Trauerfeier im Michel "Fedder geht's nicht"

Wie Hamburg Abschied von seiner Ikone Jan Fedder nimmt.
Von Lea Hensen, Hamburg
Fedders Sarg wird nach der Trauerfeier aus dem Michel getragen

Fedders Sarg wird nach der Trauerfeier aus dem Michel getragen

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Sven Ove Johannsson wischt sich eine Träne aus den Augen. 47 Jahre lang hat der 63-Jährige als Polizist auf St. Pauli gearbeitet, heute verabschiedet er sein größtes Idol. "Ich war für den Bezirk zuständig, in dem Jan Fedder gewohnt hat", sagt er. "Ich habe ihn jeden Morgen gesehen, wenn er zum Dreh ging."

Der Kiez verneigt sich an diesem Dienstag vor einem großen Hamburger. Mit einer Feier in der Kirche St. Michaelis nehmen die Bürger der Hansestadt Abschied von dem Schauspieler, den seine Fans aus der ARD-Serie "Großstadtrevier" kannten. Die Schiffe auf der Elbe haben schwarz geflaggt und lassen ihre Schiffshörner erklingen.

Fedder wäre an diesem grauen Dienstag 65 Jahre alt geworden. Er starb am 30. Dezember 2019 nach einer langjährigen Krebserkrankung. Fast drei Jahrzehnte verkörperte er die Rolle des Dirk Matthies und wurde zu einer Symbolfigur für die Hansestadt: den raubeinigen Beamten mit Hamburger Zungenschlag, viel Charme und dem Herz am richtigen Fleck.  Dabei soll Fedder sich auch immer ein Stück weit selbst gespielt haben. Der Norddeutsche war auch durch Rollen in "Das Boot", "Neues aus Büttenwarder" und Siegfried-Lenz-Verfilmungen bekannt. (Lesen Sie hier den SPIEGEL-Nachruf auf Jan Fedder: "Hauptberuflich Mensch")

DER SPIEGEL

Der NDR überträgt die Trauerfeier live im Fernsehen, für die Zuschauer auf dem Vorplatz wird sie auf einer Großbildleinwand übertragen. Bereits eine Stunde vor Beginn warten Hunderte Menschen vor der Kirche. Unter ihnen viele, die den Schauspieler persönlich kannten. Wie Hannelore Krüger, eine Freundin aus Kindertagen, wie sie sagt.  Die Frau erzählt: "Jan hat nach außen immer nur so getan, als sei er ein harter Typ gewesen. Eigentlich war er ein richtiges Sensibelchen."

Einige Fans haben Schilder gebastelt: Eins zeigt das Porträt des Schauspielers, ein anderes ein Herz mit St.-Pauli-Logo. "Ruhe sanft, deine Fans", steht darauf. Andere haben sich als Polizisten verkleidet. "Jan hätte zu jedem gesagt: 'Komm rein'", sagt ein Mann mit Schiebermütze, und zeigt auf den Kircheneingang, der mit rotem Teppich und roten Rosen dekoriert ist.  Im Michel finden 1600 geladene Trauergäste Platz, draußen vor der Tür verfolgen laut Angaben der Polizei noch einmal 1500 die Trauerfeier.

Zahlreiche Prominente unter den Gästen

Unter den Gästen in der Kirche sind zahlreiche Prominente, vor allem aus Hamburg: Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), TV-Koch Tim Mälzer, die Schauspieler Uschi Glas, Ben Becker, Michaela May und Axel Milberg, die Moderatoren Judith Rakers, Hugo Egon Balder und Jörg Pilawa und die Sänger Sasha, Klaus Meine und H.P. Baxxter, Frontmann der Gruppe Scooter. "Ich bin sehr traurig", sagt Baxxter. Mit Fedder sei er sehr gut befreundet gewesen. Den Geburtstag hätten sie immer gemeinsam gefeiert. "Sein Tod hinterlässt eine Riesenlücke", erzählt Jörg Pilawa, "Fedder war ein Mann, der größtenteils aus Herz bestand." Moderator Carlo von Tiedemann hatte mit Fedder für einige "Großstadtrevier"-Folgen zusammengearbeitet: "Ich fühle mich heute gut, weil ich mir sicher bin, dass Jan sich auch gut fühlt." Die letzten Jahre des Schauspielers seien geprägt gewesen von Schmerz. "Er schaut sicher von oben zu und achtet darauf, dass die Feier seinen Vorstellungen entspricht."

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Hamburger Jung vom Anfang bis zuletzt

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Seine Trauerfeier soll Fedder genau geplant haben: Im Hamburger Michel war er getauft und konfirmiert worden, hier sang er als Kind im Knabenchor und heiratete im Jahr 2000 seine Frau Marion. Bereits 2008 erklärte Fedder im Gespräch mit dem SPIEGEL, wie er sich seine Beerdigung vorstelle: "Ich will das ganz klassisch. Schöner fetter Eichensarg, Deckel zu, fertig. Und dann ein nettes Plätzchen im Promi-Bereich des Ohlsdorfer Friedhofs in Hamburg. So soll das sein."

Bei der Trauerfeier an diesem Dienstag erklingen auch Musikwünsche des Verstorbenen. "Child in Time" von Deep Purple, gesungen von Sängerin Jessy Martens. Beim Hamburger Volkslied "An de Eck steiht'n Jung mit'n Tüdelband", singen die Zuschauer auf dem Vorplatz mit. Drinnen in der Kirche steht ein Foto des Schauspielers neben dem aufgebahrten Sarg. "Fedder geht's nicht" ist darunter zu lesen.

Eine letzte Runde über sein altes Revier

Fedder habe im Michel oft die Weihnachtsgeschichte vorgelesen, erzählt Hauptpastor Alexander Röder in seiner Trauerrede. Niemand habe ihn dann daran hindern können, in der Sakristei zu rauchen. Auch der ARD-Programmdirektor Volker Herres und der scheidende NDR-Intendant Lutz Marmor verabschieden sich mit persönlichen Worten. "Fedder gehörte zum NDR wie der Michel zu Hamburg, wie Dirk Matthies zum Kiez", sagt Marmor. Polizeipräsident Ralf Martin Meyer betont die Bedeutung des Schauspielers für die Hamburger Polizei. "Wir hätten ihn jederzeit mit auf Streife nehmen können", sagt er.

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Zum Tod von Jan Fedder: Er ist nicht mehr hier, in seinem "Großstadtrevier"

Foto: Georg Wendt/dpa

Die Worte von Ehefrau Marion Fedder bleiben wohl am längsten im Gedächtnis. "Nun muss ich dich auf deine letzte Reise schicken“, sagt sie, "noch einmal über die Reeperbahn, das hast du dir gewünscht." Ein Autokonvoi wird nach der Trauerfeier mit dem Verstorbenen eine letzte Runde über sein altes Revier drehen.

Als die Träger den Sarg schultern, um ihn aus dem Michel zu tragen, erklingt die Titelmelodie des "Großstadtreviers": "Wenn der Schutzmann ums Eck kommt".

Anmerkung der Redaktion: Der ARD-Programmdirektor heißt Volker Herres. In einer älteren Version stand ein falscher Name. Die entsprechende Stelle ist korrigiert.

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