Jackson-Video "Er war gesund und energiegeladen"

In welcher Verfassung war Michael Jackson zuletzt? Mitschnitte von einer Probe zeigen den Popstar zwei Tage vor seinem Tod fit und energiegeladen, Fotos von der Neverland Ranch erlauben einen Blick in sein ehemaliges Haus. Für Zehntausende Fans gab es indes schlechte Nachrichten.


Los Angeles - Das Video ist nur rund anderthalb Minuten lang, aber es zeigt Michael Jackson so, wie ihn viele Fans in Erinnerung haben: Energiegeladen und dynamisch. Jackson singt und tanzt mit einer Gruppe von Tänzern zu dem Song "They Don't Care About Us", mit den für ihn so typischen Bewegungen, die sich breakdanceartig von den Schultern über die Hüften in die Beine fortsetzen.

Der Mitschnitt von Proben im Staples Center in Los Angeles wurde am Donnerstag von dem US-Sender CNN veröffentlicht. Die Aufnahmen entstanden nach Angaben des Konzertveranstalters AEG Live am 23. Juni, nur zwei Tage vor dem plötzlichen Tod Jacksons. Jackson sieht sehr schmal aus, wirkt aber fit. Das Video könnte Gerüchte widerlegen, dass der "King of Pop" in jüngster Zeit gesundheitlich schwer angeschlagen war.

"Er war gesund und energiegeladen, ein Mensch, der dabei war, das größte Projekt seines Lebens zu realisieren", sagte Konzertveranstalter Randy Phillips dem Sender CNN. Am letzten Abend vor seinem Tod habe Jackson ihn nach der Probe umarmt und ihm eine gute Nacht gewünscht: "Zwischen 0.30 Uhr, als er uns verließ, und dem nächsten Morgen, als ich ins Krankenhaus fuhr, muss irgendetwas geschehen sein."

Auch dem Stimmtrainer für Jacksons Band zufolge war der "King of Pop" an seinem letzten Abend fit und zufrieden. "Er stand kurz vor der Erfüllung seines Lebenstraumes und benahm sich wie ein Kind in einem Süßwarenladen", sagte Dorian Holley dem Sender: "Er machte viele Witze und war voller Leben."

Jackson war dafür bekannt, sich manchmal wie ein Kind zu benehmen. Auf seiner Neverland Ranch, in der er bis 2005 gelebt hatte, gab es unter anderem einen Privatzoo, ein Karussell und einen Eiswagen, ein Geschenk seiner guten Freundin Elisabeth Taylor. Eine Woche nach dem Tod des Sängers hatte nun eine Fotografin Zugang zu dem Anwesen. Das Ergebnis: Bisher nie da gewesene Einblicke in die Neverland Ranch.

Keine Übertragung der Trauerfeier in Los Angeles

Am Freitagabend wurde den Jackson-Fans eine enttäuschende Nachricht mitgeteilt: Es wird keinen Trauerzug geben, keine öffentlichen Veranstaltungen in den Straßen von Los Angeles. Die Gedenkfeier für den verstorbenen "King of Pop" am Dienstag im Staples Center der Stadt wird nicht auf Videoleinwände übertragen.

Interessenten können sich bis Samstagabend, 18.00 Uhr Ortszeit, unter der Adresse staplescenter.com für die kostenlosen Tickets registrieren lassen, wie die Veranstalter mitteilten. Nach dem Zufallsprinzip würden dann 8750 Namen gezogen, die jeweils zwei Eintrittskarten erhielten. Insgesamt werden 17.500 Karten vergeben: 11.000 für die Veranstaltung im Staples Center, 6500 für das benachbarte Nokia-Theater, in dem die Feier auf drei Leinwänden live gezeigt wird.

Angesichts des erwarteten Ansturms von Zehntausenden Menschen riefen Vertreter der Stadt Fans ohne Eintrittskarte dazu auf, die Trauerfeier lieber zuhause am Fernseher zu verfolgen. Das Staples Center werde weiträumig abgesperrt, niemand ohne Ticket dürfe das Areal betreten.

Tim Leiweke vom Konzertveranstalter AEG erklärte, ein Mitschnitt der Trauerfeier werde allen Fernsehsendern weltweit kostenlos zur Verfügung gestellt. "Die Familie will eine Veranstaltung und eine Feier schaffen, an der alle Fans rund um die Welt teilnehmen können", hob ihr Sprecher Ken Sunshine hervor.

Unklar ist weiterhin, wo Jackson beigesetzt wird. Zahlreiche TV-Übertragungswagen haben sich laut CNN bereits vor dem Friedhof Forest Lawn Memorial Park in Hollywood postiert, der zuletzt wiederholt im Gespräch war. Zuvor hatten sich Pläne zerschlagen, den Popsänger auf seiner Neverland Ranch aufzubahren und beizusetzen.

"Genug Audio für zwei Live-Alben"

Die Villa in den Humbly Hills, in denen Jackson zuletzt lebte, soll zur öffentlichen Gedenkstätte für den "King of Pop" werden. Der französische Mode-Designer Christian Audigier kündigte am Freitag an, das riesige Anwesen zu kaufen, um an "die wertvollen Momente" zu erinnern, die er mit seinem Freund Jackson verbracht habe. Wie Audigiers Sprecher mitteilte, gehört die Luxus-Villa derzeit Audigiers Geschäftspartner Hubert Guez.

Die letzten Proben von Jackson werden möglicherweise zu einem Film verarbeitet. Konzertveranstalter Phillips sagte laut NBC, derzeit liefen Gespräche darüber. Insgesamt gebe es mehr als 100 Stunden an Proben-Aufnahmen. Außerdem könnte nach dem Tod von Jackson dessen erstes Live-Album erscheinen. "Wir haben genug Audio, um zwei Live-Alben zu machen", sagte Phillips. "Das ist wirklich das letzte großartige Werk eines Genies des 21. Jahrhunderts."

Jackson war vergangene Woche an Herzversagen gestorben. Einzelheiten zur Todesursache wurden noch nicht bekanntgegeben, weil die Ergebnisse toxikologischer Gutachten ausstehen. In Jacksons Mietvilla im luxuriösen Holmby Hills im Westen von Los Angeles wurde das starke Schlaf- und Betäubungsmittel Diprivan gefunden, wie am Freitag aus Polizeikreisen verlautete. Die Staatsanwaltschaft hat sich inzwischen in die Ermittlungen eingeschaltet.

Um die drei Kinder des Sängers könnte es zu einem Sorgerechtskampf kommen. In seinem Testament hatte Jackson bestimmt, dass seine Mutter Katherine sich um Prince Michael, 12, Paris, 11, und Prince Michael II., 7, kümmern solle. Ein Gericht in Los Angeles hatte der 79-Jährigen das vorläufige Sorgerecht erteilt.

Noch ist unklar, ob die Mutter der beiden älteren Kinder, Jacksons Ex-Frau Debbie Rowe, um das Sorgerecht kämpfen wird. Eine für Anfang kommender Woche geplante Anhörung wurde auf den 13. Juli verschoben.

Über Jacksons Nachlass wurde jetzt bekannt, dass der Sänger jeweils 40 Prozent seines Vermögens seiner Mutter und seinen drei Kindern zukommen lässt, 20 Prozent sollen an wohltätige Stiftungen gehen. Das geht nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN aus einem Zusatzpapier zu dem von Jackson geplanten Familienfonds hervor. Eine erste Anhörung dazu ist für Montag geplant.

siu/AP/dpa/AFP/ddp

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