Indien-Besuch Michelle Obama, Dancing Queen von Bollywood

Großes Lob für Michelle Obama: Unverkrampft und musikalisch zeigte sich die First Lady beim Besuch in Indien. Mit ausgelassenen Tänzen und flotten Sprüchen stellte sie selbst ihren so charismatischen Gatten in den Schatten.

AP

Neu-Delhi - Beim dreitägigen Indien-Besuch konnte die Präsidentengattin so richtig punkten. Während ihr Ehemann die aufstrebende Wirtschaftsmacht hofierte und versprach, sich für einen Sitz Indiens im Weltsicherheitsrat stark zu machen, setzte die 46-Jährige bei dem Besuch auf lockere Schrittfolgen und persönlichen Kontakt.

In der Bollywood-Metropole Mumbai ließ sich Michelle Obama zu zwei ausgelassenen Tänzen hinreißen, woraufhin die "Times of India" sie umgehend zur "Dancing Queen" kürte. Das Magazin "India Today" titelte: "Michelle stiehlt Barack die Schau". Der Fernsehsender NDTV befand, die Aufnahmen der tanzenden First Lady seien das "bestimmende Bild des Antrittsbesuchs der Obamas in Indien".

Zwar ließ sich auch Barack Obama dazu hinreißen, die Hüfte zu schwingen. Seine Bemühungen seien aber später von Beobachtern als "roboterhaft" gebrandmarkt worden, schreiben die Kritiker vom Blog "The Daily Beast". Es sei eben Michelle Obama gewesen, die dem bilateralen Treffen jenen emotionalen Touch gegeben habe, den die Inder bei ihrem Premier Manmohan Singh bisweilen vermissten. Der zeige zu wenig Mitgefühl und so gut wie keine Mimik, bemängelten Kritiker im eigenen Land.

"Barack Obama spricht den Verstand an, Michelle berührt die Herzen - und das ungeachtet ihrer enormen Intelligenz", schrieb das Magazin "India Today" und huldigte dem Präsidenten und seine Frau als das "ideale Arbeitsteam". Auch laut Auffassung der indischen Autorin Shobhaa De kommt die "Charme-Offensive" bei den Menschen gut an: "Sie kommt rüber als Frau, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht und dennoch viel Einfühlungsvermögen besitzt", sagte De am Montag.

Mit Spannung war erwartet worden, wie sich die Stil-Ikone Obama modisch in Indien präsentieren würde. "Vintage" lautete die Antwort. "Ihre Garderobe war eine Mischung aus dem Charme der alten Welt und Bequemlichkeit", sagte der indische Designer Suneet Verma der "Hindustan Times". Vielleicht habe die fließende Silhouette es den Indern leicht gemacht, mit dem Stil der First Lady warm zu werden, vermutete er.

Am Montag besuchte die First Lady spontan das Kunsthandwerksmuseum von Neu Delhi, kaufte ein paar bunte Armreifen und plauderte mit einer Gruppe Schülerinnen. Auf die Frage des Mädchens Manpreet Kaur, wer sich im Hause Obama bei einem Ehestreit zuerst entschuldige, antwortete sie der 14-Jährigen, normalerweise sei es der Präsident.

Am Dienstagmorgen verließen die Obamas Indien in Richtung Indonesien - man darf gespannt sein, ob der US-Präsident dort, wo er vier Jahre seiner Jugend verbrachte, derjenige sein wird, der sich leichter Zugang zu den Herzen der Menschen verschafft.

ala/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.