Helmut Schmidts Lebensgefährtin Die Neue an seiner Seite

Helmut Schmidt kennt Ruth Loah seit Jahrzehnten, zusammen mit ihm organisierte sie so manchen Wahlkampf. Jetzt hat der 93-Jährige erklärt: Er und Loah sind ein Paar. Wer ist die neue Frau an der Seite des Altkanzlers?

DPA

Hamburg - Es gibt dieses Foto, veröffentlicht vor ziemlich genau 27 Jahren im "Hamburger Abendblatt". Es zeigt die Leiter der Hamburger Innenbehörde seit ihrer Gründung 1962, und in der Mitte zeigt es Helmut Schmidt. Er sitzt an einem mit Blumen dekorierten und Weingläsern gut bestückten Tisch. An seiner Seite sitzt Ruth Loah, eine Frau mit kurzen Haaren und gestreifter Bluse. Der Artikel von damals beschreibt sie als Vorzimmerdame.

Doch Ruth Loah war für Helmut Schmidt über Jahrzehnte weit mehr als das. Immer wieder hat er beschrieben, wie wertvoll ihre Arbeit für ihn war. In einem Interview mit dem "Zeit"-Magazin sagte er nun, Ruth Loah sei seine Lebensgefährtin, die Frau an seiner Seite, nicht nur auf dem Foto.

Wer sich auf die Suche macht nach Informationen zu der fast 80-Jährigen, findet zunächst wenig. Ruth Loah hat im Hintergrund gewirkt. Schmidt und sie kennen sich seit mehr als einem halben Jahrhundert. Sie ist eine enge Vertraute des Ex-Kanzlers und seiner verstorbenen Frau Loki.

Menschen, die Ruth Loah kennen, bezeichnen sie als unauffällige, sehr loyale und diskrete Frau. "Gibt es außer Loki einen Menschen, an den sie jeden Tag denken?", fragt Giovanni di Lorenzo Schmidt in dem Interview. "Beinahe täglich denke ich an meine Freundin Ruth Loah", antwortet der 93-Jährige. "Ich kenne sie seit 1955. Sie war mal meine Mitarbeiterin, auch hier bei der 'Zeit'. Sie ist eine große Hilfe."

Seit Jahrzehnten in Schmidts engster Umgebung

Schmidts 68 Jahre währende Ehe mit Loki, die er seit Kindertagen kannte, wurde Teil der deutschen Geschichte. Ohne den jeweils anderen waren beide nicht denkbar. Im Oktober 2010 starb Loki Schmidt im Alter von 91 Jahren. Ihr Tod habe ihn "unendlich traurig" gemacht, sagte Helmut Schmidt später.

Wenn Helmut Schmidt nun in einem Interview darüber spricht, eine neue Lebensgefährtin zu haben, ist auch das mehr als Privatsache. Es ist ein Statement, ein öffentliches Bekenntnis.

Ruth Loah gehört seit Jahrzehnten zu Schmidts engster Umgebung. Sie unterstützte seine Wahlkämpfe, arbeitete für ihn bei der "Zeit", später auch in seinem Privatarchiv. Das Ehepaar Schmidt, Loah und vier weitere Personen schilderten 1998 im Buch "Kindheit und Jugend unter Hitler" ihr Leben während der Nazizeit. In ihm beschreibt Ruth Loah ihre durch den Krieg geprägte Kindheit in einem armen Viertel Hannovers. Sie ist das drittälteste Kind der Familie, ihr Vater ist Facharbeiter. Als sie 1933 als Ruth Wilhelm geboren wird, ist Helmut Schmidt schon ein Teenager. Vier Jahre später macht er in Hamburg Abitur. Schon während der Schulzeit ist er mit Hannelore, Loki, Glaser, seiner späteren Frau, befreundet.

Sechs Jahre Schulzeit

Ruth Loah beschreibt eindrücklich, wie sie während des Krieges zu Verwandten aufs Land geschickt wurde, um den Wirren des Krieges und der Bombenangriffe zu entkommen. Schmidt muss zunächst zum Reichsarbeiterdienst, 1941/42 kämpft er in einer Panzerdivision an der Ostfront, kurz vor Ende des Krieges an der Westfront. 1942 heiratet er Loki.

Ostern 1948 verlässt Ruth Loah die Schule. "Insgesamt bin ich nur etwa sechs Jahre zur Schule gegangen", schreibt sie Jahre später in dem Buch. "Alles, was wir heute können und wissen, haben wir uns nach dem Ende des Krieges im Zuge des Erwachsenwerdens auf verschiedenste Weise selber aneignen müssen, und die Prägung durch die soziale Umwelt der Arbeitervorstadt Hannover-Linden hatte dabei einen wesentlich größeren Einfluss auf uns als unsere Schulen."

Schmidt studiert zu dieser Zeit in Hamburg Staatswissenschaften und Volkswirtschaftslehre. Noch im Studium tritt er 1946 in die SPD ein. 1947 wird seine Tochter Susanne geboren, 1949 tritt er eine Stelle in der Hamburger Behörde für Wirtschaft und Verkehr an.

Chauffeurin für Schmidt und Kollegen

Ruth Loah wird in eine SPD-Familie hineingeboren, gleich nach dem Krieg ist ihr Vater bereits wieder ehrenamtlich als Kassierer für die Genossen tätig. Er geht von Haus zu Haus und sammelt die Mitgliedsbeiträge ein. Sie selbst beginnt 1948 als sogenanntes Laufmädchen bei der Arbeiterwohlfahrt in Hannover. In ihrem Aufsatz schreibt sie: "Dort habe ich dann im Laufe von gut drei Jahren alles gelernt, was zu einer Büroausbildung gehört, während ich außerdem noch Abendkurse in Stenografie und Schreibmaschine bei der Volkshochschule belegte."

Sie geht für zwei Jahre als Au-Pair-Mädchen nach England, 1953 kehrt sie zurück. Sie beginnt in Bonn als Telefonistin, wird Mitglied der SPD. Wenig später, 1955, trifft sie den späteren Kanzler, damals ein aufstrebender Jungpolitiker.

In seinem Buch "Weggefährten - Erinnerungen und Reflexionen" berichtet Schmidt von Wahlkämpfen in Hamburg, "herrliche Zeiten ganz intensiver, herzlicher und begeisternder Zusammenarbeit von über vierzig meist jungen Leuten". Gemeinsam mit anderen habe Loah, damals noch Ruth Wilhelm, im Kreisbüro das Telefon bedient, Aufgaben an Leute verteilt sowie Kaffee und Suppe gekocht. An diese Personen, auch Loah, "erinnere ich mich dankbar", schreibt Schmidt, "sie bildeten sozusagen den Stützpunkt für uns übrige, die wir mit Autos im weitläufigen Bezirk Hamburg-Nord unterwegs waren".

In den fünfziger Jahren teilte sich Schmidt als Bundestagsabgeordneter in Bonn eine Wohnung mit seinem Parteigenossen Willi Berkhan. Ruth Loah verband auch mit ihm eine Freundschaft. Gemeinsam sei man mit dem Auto zu Sitzungen des Europäischen Parlamentes gefahren - nach Straßburg, Brüssel, auch nach Rom, schreibt Schmidt in "Weggefährten": "Ruth Wilhelm fuhr unseren Volkswagen, und wir schliefen auf den Rücksitzen. Jedes Mal trat sie irgendwann ruckartig auf die Bremse und schrie 'Frühstück', wir rutschten von der Bank, wachten auf und fanden uns vor unserem Lieblingslokal in Maastricht."

han/ulz



insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
wkoker 02.08.2012
1. Warum nicht???
Im Alter ohne Partner zu sein,dass ist bestimmt sehr schwierig.Dann muss man dankbar sein,jemanden gefunden zu haben,der hilft diese Einsamkeit zu teilen und sich zu ergänzen. Loki wird vom Himmel über die Beiden wachen!!!
Knackeule 02.08.2012
2. Klasse wie immer
Ich habe Helmut Schmidt immer bewundert und fühle mich nur bestätigt. In einem Alter, wo die meisten schon längst tiefergelegt sind oder nur noch mit Mattscheibe im Pflegeheim vor sich hin dämmern, legt er sich noch eine neue Freundin zu. Klasse. Das hat Stil. So ein Kanzler wie er war, so einer täte uns heutzutage gut. Schade, dass man so einen nicht klonen kann.
Augustusrex 02.08.2012
3. Herzlichen Glückwunsch
Viel Glück und Freude.
lindenbast 02.08.2012
4.
Der Altkanzler wollte offenbar seine letzten Lebensjahre nicht alleine verbringen. So what?
Peter.Lublewski 02.08.2012
5. Altkanzler.
Zitat von lindenbastDer Altkanzler wollte offenbar seine letzten Lebensjahre nicht alleine verbringen. So what?
Nicht sauer werden, aber: Wenn Sie Herrn Schmidt mit "Altkanzler" anreden, zieht er Ihnen seinen Stock über.
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