Heino vor Gericht "Ich war nie im Leben krank"

Es geht um Geld, viel Geld: Weil Schlagerbarde Heino seiner Versicherung angeblich Gesundheitsprobleme verschwiegen hat, weigert sich diese, drei Millionen Euro für eine krankheitsbedingte Tourneeabsage zu zahlen. Jetzt sagte der Sänger vor Gericht aus.


Köln - Auftritt eines Schlager-Urgesteins: Der 70-jährige Heino erschien am Mittwoch vor dem Landgericht Köln, um persönlich als Zeuge in der Causa Kult Musik gegen Gothaer Versicherung auszusagen.

Schon zu Beginn der Zeugenbefragung kam Heiterkeit auf im Saal 230: "Ihr Künstlername ist Heino?", fragte die Richterin. "Ja", bestätigte der Volksmusiker mit dem bürgerlichen Namen Heinz Georg Kramm. "Wir würden Sie sich bezeichnen, als Sänger oder Künstler?", wollte die Vorsitzende wissen. Heino überlegte kurz und erklärte dann selbstironisch: "Sänger - Künstler ist zu hoch gegriffen."

Der juristische Streit war entbrannt, nachdem Heino vor zwei Jahren eine Tournee mit 40 Konzerten wegen Herzproblemen abgesagt hatte. Der Veranstalter Kult Musik wollte daraufhin eine Ausfallversicherung in Höhe von drei Millionen Euro in Anspruch nehmen. Die Gothaer Versicherung allerdings weigert sich zu zahlen, mit der Begründung, Heino habe vor Abschluss der Versicherung verschwiegen, dass er gesundheitlich angeschlagen sei.

Bis ins Detail wurde vor Gericht die Krankengeschichte des Schlagerstars aufgedeckt. Von Ohrenrauschen und chronischen Rückenschmerzen, Bluthochdruck und Beinkribbeln war die Rede. Heino jedoch beteuert ein ums andere Mal: "Ich weiß gar nicht, wat dat is" und "Das ist mir völlig neu."

"Ich war nie im Leben krank", so das Resümee des 70-Jährigen. Die Vorsitzende Richterin Elisabeth Marnett-Höderath zeigte sich irritiert: In zwei Jahren sei der Zeuge 120-mal beim Arzt gewesen, erklärte sie. Seine Hausärztin habe ihm allein 30-mal jeweils 20 Schlaftabletten verschrieben. Heino zeigte sich unberührt und entgegnete, die Tabletten habe er meist an seine Frau Hannelore weitergegeben oder an Bandmitglieder verteilt.

Die Richterin hielt dies für verantwortungslos: Diese Tabletten könnten abhängig machen, und er gebe sie einfach seiner Frau? Der Zeuge zuckte mit den Schultern: "Einer Frau was auszureden ... Hannelore ist nicht ganz so einfach."

Unbestätigten Berichten zufolge soll der Sänger, der bis heute mehr als 50 Millionen Tonträger verkauft hat , nach dem geplatzten Konzert seinen Fans aus eigener Tasche rund eine halbe Million Euro für bereits gekaufte Konzertkarten zurückerstattet haben.

ala/dpa



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