Transgender-Debatte J.K. Rowling verteidigt sich - und erzählt erstmals von häuslicher Gewalt

In einem Essay rechtfertigt die Autorin der Harry-Potter-Bücher sich für ihre Einstellung in der Transgender-Debatte. Sie sorgt sich um die Sicherheit von Frauen, auch wegen eines persönlichen Traumas.
J.K. Rowling: "Die Verlockung, der Weiblichkeit zu entfliehen, wäre enorm gewesen"

J.K. Rowling: "Die Verlockung, der Weiblichkeit zu entfliehen, wäre enorm gewesen"

Foto: Carlo Allegri/ REUTERS

Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling ist in den vergangenen Tagen wieder für Äußerungen gegen transgender Menschen kritisiert worden - sogar von Schauspieler Daniel Radcliffe. Nun hat sich die Schriftstellerin in einem Essay, den sie auf ihrer Website veröffentlichte , für ihre Äußerungen gerechtfertigt. In dem Text wird Rowling sehr persönlich, unter anderem erzählt sie erstmals öffentlich, dass sie während ihrer ersten Ehe häusliche Gewalt erlebt habe.

Sie beschäftige sich schon seit Jahren mit Transthemen, habe transgender Menschen getroffen und Nachforschungen angestellt, so Rowling. Sie sorge sich darum, wie die Rechte von Frauen durch einige Formen von Transaktivismus beeinflusst würden.

Ihr Interesse für das Thema habe berufliche aber auch persönliche Gründe, schreibt Rowling. Wäre sie 30 Jahre später geboren worden und hätte in Onlineforen Unterstützung erfahren, hätte sie womöglich auch eine Geschlechtsanpassung in Erwägung gezogen. Als Teenager hätte sie an einer schweren Zwangsstörung gelitten. Ihr Vater habe sich immer einen Sohn gewünscht und das auch offen ausgesprochen. "Die Verlockung, der Weiblichkeit zu entfliehen, wäre enorm gewesen", so Rowling.

Die 54-Jährige schreibt auch, dass sie in ihrer ersten Ehe häusliche Gewalt erlebt habe. Missbrauch und sexuelle Übergriffe hätten ein Trauma zur Folge, das ihre Überzeugungen in Bezug auf Frauenrechte beeinflusse. "Die Narben, die Gewalt und sexuelle Übergriffe hinterlassen haben, verschwinden nicht, ganz gleich, wie sehr man geliebt wird und wie viel Geld man verdient hat", schreibt Rowling. Sie verspüre Solidarität mit transgender Frauen, die ebenfalls Erfahrung mit Gewalt machen mussten.

Rowling: Auch transgender Frauen verdienen Schutz

Sie glaube, dass die meisten transgender Menschen nicht nur keine Bedrohung für andere darstellten, sondern auch verletzlich seien und dass sie Schutz verdienten. Rowling schrieb aber auch, sie wolle nicht, dass Mädchen und Frauen weniger sicher seien. Dazu nannte sie ein Beispiel, bei dem aus ihrer Sicht die Forderungen von Transaktivisten für Frauen angeblich gefährlich seien: "Wenn man die Türen von Toiletten- und Umkleideräumen für jeden Mann öffnet, der glaubt eine Frau zu sein oder sich als Frau fühlt, (...) dann öffnet man die Tür für alle Männer, die hineinkommen wollen."

Bereits 2019 waren Aussagen Rowlings gegenüber transgender Menschen als diskriminierend wahrgenommen worden. Im vergangenen Dezember unterstützte sie Maya Forstater, eine Steuerexpertin, deren Vertrag mit dem Thinktank Center for Global Development nicht verlängert worden war. Forstater hatte auf Twitter unter anderem geschrieben: "Ich denke, dass männliche Menschen keine Frauen sind. Ich denke nicht, dass Frausein eine Frage der Identität oder weiblicher Gefühle ist. Es geht um Biologie."

Rowling unterstützte Forstater damals, dafür schlug ihr nach eigener Aussage aber Hass in den sozialen Medien entgegen. Rowling schreibt, Trans-Aktivisten hätten sie als Terf bezeichnet, eine Abkürzung für "Trans Exclusive Radical Feminist", also eine Feministin, die transgender Menschen ausschließt.

In ihrem nun veröffentlichten Essay schreibt Rowling, dass sie zu ihrer Meinung steht. Mit dem Text, insbesondere den persönlichen Schilderungen, wolle sie mehr Verständnis für ihre Ansichten schaffen und begründen, warum sie an diesen festhalte.

ptz/Reuters
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