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22. Februar 2018, 01:28 Uhr

Jennifer Lawrence reagiert auf Kritik

Mein Kleid, meine Entscheidung

An einem Londoner Wintertag posierte Jennifer Lawrence in einem freizügigen Kleid für Fotos - umringt von männlichen Schauspielkollegen in Wintermänteln. Für Kritiker fand die 27-Jährige nun deutliche Worte.

Jennifer Lawrence hat einen Film gedreht, dieser Film kommt demnächst in die Kinos, dieser Film will also beworben werden. Die Schauspielerin ist derzeit gemeinsam mit Kollegen in London unterwegs, um über den Agententhriller "Red Sparrow" zu sprechen, da gehören auch Termine mit Fotografen dazu. Am Dienstag stand eine Londoner Dachterrasse auf dem Programm.

Lawrence und ihre Kollegen - Francis Lawrence, Matthias Schoenaerts, Joel Edgerton und Jeremy Irons - trafen sich dort im Freien, der Himmel war grau, die Temperaturen so, wie man sie Ende Februar in London erwarten würde. Lawrences Kollegen posierten in Winterjacken und langen Hosen für den Fotografen. Und die einzige Frau in der Runde? Die trug ein schulterfreies Abendkleid mit tiefem Ausschnitt und hohem Beinschlitz, dazu High Heels.

Dieser Unterschied bei der Kleiderwahl kam bei Beobachtern nicht gut an. "Wahre Gleichberechtigung bedeutet, dass Jennifer Lawrence entweder einen Mantel bekommen müsste - oder Jeremy Irons mit nacktem Hintern in Chaps für den Fotografen posieren müsste", schrieb die Londoner Journalistin Helen Lewis. Chaps sind die lederne Beinbekleidung, die Cowboys beim Reiten tragen.

Die australische Journalistin Stephanie Peatling schrieb via Twitter, es sei kalt genug gewesen, dass die Männer in der Runde Mäntel und Schals getragen hätten, "und die arme Jennifer Lawrence trug ein Fetzchen Stoff, das einige vielleicht ein Kleid nennen würden."

Lawrence ist bekannt dafür, dass sie sich gegen die ungleiche Behandlung von Männern und Frauen einsetzt. Doch für die jüngsten Kommentare zu ihrer Kleiderwahl hat sie offenbar kein Verständnis. "Wow. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll in dieser Debatte um 'Jennifer Lawrence trägt in der Kälte ein freizügiges Kleid'", schrieb die Schauspielerin nun bei Facebook.

Die Debatte sei "absolut lächerlich, ich bin extrem gekränkt". Das Versace-Kleid sei wunderbar gewesen: "Glaubt ihr wirklich, ich würde das wunderschöne Kleid mit einem Mantel und einem Schal bedecken?"

Sie sei gerade einmal für fünf Minuten im Freien gewesen. Für dieses Kleid hätte sie sich aber auch in den Schnee gestellt, schreibt Lawrence, "weil ich Mode liebe und das meine Entscheidung war." Die Kommentare dazu seien sexistisch und lächerlich und übertrieben gewesen, es habe mit Feminismus überhaupt nichts zu tun. Die Debatte würde nur von wirklich wichtigen Dingen ablenken. "Reißt euch zusammen, Leute!"

Alles, was sie trage, sei ihre Entscheidung, schreibt Lawrence zum Schluss, und ergänzt in Großbuchstaben: Selbst, wenn sie in der Kälte stehen wolle, dann sei auch das ihre Entscheidung.

aar/Reuters

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