Ich liebe Hamburg über alles«, hatte der am 27. August 1936 geborene Träger der Biermann-Ratjen-Medaille der Hansestadt Hamburg anlässlich seines 80. Geburtstags gestanden. In der Stadt erlebte er als Kind die Bombennächte des »Feuersturms«, später identifizierte er sich mit dem gern gepflegten Understatement ihrer Einwohner. In Hamburg wirkten einst auch seine Vorbilder Heinrich Heine und Joachim Ringelnatz.

Scheibner eckt immer wieder an

Scheibners Titellied seiner LP »Achterndiek« geriet nicht nur in Brokdorf zum Hit der Antiatomkraftbewegung. Immer wieder sorgte der Künstler allerdings selbst für Karriereknicks. So verglich er 1985 in der NDR-Talkshow Soldaten mit Mördern, woraufhin »scheibnerweise« für längere Zeit abgesetzt wurde. Dabei erschien der Satiriker, der gern auch Alltägliches und Zwischenmenschliches (»Wer nimmt Oma?«) aufs Korn nahm, den Linken oft zu konservativ und Konservativen zu links. Ein »humanistisches Menschenbild« habe er sich durch Lektüre von Sokrates und Platon bis zu Lessing und Kierkegaard angeeignet, erklärte Scheibner.

Kirche und Religion hat er genauso abgeschworen wie später dem zeitgeistkonformen Marxismus. Kritisches Bewusstsein und Lebensgenuss schlossen sich nie aus für den Künstler, der seit 1990 in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Petra Verena Milchert verheiratet und begeisterter später Vater von vier Töchtern war. Nun starb er zu Hause im Kreise seiner Familie.

tfb/dpa
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