Zivilprozess in den USA Anwälte von Johnny Depp und Amber Heard erheben schwere Vorwürfe

Die Protagonisten treten selbst vor Gericht auf, auch Prominente wie Elon Musk und James Franco sollen aussagen: In Virginia hat der Prozess zwischen Johnny Depp und Amber Heard begonnen. Und wie.
Johnny Depp im Gerichtssaal: Heftige Vorwürfe

Johnny Depp im Gerichtssaal: Heftige Vorwürfe

Foto: Brendan Smialowski / dpa

Der Zivilprozess zwischen Johnny Depp und seiner Ex-Frau Amber Heard hat mit heftigen Vorwürfen beider Parteien begonnen: Die Anwälte der Ex-Eheleute griffen in ihren Eröffnungsplädoyers vor einem Gericht im Bezirk Fairfax im US-Bundesstaat Virginia die Gegenseite scharf an. Heard habe mit schamlosen Lügen und erfundenen Aussagen den Ruf von Depp geschädigt und damit irreparablen Schaden angerichtet, sagte Depps Anwalt Benjamin Chew.

Die Schauspielerin habe sich als unschuldiges, misshandeltes Opfer präsentiert, um ihre eigene Karriere zu fördern. Heards Anwalt Benjamin Rottenborn versprach indes Beweise, die den 58-jährigen Depp als alkohol- und drogensüchtigen Gewalttäter entlarven würden. Die Jury werde die »wahre« Person hinter dem Piratenkostüm kennenlernen.

Es geht um viele Millionen Euro

Der Schauspieler habe auch sexuelle Gewalt angewendet, so Rottenborn. In dem Prozess werde die Jury »entsetzliche« Schilderungen hören, Heard werde persönlich darüber sprechen. Auch mit Fotos und Zeugenaussagen wollen sie demnach mutmaßliche Misshandlungen aufzeigen. Es gehe in dem Verfahren aber nicht darum, über die »unvollkommene Ehe zweier Filmstars« zu richten – sondern um Redefreiheit. Der Anwalt las am Dienstag einen von Heard geschriebenen Kommentar vor.

Depp wirft seiner heute 35-jährigen Ex-Frau vor, in einem 2018 von der »Washington Post« veröffentlichten Kommentar zum Thema häusliche Gewalt falsche Aussagen gemacht zu haben. Dadurch habe sie seinem Ruf geschadet, hieß es weiter. Heard sieht wiederum durch Depps Anschuldigungen, sie habe sich des Meineids und Betrugs schuldig gemacht, ihren eigenen Ruf geschädigt.

Der »Fluch der Karibik«-Star verlangt wegen Verleumdung rund 50 Millionen Dollar (umgerechnet gut 45 Millionen Euro) Schadensersatz sowie eine Geldbuße von 350.000 Dollar von Heard. Die Schauspielerin fordert ihrerseits unter anderem wegen Verleumdung Schadensersatz in Höhe von 100 Millionen Dollar sowie eine Geldbuße in Höhe von ebenfalls 350.000 Dollar.

Depp und Heard hatten 2015 geheiratet, sich aber nach 15 Monaten Ehe getrennt. In einem Prozess in London standen sich die beiden bereits 2020 gegenüber. Depp hatte gegen die Boulevardzeitung »Sun« wegen eines Artikels geklagt, in dem behauptet wurde, er habe Heard körperlich misshandelt. Nach einem wochenlangen Rechtsstreit erlitt Depp eine Niederlage, die Klage wurde abgewiesen. Die Mehrheit der in der Zeitung erwähnten Vorwürfe habe sich als wahr erwiesen, stellten die Richter in ihrem Urteil fest.

Der jetzt begonnene Prozess vor einer siebenköpfigen Jury soll etwa sechs Wochen dauern. Depp und Heard sollen selbst aussagen, außerdem werden prominente Zeugen erwartet, darunter Tesla-Chef Elon Musk und die Schauspieler Paul Bettany und James Franco.

mxw/dpa