Berliner Rallye-Legende Heidi Hetzer ist tot

Mitte April war Heidi Hetzer noch mit einem Jeep auf Tour in Afrika, nun ist die 81-jährige Rallye-Fahrerin gestorben. Ihre Reisen und Erlebnisse verfolgten Millionen Menschen über soziale Medien.

Robert Schlesinger/dpa

Für ihre Autoversicherung galt Heidi Hetzer noch 2018 als Fahranfängerin. Dabei gab es deutschlandweit kaum eine versiertere Autofahrerin als Heidi Hetzer. Über die Ostertage ist die Berliner Rallye-Fahrerin nun im Alter von 81 Jahren gestorben.

"Sie war zu Hause in ihrer Wohnung in Berlin, als es geschah", teilten ihr Sohn und ihre Tochter mit. Die ehemalige Autohaus-Chefin galt als Berliner Original. Fast vier Millionen Fans verfolgten ihre Reisen und Erlebnisse über soziale Medien.

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Heidi Hetzer: Ein Leben für das Auto

Die genaue Todesursache sei noch nicht bekannt, aber es deute alles auf Altersschwäche oder einen Unfall hin, teilten Hetzers Kinder mit. Möglich sei ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. "Die Umstände ihres Todes sind auch lange nicht so wichtig wie die ihres Lebens. Sie hat bewusst und öffentlich gelebt, so als wäre jeder Tag ihr letzter", schrieben Sohn Dylan und Tochter Marla.

"Ich lebe nicht mehr, aber ich habe gelebt"

"Sie hat verstanden - und auch oft gesagt -, dass jeder Tag ein Geschenk ist", hieß es weiter. "Bis zuletzt hatte sie eine Offenheit, eine Neugier auf das Fremde, und einen unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen. Ihre Familie hatte sie sehr lieb und wird sie sehr vermissen."

Bis Mitte April war Hetzer noch mit einem rosafarbenen Jeep auf einer längeren Afrika-Tour. Zuvor war sie zweieinhalb Jahre lang mit ihrem Oldtimer "Hudo" - einem Hudson Greater Eight, Baujahr 1930 - um die Welt gereist. Da sie jedoch jahrzehntelang keinen Neuwagen auf ihren Namen zugelassen habe, sondern lediglich Oldtimer, hatte ihre Autoversicherung sie für eine Fahranfängerin gehalten - nach 65 Jahren mit Führerschein.

Die schlagfertige Berlinerin war immer für einen guten Spruch zu haben. Als auf ihrer Weltreise in Laos die Bremsen nicht richtig funktionierten, kommentierte die Abenteurerin knapp: "Bin ich halt langsamer gefahren." 2017 hatte sie auch mit einem Spruch über Schwarze für Schlagzeilen gesorgt, für den sie sich umgehend entschuldigte.

Am Dienstag stand nun als letzter Eintrag in ihrem Blog: "Ich lebe nicht mehr, aber ich habe gelebt." Ein Bewunderer kommentierte in der Nachruf-Spalte ihrer Internetseite: "Immer ein bisschen verrückt und manchmal auch wirklich überkandidelt, aber immer liebenswürdig." Und: "Meinen Respekt vor dieser Lebensleistung."

Heidi Hetzer, gelernte Kfz-Mechanikerin im väterlichen Betrieb, hatte im Alter von 31 Jahren das Unternehmen ihres Vaters übernommen. Von 1969 an baute sie es zu einem der größten Autohäuser Berlins aus. Sie führte es bis 2012 und gehörte zu den erfolgreichen Unternehmerinnen der Stadt. Als Rallye- und Oldtimerfahrerin gewann sie mehr als 150 Preise.

apr/dpa



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