Jauch-Kandidat Horrorshow mit Happy End

Mit einer unbedachten Äußerung über "arrogante" Politiker trat Jauch-Kandidat Konrad Göckel eine Lawine los. Die "Bild"-Zeitung berichtete, er habe darum seinen Job als Abgeordneten-Fahrer verloren - jetzt behält der Mann die Stelle.

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Hamburg - Die 8000 Euro, die sich Konrad Göckel aus Berlin auf dem heißen Stuhl bei "Wer wird Millionär" zusammenquizzte, scheinen die Aufregung, die sein Auftritt nach sich zog, nicht wert gewesen zu sein. Die "Bild"-Zeitung berichtete heute, sein fünfzehn Minuten TV-Ruhm oder genauer, eine kurze Plauderei mit Moderator Günther Jauch während der Show, hätten Göckel den Job gekostet. Er sei "gefeuert" worden.

Kandidat Göckel, Moderator Jauch: "Binsenweisheit ausgesprochen"
RTL

Kandidat Göckel, Moderator Jauch: "Binsenweisheit ausgesprochen"

Göckel ist als Fahrer bei einem Berliner Unternehmen angestellt, das Chauffeurdienste für den Bundestag anbietet. Herr Göckel fährt also Volksvertreter von A nach B. Das nahm Moderator Günther Jauch zum Anlass, launig zu erfragen, welche Abgeordneten denn freundlicher seien, die "Höhergestellten oder die Hinterbänkler?" Göckel soll erwidert haben: "Wollen Sie eine ehrliche Antwort? Je höher, desto arroganter."

Laut "Bild"-Zeitung wurde diese schlichte Äußerung gesunden subjektiven Volksempfindens dem Chauffeur zum Verhängnis. Der Chef schäumte und Göckel, so schrieb das Blatt, "verlor seinen Job".

"Das ist Blödsinn", behauptete dann heute Mittag Norbert Tiedtke, einer von zwei Geschäftsführern der RocVin Dienste GmbH, bei der Göckel beschäftigt ist, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Wir haben Herrn Göckel nicht entlassen. Herr Göckel ist weiterhin bei uns angestellt." Göckel, der sich laut Ausssage von Tiedtke ob des Medieninteresses "unter Druck fühle", solle selbst entscheiden, ob er "nach diesem ganzen Rummel" weiterhin als Abgeordneten-Chauffeur Dienst tun wolle.

Am Nachmittag jedoch bestätigte der Sprecher des Bundestages, Christian Hoose, SPIEGEL ONLINE, dass die RocVin GmbH der Bundestagsverwaltung bereits vor Veröffentlichung des "Bild"-Artikels mitgeteilt habe, dass Herr Göckel keine Parlamentarier mehr chauffieren werde.

Offenbar hatte man sich in der Geschäftsführung, die sich nun wortreich über die Berichterstattung der "Bild"-Zeitung empörte, durchaus mit dem Gedanken getragen, die Plaudertasche aus den eigenen Reihen für ihr loses Mundwerk abzustrafen.

Der zweite Geschäftsführer des Unternehmens ließ sich von der "Bild"-Zeitung mit den drohenden Worten zitieren: Göckel habe "als Fahrer in seinem Anstellungsvertrag in diesem Bereich eine absolute Verschwiegenheitspflicht".

Das verstimmte heute Nachmittag TV-Moderator Günther Jauch, 50. Er sagte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Nach meinem Empfinden hat Herr Göckel lediglich eine Binsenweisheit ausgesprochen und dabei durchaus die gebotene Diskretion gewahrt." Ihm aus seinen spontanen Aussagen nun einen Strick drehen zu wollen, sei "überaus seltsam".

Göckel, den "Bild" nicht zitiert hatte, war erst heute Nachmittag für SPIEGEL ONLINE zu erreichen. Er bestätigte, dass seine Vorgesetzten erst nach dem Artikel in dem Boulevardblatt Entgegenkommen gezeigt hätten: "Nach der Sendung hatte mein Arbeitgeber über eine Verwarnung nachgedacht und eine Abmahnung ausgesprochen", so Göckel. Dann sei "plötzlich" dieser Artikel in der "Bild"-Zeitung "aufgetaucht" und alles sei "ganz anders" gewesen.

Sein Vorgesetzter habe ihm soeben mitgeteilt, dass es keinen Auflösungsvertrag geben werde. "Ich werde weiterhin für RocVin arbeiten. Allerdings habe ich mir bis zur anstehenden Sommerpause des Bundestags 14 Tage Urlaub genommen", so Göckel. "Damit Ruhe einkehrt."



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