Plus-Size-Model Hayley Hasselhoff "Ich musste erst mal meine Kurven verstehen"

Hayley Hasselhoff arbeitet als Model für Übergrößen. Im Interview schimpft die Tochter von Sänger David Hasselhoff über die Vorurteile in der Modebranche.

Andres de Lara

Von Gesa Mayr


Hayley Hasselhoff, knapp 1,74 Meter groß, blonde Haare, grüne Augen, beneidenswerte Wangenknochen, hat Modelmaße. Mit Kleidergröße 42-44 sogar Übergrößenmodelmaße. In diesem Jahr war sie viel unterwegs, Berlin, Sydney, Paris, London. Alles für die Mode, alles für ihre neue Karriere. Es hat sich gelohnt, im vergangenen Jahr hat sich herumgesprochen: Die Tochter von David Hasselhoff macht jetzt Mode in XXL.

Immer häufiger finden parallel zu den Fashion Weeks auch Schauen für Übergrößen statt. Im Februar 2014 gab es zum zweiten Mal das British Plus Size Fashion Weekend, im Mai folgte die Pulp Fashion Week für Übergrößen in Paris. Immer mit dabei: Hayley Hasselhoff. In London bekam sie gleich noch einen Preis als bestes Übergrößenmodel verliehen, die Pariser akquirierten sie als Botschafterin ihrer Veranstaltung. Die 22-Jährige ist ein Aushängeschild der Plus-Size-Schauen geworden.

Mit Sicherheit hat es geholfen, dass ihr Vater David so bekannt ist. Der Serienstar zerrte seine Töchter schon im Kindesalter vor die Kamera. Hayley hatte als Kleinkind Gastauftritte in "Baywatch", es folgten eine Rolle in einer US-Teenie-Serie und der familieneigenen Realityshow "The Hasselhoffs".

Für einen spektakulären Blick ins tatsächliche Familienleben sorgten allerdings Hayley und ihre ältere Schwester Taylor Ann. Die beiden Teenagerinnen nahmen ihren betrunkenen Vater auf Video auf. Der Clip gelangte ins Netz. Immerhin, der Vater bemühte sich um Ernüchterung und ein halbwegs erfolgreiches Comeback. Über die Alkohol-Eskapaden ihres Vaters will sie heute nicht reden. Aber über Frauen mit Kurven. Also los.

SPIEGEL ONLINE: Frau Hasselhoff, wie wurden Sie Plus-Size-Model?

Hasselhoff: Ich wollte immer schon in die Unterhaltungsbranche, meine Familie hat dazu ja einen gewissen Hang. Allerdings wollte ich nie Model werden, das kam wie aus dem Nichts auf mich zu. Die Agentur Ford Models hat mich mit 14 unter Vertrag genommen. Ich kann mich noch an meinen ersten Job erinnern. Backstage war die Hölle los, alle waren damit beschäftigt, mir von einem Kleid ins nächste zu helfen. Das Adrenalin war unglaublich. Und es hat wirklich Spaß gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind jetzt 22. Wie hat sich die Branche verändert?

Hasselhoff: Die Qualität und die Verarbeitung sind mittlerweile sehr viel besser. Vor ein paar Jahren noch war die Plus-Size-Mode nicht wirklich mein Geschmack. Aber mittlerweile gibt es Dutzende Designer, die Mode jenseits der 38 machen.

SPIEGEL ONLINE: Hat sich auch die Wahrnehmung verändert?

Hasselhoff: Es gibt viel mehr Publicity. Die Leute verstehen langsam die Idee von Plus Size, dass es die Durchschnittsgröße in der Welt widerspiegelt. Die ist nämlich eher 42 als Size Zero.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie zufrieden mit Ihrer Figur?

Hasselhoff: Ich fühle mich sehr wohl. Ich musste erst mal meine Kurven verstehen: Was mir mit meiner Figur steht, was nicht. Dabei geht es auch um Selbstbewusstsein.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt allerdings auch Leute, die kritisieren, Plus-Size-Models würden ein ungesundes Körperbild vermitteln.

Hasselhoff: Viele haben eine falsche Vorstellung von dem, was Plus Size bedeutet. Plus-Size-Models leben durchaus gesund und halten sich fit. Nur weil man nicht in die Größentabellen der "traditionellen" Modemarken passt, heißt das noch lange nicht, dass man krankhaft fettleibig ist. Die Menschen urteilen in der Beziehung oft vorschnell, ohne zu wissen, wie die Leute leben. Haben Frauen die Größe 32, heißt es, sie hungern. Haben sie Größe 44, heißt es, sie seien übergewichtig. Auf die Idee, dass es auf der Welt verschiedene Figurtypen gibt, kommt niemand.

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht weil…

Hasselhoff: Das Irre ist doch: Frauen mit Size Zero werden fertiggemacht, Frauen mit Größe 44 werden fertiggemacht. Und wenn dann mal eine Frau mit Größe 38 für Calvin Klein Werbung macht, wird die auch total fertiggemacht. Das ist alles Unsinn.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, über das Thema Gewicht und Figur wird irgendwann entspannter geredet werden?

Hasselhoff: Ich glaube, es wird immer Leute geben, die eine Meinung zu etwas haben, von dem sie keine Ahnung haben. Aber so ist das Leben, so sind die Menschen. Es kommt darauf an, wie man damit umgeht, wie sehr man es an sich heranlässt. Ich habe das Gefühl, da ist schon einiges passiert, was man auch daran sieht, dass die Branche für Übergrößen wächst.

SPIEGEL ONLINE: Wie gehen Sie mit Kritik um?

Hasselhoff: Ich finde konstruktive Kritik gut, so kann man sich verbessern. Wenn es darum geht, dass irgendwelche Boulevardblätter einen fertigmachen - ich habe gelernt, das zu ignorieren.

SPIEGEL ONLINE: Was ist das größte Kompliment, das Sie bekommen haben?

Hasselhoff: Als meine Eltern mir gesagt haben, dass sie stolz auf mich sind. Ich weiß auch nicht, warum mir das als Erstes einfällt. Aber in unserer Familie stehen wir uns wirklich nahe, deswegen ist es mir so viel wert. Und natürlich ist es toll, wenn Frauen mir sagen, dass ich ihnen geholfen habe, selbstbewusster zu werden.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Vater steht selbst in der Öffentlichkeit. Hat er Ihnen ein paar Tipps gegeben?

Hasselhoff: Mein Vater hat mir immer beigebracht, dass es in dem Geschäft um Leidenschaft und um das Handwerk geht. Und dass man nie wegen etwas anderem in dieser Branche sein sollte.

SPIEGEL ONLINE: Hat der Name Hasselhoff Ihnen Türen geöffnet?

Hasselhoff: Ich liebe meinen Vater, und ich bin dankbar für seinen Erfolg. Er hat mir gezeigt, was ich alles erreichen kann. Er möchte mir auch auf meinem Weg helfen, soweit er es kann. Aber ich will es alleine schaffen. Ich will nicht undankbar sein. Natürlich ist es toll, wenn die Menschen in Deutschland mich wegen meines Vaters ansprechen. Aber ich möchte Erfolg wegen meines Könnens haben.

insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
nic 08.01.2015
1.
Würde gerne mal Frauen auf dem Steg sehen die weder zu Dünn noch zu Dick sind. Einfach Mittelmaß, vielleicht so Größe 38-40?
nic 08.01.2015
2.
Würde gerne mal Frauen auf dem Steg sehen die weder zu Dünn noch zu Dick sind. Einfach Mittelmaß, vielleicht so Größe 38-40? EDIT: natürlich in Abhängigkeit von der Höhe. Bei 1,90 m müsste es dann etwas Größer sein. Bei 1,60 m etwas kleiner.
glen13 08.01.2015
3.
Sie hat in allen Punkten Recht.
Sibylle1969 08.01.2015
4. Die durchschnittliche Kleidergröße...
ist bei erwachsenen Frauen 40-42. Normalgröße ist für mich 36-44, 32-34 ist eigentlich schon Untergröße, Übergröße fängt bei Größe 46 an. Dass Größe 42 bereits Plus-Size sein soll, finde ich eher beleidigend für die normale Frau. Ich selbst hab bei Hosen und Röcken 38-40 und bei Oberteilen 40-42, und das bei 1,65 m Körpergröße. Der Grund dafür, dass Models so dünn sein müssen, ist dass es für die Designer am einfachsten ist, für Größe 32-34 Klamotten zu schneidern. Bei den "normalen" Frauen gibt es viel zu unterschiedliche Figurtypen: es gibt die mit eher ausgeprägtem Hintern und einer deutlich ausgeprägter Taille (Birnentyp), dann gibts die Frauen, die eher eine schmale Hüfte und keine Taille haben (zu denen gehöre ich), dann gibts Frauen mit sehr starker Oberweite im Vergleich zur Restfigur usw. Es gibt Frauen, wo der Hüftumfang deutlich größer ist als der Brustumfang und umgekehrt. Es gibt Frauen mit breiten und schmalen Schultern usw. Für jeden Figurtyp braucht es andere Schnitte bei Hosen, Röcken, Kleidern, Mänteln, Blusen und Blazern.
digidoctor 08.01.2015
5. Set-Karte
Sedcard Leute......
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