Britisches Königshaus Royals wollen gegen Veröffentlichung von Hitlergruß-Video vorgehen

Ein Video mit der späteren Queen Elizabeth II., die als Kind den Hitlergruß zeigt, hat das britische Königshaus massiv verärgert. Jetzt prüft es, ob es rechtliche Schritte einleiten soll. Historiker fordern Zugang zu königlichen Archiven.

Ein mehr als 80 Jahre altes Video mit Queen Elizabeth II. hat in Großbritannien für helle Aufregung gesorgt: Darin ist die damals Siebenjährige zu sehen, wie sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Onkel, dem späteren König Edward VIII., den Hitlergruß zeigt.

Das Boulevardblatt "The Sun" hatte die nur 17 Sekunden lange Aufnahme  aus dem Privatarchiv der Royals veröffentlicht.

Jetzt hat das britische Königshaus reagiert: Zeitungsberichten zufolge erwägen die Royals rechtliche Schritte gegen die nicht autorisierte Veröffentlichung des Videos. Eine Untersuchung darüber, wie das Filmchen in die Hände der "Sun" geraten konnte, läuft bereits, berichtete die Nachrichtenagentur PA in der Nacht zum Sonntag.

Die "Sunday Times" zitierte einen Palast-Insider, dem zufolge die Frage des Copyrights geprüft werde. "Wir betrachten das von zwei Seiten", sagte die namentlich nicht genannte Quelle der Zeitung. Die eine sei die Frage des Urheberrechts. "Die andere ist, ob kriminelle Aktivitäten dabei eine Rolle spielten."

Wenn der Vater der Queen, später König George VI., gefilmt habe, lägen die Rechte an dem Material bei Elizabeth II. als seiner Nachfahrin. Sollte die Kamera im Besitz von Edward gewesen sein, gilt es als wahrscheinlich, dass der Film in seiner Pariser Villa aufbewahrt wurde. Das Haus wurde in den Achtzigerjahren von Mohamed al-Fayed angemietet, dessen Sohn Dodi zusammen mit Prinzessin Diana bei einem Autounfall im Jahr 1997 zu Tode kam.

Historiker fordern breiteren Zugang zu königlichen Archiven

Der Verdacht, die Royals versuchten ganz bewusst, jede Verbindung des britischen Könighauses zum NS-Regime zu verschleiern, indem sie Dokumente zurückhalten, hat Historiker dazu gebracht, eine Öffnung der königlichen Archive zu fordern. Diese enthielten umfangreiche Briefwechsel zwischen Mitgliedern der königlichen Familie und NSDAP-Politikern sowie deutschen Aristokraten.

"Die königliche Familie kann ihre eigene Geschichte nicht für immer ausblenden", sagte Karina Urbach vom historischen Forschungsinstitut an der Universität London dem "Guardian". "Das ist Zensur. Zensur ist kein demokratischer Wert. Sie müssen sich ihrer Vergangenheit stellen." Sie selbst stamme aus Deutschland, "einem Land, in dem wir alle uns unserer Vergangenheit stellen müssen".

Urbach hat im Rahmen ihrer Forschungen jahrelang versucht, Zugang zu Dokumenten im königlichen Archiv zu erhalten, welche die Verbindungen zwischen Nazis und Royals erhellen können. Leider erhalte man "keinen Zugang zu irgendetwas Politischem nach 1918". Demnach habe es nach 1945 eine "großes Reinemachen" in den Archiven gegeben.

Auch Helen McCarthy von der Londoner Queen Mary University forderte besseren Zugang zu Dokumenten, um "Schock-Enthüllungen" wie die der "Sun" historisch besser einordnen zu können.

Authentizität des Videos nicht bestritten

Die "Sun" hatte die umstrittene Aufnahme in der Nacht zum Samstag online gestellt. Das Video soll 1933 oder 1934 auf dem Gelände von Schloss Balmoral in Schottland aufgenommen worden sein. Es ist offenbar noch nie zuvor gezeigt worden. Die Authentizität des Films ist von der königlichen Familie bisher nicht angezweifelt worden.

"Sun"-Redakteur Stig Abell hatte betont, das Video sei auf "legitime Weise" in den Besitz der Zeitung gelangt. Es wird davon ausgegangen, dass der Film schon mehrere Wochen im Besitz der "Sun" ist und zunächst auf seine Authentizität geprüft worden ist.

Der frühere Pressesprecher der Queen, Dickie Arbiter, hatte zunächst gemutmaßt, dass das Filmmaterial versehentlich zusammen mit harmlosen Aufnahmen herausgegeben worden sein könnte.

Wallis Simpson und Edward, Herzog von Windsor, 1937 mit Adolf Hitler

Wallis Simpson und Edward, Herzog von Windsor, 1937 mit Adolf Hitler

Foto: EPA / dpa

Edward VIII., der 1936 wegen seiner Heirat mit der geschiedenen US-Bürgerin Wallis Simpson abdankte, hegte erwiesenermaßen Sympathien für Hitler und die Nazis. Ein Foto aus dem Jahr 1937 zeigt ihn mit seiner Frau bei einem persönlichen Treffen mit Hitler in Bayern.

Der Buckingham-Palast hatte mit Befremden auf die Veröffentlichung der Aufnahmen reagiert. Dass sie an die Öffentlichkeit gelangt seien und derart ausgeschlachtet würden, sei bedauerlich.

Aus Palastkreisen verlautete am Samstag, die Queen habe in ihrem damaligen Alter den Gesten mit Sicherheit keine Bedeutung zumessen können und sei komplett unschuldig gewesen. Das Verhalten der Königin und ihrer Familie während des Zweiten Weltkriegs spreche für sich.

Elizabeth, die 2002 gestorbene Mutter der heutigen Königin Elizabeth II., und ihr Ehemann George VI. genossen in der Bevölkerung hohes Ansehen, weil sie während des deutschen Bombardements von London die britische Hauptstadt nicht verließen und sich oft an den Orten der Verwüstung zeigten. Die heutige Queen ließ sich während des Zweiten Weltkriegs zur Lkw-Fahrerin und Mechanikerin ausbilden.

ala/dpa/AFP