Imagewechsel bei Verona Pooth Ich bin doch nicht blöd!

Wie man aus Nichts eine mediale Karriere bastelt, zeigte in Deutschland niemand effektiver als Verona Pooth, vormals Feldbusch. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht die TV-Moderatorin über Selbstvermarktungsstrategien und ihren angestrebten Imagewandel.


SPIEGEL ONLINE: Frau Pooth, Sie gelten als Großmeisterin der Selbstinszenierung. Neuerdings ist zu beobachten, dass Sie dabei die Niederungen des Boulevard verlassen und zunehmend seriös werden. Vom "Peep"-Girl zur Charity-Botschafterin. Was ist passiert?

Pooth: Ein Mensch muss sich innerhalb von zehn Jahren verändern. Ich bin erwachsen geworden, bin verheiratet, habe ein Kind. Ich bin da angekommen, wo ich immer hinwollte. Das gibt mir eine gewisse Gelassenheit. Ich habe nicht mehr das Gefühl, mir alles erkämpfen und ständig zeigen zu müssen, dass ich tatsächlich etwas kann.

SPIEGEL ONLINE: Empfinden Sie Genugtuung darüber, dass Sie heute differenzierter wahrgenommen werden als früher?

Pooth: Es war ein Glücksfall für meine Karriere, dass ich unterschätzt und belächelt wurde. Ich habe meine Schwächen zu meinen Stärken gemacht – das hat Leute überzeugt und mir Respekt verschafft. Wenn ich heute als seriöser wahrgenommen werde, freue ich mich darüber. Früher war es mir zum Beispiel lieb, wenn ich über mich las, mein Outfit sei "sexy". Heute finde ich es schön, wenn irgendwo steht, ich sei elegant.

SPIEGEL ONLINE: Wie plant man einen Image-Wechsel im Showgeschäft?

Pooth: Ich wollte nicht in das Jahr 2007 reingehen wie in jedes andere Jahr, mit den gleichen Ideen. Eine Marktanalyse meines neuen Managements ergab, dass die Menschen mich anders wahrnehmen als früher, mehr gesettelt und angekommen. Und das entspricht ja auch tatsächlich meinem Lebensgefühl. Ich hab sofort gesagt, ich möchte 2007 gern eine andere Positionierung anstreben.

SPIEGEL ONLINE: Und dazu gehört, dass Sie seit Mai das Help-TV-Format "Engel im Einsatz" bei RTL2 moderieren?

Pooth: Ich engagiere mich seit 16 Jahren für SOS-Kinderdörfer, habe die "Veronas Casitas" in Bolivien aufgebaut und habe fünf Patenkinder gemeinsam mit meinem Mann Franjo. Soziale Projekte liegen mir also nicht fern. Deshalb war ich froh, dass Endemol auf die Idee kam, „Engel im Einsatz“ mit mir zu produzieren, ich dachte: endlich ein Format mit Tiefe.

SPIEGEL ONLINE: Help-TV wird kritisiert, weil mit dem Leid anderer Leute Quote gemacht wird.

Pooth: Mir ist wichtig, dass keiner vorgeführt wird, und dass wir nur versprechen, was wir auch halten können. Ich bin kein Arzt, ich kann nicht zaubern, ich kann niemanden gesund machen oder eine bestimmte familiäre Situation innerhalb einer Woche ändern. Wenn wir eine Kinder-Krebsstation besuchen, dann geht es mir darum, dass wir den kleinen Patienten ein Abenteuer bescheren und Freude bringen.

"Dass es bei der Scheidung von Bohlen wild zur Sache ging, war eine Überraschung"

SPIEGEL ONLINE: Freude haben Sie zu Beginn Ihrer Karriere vor allem den Boulevard-Medien gemacht. Wo Verona war, war eine Geschichte.

Pooth: Meine Bekanntschaft mit den Medien ging los, da war ich 19 und ein Model in Hamburg. Die Zeitungsausschnitte von damals hab' ich noch. 'Als erste Hanseatin holt Verona den Titel Miss Germany'. Ich war niedlich, harmlos, jung, hatte keinem was getan und war Liebling der Presse. Die Artikel waren immer nett. Von der Front der Medienpolitik war ich weit weg.

SPIEGEL ONLINE: Dann kam Dieter Bohlen. Den heirateten Sie 1996 im Hau-Ruck-Verfahren.

Pooth: Die Hochzeit hatte ja gar keiner mitgekriegt. Wir haben nicht Gott und die Welt angerufen, es gab ja nicht mal ein Foto, nur später mal eine zehnzeilige Meldung in der "Bild", 'Dieter Bohlen heiratet das Model Verona aus Hamburg'. Dass es bei der Scheidung dann so wild zur Sache ging, war eine große Überraschung, letztendlich auch für mich.

SPIEGEL ONLINE: Sie behaupteten damals, er habe sie geschlagen, und empfingen - mit Veilchen im Gesicht - Presse-Vertreter in ihrem Krankenzimmer.

Pooth: Das lief so, dass ein Journalist zu mir sagte: 'Wenn du uns nichts erzählst, dann können wir nur Dieters Sicht der Dinge drucken'.

SPIEGEL ONLINE: Man hat sie erpresst?

Pooth: Nein, unter Druck gesetzt wäre passender, aber mir war klar, dass ich die Geschichte nicht aufhalten kann. Ich hab' also darauf gebaut, dass die Journalistin, die damals bei mir am Bett saß, meine Sicht der Dinge genau so aufschrieb, wie ich sie ihr erzählte. Am Ende des Interviews sagte die Journalistin: 'Ich hab einen Fotografen auf dem Flur. Wenn der jetzt kein Foto macht, haben wir keinen Beweis für die Geschichte, und es wird Dir keiner glauben.' Man muss aus solchen Situationen schnell was lernen. Sonst wird man nur benutzt.

SPIEGEL ONLINE: Stattdessen benutzten Sie fortan die Medien. Nach der Trennung von Bohlen wurden Sie berühmt.

Pooth: Die Trennung von Dieter Bohlen und all diese Schlagzeilen waren hart für mich. Wir waren immerhin verheiratet, und das hatte ich sehr Ernst genommen. Das war alles nicht so lustig und so skurril, wie es von außen betrachtet wirkte, diese Dreiecksbeziehung mit Naddelchen und alldem. Es war sehr taff. Aber zum Glück kippte das Drama irgendwann und wurde zur Komödie. Unzählige Auftritte bei Harald Schmidt: Dieter, ich, Dieter, ich. Die Leute hatten was zu lachen, die Presse was zu schreiben und ich musste schnell lernen damit umzugehen.

SPIEGEL ONLINE: Sie wurden als "Peep"-Moderatorin heftig durch die Mangel gedreht. Hat die Kritik Sie verletzt?

Pooth: Ich kann Kritik ganz gut ab, die lässt sich in der Medienbranche ja auch gar nicht vermeiden. Aber sie muss natürlich auch Sinn machen. Weh tut es, wenn Dinge zu meinem Nachteil frei erfunden oder verdreht werden. Über die Show "Einfach Verona" 2003 bei Sat.1 wurde nur geschrieben, dass es "schlechte Quoten" gab. Dabei habe ich den besten Marktanteil geholt, der auf diesem Sendeplatz seit Jahren erzielt worden war.

SPIEGEL ONLINE: Seit Beginn Ihrer Karriere prophezeit man der ein rasches Ende. Was unterschätzt man an Ihnen?

Pooth: Ich wusste immer genau, was ich wollte. Ich hab in sehr jungen Jahren gemerkt, dass es sehr politisch ist, für welche Blätter man sich beispielsweise bei Interviews entscheidet. Wem man absagt, wem man zusagt. Wie naiv hab ich in der Anfangszeit mit Leuten geredet, ohne zu wissen, wer was zu sagen hat, wer welche Auflage hat. Es wundert mich heute aber selbst, wie ungeschoren ich am Anfang durchgekommen bin.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie Vorbilder, an denen Sie sich orientiert haben?

Pooth: Ich finde Pippi Langstrumpf gut, auch wenn sie keine reale Figur ist. Ihr Leitspruch ist 'Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.' Ich mag Menschen, die mit nichts starten und sich etwas aufbauen. Und solche, die was haben und was Vernünftiges damit anfangen.

SPIEGEL ONLINE: Was kann man medientechnisch von Ihnen lernen?

Pooth: Ich habe Sachen gemacht, die der Zeit voraus waren. Als ich im Fernsehen anfing, war alles sehr genormt. Es gab als Moderatoren entweder ausgebildete Journalisten im Hosenanzug oder die Kiddies von MTV. Dekolletees gab's nur bei den Mädchen, die in der Talkshow die Getränke reinbrachten. Dann kam ich, über Nacht. Der kürzeste Rock, die höchsten Schuhe, die verrückteste Frisur, die Grammatikschwäche. Alle waren irritiert. Wie kommt DIE ins Fernsehen? Heute sind schräge Personalities normal, neue Talente wie Olli Pocher sind ganz schnell oben. Und: Es gibt nichts, was ich bereue. Nicht mal die Ehe mit Dieter Bohlen.

Die Fragen stellte Patricia Dreyer



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.