Rassismus-Vorwurf Rapper Jay-Z prangert US-Justiz an

Jay-Z hat seinem Ärger über das US-Justizwesen Luft gemacht. Es diskriminiere Schwarze, kritisiert der Rapper in einem Gastbeitrag für die "New York Times". Anlass: der Fall Meek Mill.

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DPA/PA Wire/Yui Mok

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Rapper Jay-Z hat schwere Vorwürfe gegen das Justizwesen der USA erhoben. "Es ist ein kriminelles System, das sich jeden Tag einige hunderttausend Schwarze fängt und sie schikaniert", schrieb Jay-Z in einem Essay in der "New York Times". Er reagierte damit auf den umstrittenen Fall des Rappers Meek Mill, der im US-Bundesstaat Philadelphia vor einigen Tagen erneut zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde - für zwei bis vier Jahre.

Mill war 2008 wegen Drogenhandel und Waffenbesitz zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Nach seiner ersten Entlassung verstieß er jedoch gegen Bewährungsauflagen. Der Musiker mit dem bürgerlichen Namen Robert Rihmeek Williams habe unter anderem entgegen der Anordnungen eigenmächtig Konzerttermine angesetzt, wurde die zuständige Richterin in Philadelphia von der Website philly.com zitiert.

Der Musiker habe dem Gericht "die lange Nase gezeigt", obwohl sie ihm eine Chance nach der anderen gegeben habe, sagte die Richterin dem Bericht zufolge. Er war etwa im März in St. Louis nach einer Rauferei mit einem Flughafen-Mitarbeiter vorübergehend festgenommen worden, heißt es in einem Bericht des Senders CNN. Zudem soll es bei Dreharbeiten in New York einen Zwischenfall im Straßenverkehr gegeben haben.

Mills Bitten um Nachsicht konnten die Richterin nicht erweichen. Er muss wieder hinter Gitter. Nach zwei Jahren ist eine Entlassung auf Bewährung möglich.

Rapper Meek Mill mit Anwalt am Gericht in Philadelphia
AP

Rapper Meek Mill mit Anwalt am Gericht in Philadelphia

Das Urteil hatte vor allem in der Rap-Szene massive Empörung ausgelöst. Kritiker empfinden die Strafe als viel zu hart, darunter auch Jay-Z. Mill sei ungefähr 19 Jahre alt gewesen, als er verbotenerweise mit Drogen dealte und Waffen besaß, schreibt der Rapper in der "New York Times". Er habe danach eine achtmonatige Haftstrafe abgesessen. Inzwischen sei der Rapper 30 und befinde sich damit im Prinzip sein ganzes Leben als Erwachsener auf Bewährung.

"Meek ist nur ein Beispiel"

"Fast ein Jahrzehnt lang wird er nun von diesem System verfolgt, dass die kleinste Verletzung von Regeln als Rechtfertigung dafür nimmt, ihn wieder einzusperren", kritisierte Jay-Z - und nutzte den Fall für eine ausführliche Abrechnung mit dem amerikanischen Justizsystem.

Der Umgang mit Meek Mill sei nur ein Beispiel für die Diskriminierung von Schwarzen. Er habe das selbst aus direkter Nähe mit angesehen, als er in den 1970er und 1980er Jahren in Brooklyn aufgewachsen sei. Statt den Menschen eine zweite Chance zu geben, gestalte sich die Bewährungszeit so, als würden sie sich über einen Minenfeld bewegen.

"Der kleinste Fehltritt führt zu schwerwiegenderen Konsequenzen als die kriminelle Tat selbst", schreibt der Rapper. Ein Mensch auf Bewährung könne am Ende im Gefängnis landen, weil er gegen formale Regeln wie etwa eine Ausgangssperre verstoßen habe.

Alle Vorwürfe gegen Mills seien fallengelassen oder nicht weiterverfolgt worden, schrieb Jay-Z. Dennoch sitze der Rapper im Gefängnis. Die Steuerzahler in Philadelphia, wo Mill lebt, müssten nun Zehntausende Dollar dafür bezahlen, dass er eingesperrt bleibe - dabei mache das die Gegend bestimmt nicht sicherer.

Meek Mills jüngstes Album "Wins and Losses" schaffte es in diesem Jahr auf Platz drei der US-Albumcharts. Bekannt wurde er auch durch seine zweijährige Liaison mit der Rap-Queen Nicki Minaj, die in diesem Jahr endete.

fok/mit Material von AFP



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