Juan Carlos in Madrid Ein schwieriges Wiedersehen

In Madrid hat Spaniens Altkönig Juan Carlos seinen Sohn Felipe getroffen. Spanische Medien sprechen von einer verpassten Chance: Der Altkönig hätte den Besuch nutzen können, um sich für seine Verfehlungen zu entschuldigen.
Juan Carlos auf dem Weg in den Zarzuela-Palast in Madrid

Juan Carlos auf dem Weg in den Zarzuela-Palast in Madrid

Foto: OSCAR DEL POZO / AFP

Spaniens umstrittener Altkönig Juan Carlos hat sich mit seinem Sohn und Nachfolger Felipe VI. getroffen. Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren hatte Juan Carlos eine Reise in seine alte Heimat angetreten, die ersten Tage aber bei Freunden im Hafenort Sanxenxo im Nordwesten des Landes verbracht. Der Besuch bei Felipe fand nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Die vielen Journalisten und Kameramänner aus dem In- und Ausland, die sich vor dem Zarzuela-Palast nordwestlich der Hauptstadt postiert hatten, bekamen am Montag nur zu sehen, wie der Wagen mit dem 84-Jährigen in die königliche Residenz fuhr und das Gebäude am Abend nach rund elf Stunden wieder verließ.

Menschen schwenken spanische Fahnen bei der Ankunft von Spaniens Altkönig Juan Carlos

Menschen schwenken spanische Fahnen bei der Ankunft von Spaniens Altkönig Juan Carlos

Foto: Alberto Ortega / dpa

Aber die meisten Beobachter waren sich auch ohne Bilder und nach einem wenig aussagekräftigen Kommuniqué des Königshauses einig: Das Wiedersehen sei sicher alles andere als froh und entspannt gewesen. Die Zeitung »El País« schrieb von einem »Klima des Unbehagens«. Der Königshaus-Experte Fernando Ónega sagte im staatlichen Fernsehsender RTVE, der bisherige Verlauf des Besuchs nach dem überstürzten Abschied im Sommer 2020 habe die Lage zusätzlich »kompliziert«.

Juan Carlos steht wegen einer Reihe von Verfehlungen in der Kritik. Ihm werden Steuerhinterziehungen und Affären vorgeworfen. Die jahrelangen Ermittlungen wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten hatte die Staatsanwaltschaft im März nur eingestellt, weil Juan Carlos entweder durch seine Immunität als König bis zu seiner Abdankung im Juni 2014 geschützt war, die Taten verjährt waren oder er Steuern in Millionenhöhe eilig nachzahlte. In der Begründung beschrieben Staatsanwälte die Verfehlungen jedoch minutiös und machten sie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Zwar begrüßten einige Fans Juan Carlos mit Hochrufen und Beifall – allerdings protestierten auch Hunderte gegen seinen Besuch.

»El País« schrieb,  Felipe hätte es viel lieber gesehen, wenn Juan Carlos etwa einen Arzttermin zum Anlass seines Besuchs genommen und sich »taktvoller« verhalten hätte. Das Königshaus befürchte, dass der Besuch der Monarchie trotz Felipes tugendhaften Verhaltens weiteren Imageschaden zufügen werde. »Mit seinen Segelausflügen, den Gelagen mit Meeresfrüchten und seinen Kumpanen ist Juan Carlos zum schlimmsten Feind seines Sohnes geworden«, hieß es in RTVE. 

Das Wiedersehen des Mannes, der fast 40 Jahre lang Staatsoberhaupt von Spanien war, mit König Felipe, 54 und Königin Letizia, 49, sowie weiteren Familienmitgliedern stand nicht auf der offiziellen Agenda des Königs. Felipe und Juan Carlos hätten »über Familienfragen sowie über verschiedene Ereignisse und deren Auswirkungen auf die spanische Gesellschaft« gesprochen, teilte das Königshaus mit. Demnach könnte der Altkönig irgendwann seinen Wohnsitz wieder nach Spanien verlegen. Seine Gattin Sofía, 83, habe nicht am Treffen teilnehmen können. Gegen 22 Uhr hob der Privatjet mit dem Altkönig an Bord Richtung Abu Dhabi ab.

kha/dpa