Comeback nach antisemitischen Ausfällen John Galliano ist zurück

Antisemitische Pöbeleien kosteten Stardesigner John Galliano den Job bei Dior. Jetzt kehrt der 53-Jährige in die Modewelt zurück - als Kreativdirektor bei Maison Martin Margiela.

AP/ Maison Martin Margiela

Paris - Vor dreieinhalb Jahren lallte John Galliano "I love Hitler" - aber das hat er damals gar nicht so gemeint, wie er sagte. Dann beleidigte er in seiner Stammkneipe La Perle im Pariser Szene- und Schwulenviertel Marais mehrere Gäste mit rassistischen und judenfeindlichen Beschimpfungen.

Die Tabletten, der Alkohol, die Unzurechnungsfähigkeit, argumentierte sein Anwalt. Ein Pariser Gericht verurteilte den Modemacher dennoch im September 2011 zu einer Geldstrafe von 6000 Euro auf Bewährung. Der Richter sah es als erwiesen an, dass Galliano Ausdrücke wie "dreckiges Judengesicht" und "beschissener asiatischer Mistkerl" benutzt hatte.

Die Strafe, die ihn im März 2011 ereilt hatte, schmerzte vermutlich sehr viel mehr. Das Modehaus Dior schickte Galliano nach 15 gemeinsamen Jahren in die Wüste. Galliano machte eine Therapie und leistete Abbitte in der jüdischen Gemeinde. Dann wurde es still um ihn - bis er im Mai dieses Jahres als Kreativ-Chef zu der russischen Kosmetikkette L'Etoile gerufen wurde.

Jetzt startet der 53-jährige Brite sein großes Comeback - als Kreativ-Direktor bei Maison Martin Margiela. Ersten Meldungen zufolge soll er alle Kollektionen des Hauses übernehmen, die Couture- und auch die Prêt-à-porter-Linien, für Männer wie Frauen. Seine erste eigene Kollektion will er auf der Haute-Couture-Schau im Januar in Paris vorstellen.

"Eines der größten Talente aller Zeiten"

Mit den Worten "Maison Martin Margiela begrüßt eine neue Ära" postete das Modehaus auf seiner Facebook-Seite das Foto einer geöffneten Tür, darüber eine Neonlampe mit dem Schriftzug "Welcome".

Galliano sei "unbestritten eines der größten Talente aller Zeiten", sagte Renzo Rosso, Gründer des Jeans-Labels Diesel und Präsident der Holding OTB, zu der Martin Margiela gehört. Er sei "ein einmaliger und außergewöhnlicher Modeschöpfer für ein Modehaus, das die Modewelt immer herausgefordert und erneuert hat".

Das Unternehmen wurde 1988 von dem belgischen Modedesigner Martin Margiela gegründet und ist heute im Besitz der italienischen Diesel-Gruppe. Es präsentiert zweimal im Jahr in Paris handgefertigte Damenmode, vertreibt schlichte, reduzierte und eher monochrome Entwürfe über eigene Boutiquen und das Internet.

Man kann davon ausgehen, dass Martin Margiela Gallianos Talent schätzt. Aber mit Sicherheit auch seine Medienwirksamkeit. Mit seinen üppigen, ornamentalen Entwürfen und deren unkonventioneller Inszenierung galt er in der Vergangenheit als "Enfant terrible" oder auch "Mode-Hooligan". Die Skandale um seine verbalen Ausfälle machten ihn zwar nicht sympathischer, aber noch bekannter. Jetzt darf man gespannt sein, ob Galliano seinen Hang zum Exzentrischen und politisch Extremen im Zaum halten oder weitermachen wird wie eh und je.

Das Foto, das Maison Martin Margiela anlässlich der Personalie veröffentlichte, spricht Bände: Die Haare glatt zurückgekämmt, der schmächtige Körper in einem dunkelblauen Anzug, darunter ein längsgestreiftes Hemd mit auberginefarbener Krawatte - der geläuterte Galliano sieht aus wie ein sensibler Aristokrat, der vom Leben gelangweilt seinen Schoßhund tätschelt.

ala



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