Hysterie um ein Kleid Michelle Obama und der rot-schwarze "Schandfleck"

Finanzkrise? Krieg? Klimawandel? Wie Amerikas neuer Präsident diese Probleme lösen will, fragt sich die Welt. Modefans treibt allerdings etwas ganz anderes um. Sie diskutieren hitzig über das rot-schwarze Kleid, das Michelle Obama in der Wahlnacht trug. Sogar das Wort Schandfleck fällt dabei.


Washington - Das Objekt der Diskussionen ist schwarz mit roten Elementen über und unter der Taille und knielang. Am Wahltag trug Michelle Obama ein Kleid des angesagten amerikanischen Modedesigners Narciso Rodriguez - und sorgt mit ihrem Outfit bei vielen Amerikanern für wenig Begeisterung. Sie sind sich einig, dass die zukünftige First Lady optisch ziemlich daneben lag. Blogger der "New York Times" verglichen das Kleid gar mit einem Halloween-Kostüm.

Für einige Leser sei es ein 'eye-catching statement' (Hingucker), für andere dagegen ein 'eyesore' (Schandfleck), versuchte sich die "New York Times" in einem Wortspiel.

"Ich habe Obama gewählt, aber bestimmt nicht dieses Kleid", sagte die Hausfrau Jessica Bettencourt aus Wisconsin der Zeitung. Für die Anwältin Karla Wright aus Chicago ist das ganze Kleidungsstück eine Katastrophe: "Ich weiß gar nicht, was schlimmer ist - diese Zick-Zack-Nähte rund um die Hüfte oder dieses schwarze Band, das sich vom Saum hochwindet."

Kunstkritiker Jeff Weinstein fühlt sich sogar an ein Wohnzimmer-Accessoire erinnert, dass in den neunziger Jahren populär war: "Das war definitiv ein Lava-Lampen-Look", lästerte er laut "New York Times".

Doch Obamas Kleiderwahl stößt nicht nur auf Kritik. "Das war ein unprätentiöses Kleid", sagte die Mode-Chefin des New Yorker Luxus-Kaufhauses Barneys, Julie Gilhart. "Es signalisierte einfach: Sei wer du bist, lass' niemand anderen dir vorschreiben, wie du sein solltest."

Dass sich Michelle Obama das Kleid selbst ausgewählt hat, scheint sicher: Das Büro von Barack Obama richtete der "New York Times" aus, dass die künftige Präsidentengattin keine Stilberater habe.

Ein Blogger der Online-Ausgabe der Modezeitschrift "In Style" will in Michelle Obamas Kleid sogar ein politisches Statement erkannt haben: "Das erste, was meine Augen wahrnahmen, war das Kreuz. Dann dachte ich, dass das eine Referenz an Malcom X ist." Der radikale schwarze Bürgerrechtler war 1965 ermordet worden.

Für einen ähnlichen Outfit-Wirbel hatte zuletzt nur Sarah Palin gesorgt. Die Republikaner sollen während des Wahlkampfs für die US-Vizepräsidentschaftskandidatin 150.000 Dollar in Kleidung und Make-Up gesteckt haben.

Michelle Obama hatte sich dagegen in Modefragen eher bescheiden gegeben. "Man kann sehr gute Sachen online bestellen", verriet sie dem amerikanischen Talkmaster Jay Leno, als sie in seiner Show zu Gast war.

So günstig wie Garderobe aus dem Internet dürfte das spektakuläre Kleid von Designer Narciso Rodriguez freilich nicht sein, wenn es im Frühling auch offiziell auf den Markt kommt. Seine Stücke kosten zwischen 1000 und 8000 Dollar.

bog/AFP



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