Polit-Posse um Wandgemälde Zieh dir bitte was an, Hillary

Hillary Clinton im Badeanzug, Donald Trumps Ehefrau oben ohne: In Australien hat ein Straßenkünstler mit streitbaren Wandbildern Lokalpolitiker gegen sich aufgebracht. Seine Reaktion ist wieder provokant.

REUTERS/ Lushsux

Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA ist in diesem Jahr, nun ja, eher ungewöhnlich. Vor allem Donald Trump, der umstrittene Kandidat der Republikaner, macht mit schrillen Auftritten und grotesken Forderungen Schlagzeilen. Jedenfalls in Amerika.

In Australien hingegen ist es derzeit Trumps Kontrahentin Hillary Clinton, die Aufmerksamkeit erregt: Im freizügigen Einteiler in den Farben der US-Flagge posierte die Demokratin dort kürzlich - auf einem Wandbild des Künstlers Lushsux. Der hatte erst kürzlich mit einem Taylor-Swift-Wandgemälde in Melbourne für Irritationen gesorgt - aber bei Weitem kein so großes Echo ausgelöst wie jetzt.

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Wandgemälde in Melbourne: Trauer um "Taylor Smith"

Ein besonderes Detail seines jüngsten Werks im Städtchen Maribyrnong bei Melbourne, über das unter anderem der britische "Guardian" berichtet: An den Hüften ragen 1000-Dollar-Geldscheine aus dem Badeanzug. Es war aber nicht dieses Geld, das die Politik auf den Plan rief - sondern die nackte Hillary-Haut auf der Wand.

"Wir glauben, dass dieses Wandbild wegen der Darstellung einer fast nackten Frau anstößig ist - und nicht wegen der Geringschätzung von Hillary Clinton", sagte der Stadtratsvorsitzende Stephen Wall laut dem Bericht. "Und es hält sich nicht an unsere Haltung zur Gender-Gerechtigkeit." Diese Bewertung teile auch die Polizei, so Wall. Wenig später drohte das Gremium dem betroffenen Hausbesitzer mit einem Strafverfahren und einer Geldbuße, sollte das umstrittene Bild nicht verschwinden.

Doch es verschwand rechtzeitig - wenn auch nicht ganz.

Künstler Lushsux nahm die Politposse offenbar persönlich - und löste das Problem gewissermaßen auf kreative Weise: Er übermalte die halbnackte Politikerin mit schwarzer Farbe, wie ein bei Twitter kursierendes Video zeigt, und kleidete Clinton neu ein: in eine Niqab, nur ein schmaler Augenschlitz ließ einen Rest des ursprünglichen Kunstwerks übrig.

Und Lushsux ging noch weiter: Seinen Instagram-Account, auf dem er Fotos seines jüngsten Werks gepostet hatte, löschte er aus Protest. Über Twitter teilte er über die nun kaum noch zu erkennende Clinton-Malerei mit: "Dies ist keine Wand mehr mit einer angeblich 'anstößigen und halbnackten' Hillary Clinton, sondern eine muslimische Frau."

Neben die überarbeitete Fassung schrieb er: "Wenn diese muslimische Frau dich beleidigt, dann bist du ein bigotter, sexistischer Islamhasser." Ob der Street-Art-Künstler eine politische Mission verfolgt oder lediglich provozieren will, ist nicht bekannt.

Lushsux ist jedenfalls nicht der erste Künstler, der mit streitbaren Darstellungen von Politikern ein weltweites Publikum erreicht - und auch Hillary Clintons Widersacher hat schon einstecken müssen: In Melbourne hat Lushsux vor Kurzem Donald Trumps Ehefrau Melania an eine Hauswand gemalt, komplett unbekleidet. Nach der Debatte um seine Hillary-Darstellung hat der Künstler nun auch bei diesem Bild nachgebessert: Anstelle der Brüste ist nun zweimal das Konterfei Donald Trumps zu sehen (hier sehen Sie die Bilder).

Street-Art in Athen

mxw



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