Judi Dench über Spacey und Weinstein "Man kann das Talent einer Person nicht leugnen"

Die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein und Kevin Spacey erschütterten Hollywood. Ihre Filme will Judi Dench trotzdem nicht vergessen wissen. Die Schauspielerin hat die Arbeit ihrer beiden Kollegen verteidigt.

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Sie sind prominente Künstler und wurden für ihre Arbeit vielfach ausgezeichnet - nach Belästigungs- und Missbrauchsvorwürfen haben sich Schauspieler Kevin Spacey und Filmproduzent Harvey Weinstein jedoch aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Viele alte Weggefährten haben sich von ihnen losgesagt, andere kündigten die Zusammenarbeit mit ihnen. Ihre Kollegin Judi Dench hat die Arbeit der beiden Männer nun in einem Interview verteidigt.

Für die 84-Jährige ist es offenbar unvorstellbar, dass die Arbeit von Spacey und Weinstein in Vergessenheit geraten könnte. "Wollen wir die zehn Jahre am Old Vic und alles, was er getan hat, wie wundervoll er in all diesen Filmen war, vergessen?", sagte sie über Spacey im Gespräch mit der Programmzeitschrift "Radio Times". Davon berichten unter anderem "Guardian" und "Independent". "Werden wir die Filme, die Harvey produziert hat, einfach nicht mehr anschauen?"

Für Dench seien das "Höllenqualen". "Man kann das Talent einer Person nicht leugnen", sagte die Schauspielerin. Dann dürfe man auch keine Bilder von Caravaggio mehr anschauen. Der Maler Caravaggio verletzte im Jahr 1606 bei einer Schlägerei einen Mann tödlich.

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Judi Dench: Sorge um das Werk der Kollegen

Nach dem Bekanntwerden der Belästigungsvorwürfe gegen Weinstein 2017 hatte Dench mitgeteilt, sie habe von den Anschuldigungen, "die natürlich schrecklich sind", nichts gewusst. Dench gewann 1999 einen Oscar als beste Nebendarstellerin für die Weinstein-Produktion "Shakespeare in Love". Es gebe keinen Zweifel, dass Harvey Weinstein ihrer Filmkarriere in den vergangenen 20 Jahren geholfen habe, schrieb Dench im Oktober 2017. Sie unterstütze nun diejenigen, die mit den Vorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen sind.

Mehr als 80 Frauen werfen Weinstein sexuelle Belästigung, Missbrauch und Vergewaltigung vor. Unter ihnen sind Filmstars wie Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow, Salma Hayek, Rose McGowan und Ashley Judd. Viele der Vorwürfe sind allerdings verjährt. Weinstein weist die Vorwürfe zurück und sagt, dass die sexuellen Kontakte zu den Frauen stets einvernehmlich gewesen seien.

Über Spacey sagte sie ein Jahr später, dass sie seine Verfehlungen zwar "auf keinen Fall gutheiße". "Aber ist es nötig, dass er keine Filme mehr dreht?" Der Schauspieler habe sie nach dem Tod ihres Ehemannes bei den Dreharbeiten zum Film "The Shipping News" moralisch unterstützt, sagte Dench. Seine Ermunterung sei "von unschätzbarem Wert" gewesen. Spacey habe sie aufgeheitert und zum Weitermachen bewegt. Er sei ein wunderbarer Schauspieler und ein guter Freund.

Der US-Schauspieler Anthony Rapp wirft Spacey vor, ihn vor mehr als 30 Jahren als damals 14-Jährigen in betrunkenem Zustand sexuell bedrängt zu haben. Am Londoner Old-Vic-Theater haben zudem 20 Personen Vorwürfe wegen "unangemessenen Verhaltens" gegen Spacey erhoben. Spacey war von 2004 bis 2015 künstlerischer Leiter des Theaters.

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