Feier ohne Bräutigam Julian Assange und Stella Moris haben geheiratet

Die beiden wurden während Assanges Botschaftsasyl ein Paar: Der inhaftierte WikiLeaks-Gründer und die Rechtsanwältin Stella Moris haben sich das Jawort gegeben – für Zweisamkeit blieb ihnen aber nur wenig Zeit.
Feier ohne Bräutigam Julian Assange: Stella Moris schneidet nach der Zeremonie im Gefängnis die Hochzeitstorte an

Feier ohne Bräutigam Julian Assange: Stella Moris schneidet nach der Zeremonie im Gefängnis die Hochzeitstorte an

Foto: Matt Dunham / AP

Zeremonie hinter Gefängnismauern: Wikileaks-Gründer Julian Assange und seine Verlobte Stella Moris haben sich im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh das Jawort gegeben. Den beiden sei lediglich eine kurze Zeit der Zweisamkeit erlaubt worden, berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Wikileaks-Kreise.

Nach Angaben von Unterstützern waren bei der standesamtlichen Trauung in dem Komplex nur vier Gäste und zwei Trauzeugen zugelassen. Der seit rund drei Jahren inhaftierte Assange wollte einer Mitteilung zufolge einen Kilt tragen, der an die schottische Herkunft seiner Familie erinnern sollte.

Die Hochzeitsfeier musste dann ohne den Bräutigam stattfinden: Unter einem mit Blumengirlanden geschmückten Pavillon stand eine mehrstöckige Hochzeitstorte mit Rosen und einer kleinen Skulptur des Paares. Festlich gekleidete Gäste tanzten daneben im Sonnenschein zu Musik. Die Braut war zuvor in einer silberfarbenen Robe der Designerin Vivienne Westwood am Gefängnis erschienen, begleitet von einem kleinen Kreis von Angehörigen.

Stella Moris und Julian Assange: Das Paar hat zwei Kinder

Stella Moris und Julian Assange: Das Paar hat zwei Kinder

Foto: Dominic Lipinski; Frank Augstein / dpa

»Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin sehr glücklich und sehr traurig«, sagte die frischvermählte Braut nach der Trauung, nachdem sie vor Reportern die Hochzeitstorte angeschnitten hatte. »Ich wünschte, er wäre hier«, fügte sie mit Blick auf ihren Bräutigam hinzu.

»Sie sind jetzt Mr und Mrs Assange«, sagte Assanges Bruder, Gabriel Shipton, der als einer von wenigen Gästen im Gefängnis die Eheschließung miterleben konnte. Ob Stella Moris künftig offiziell den Nachnamen ihres Mannes führen wird, ist noch unklar.

Moris und Assange hatten sich Medienberichten zufolge 2011 kennengelernt, als die in Südafrika geborene Rechtsanwältin seinem Anwaltsteam beitrat. Eine Beziehung sollen sie erst während Assanges jahrelangem Botschaftsasyl in der Vertretung Ecuadors in London begonnen haben. Das Paar hat zwei Kinder.

Rechtsstreit geht weiter

Überschattet wurde die Feier auch davon, dass erst vor Kurzem der Berufungsantrag des gebürtigen Australiers gegen die Auslieferung an die USA vom Supreme Court abgelehnt worden war. Das oberste britische Gericht hatte die Berufung als unzulässig abgewiesen. Nun liegt die Entscheidung bei Innenministerin Priti Patel.

»Es ist jetzt wichtiger denn je zu betonen, dass dies ein politischer Fall ist«, sagte der Chefredakteur der Enthüllungsplattform, Kristinn Hrafnsson, der dpa vor der Hochzeit. Trotzdem gehe der Rechtsstreit weiter. Es gebe die Möglichkeit, erneut ein Berufungsverfahren auf der Basis anderer Gründe zu beantragen, da es bei dem bisherigen nur um den gesundheitlichen Zustand Assanges gegangen sei. Allerdings ist unklar, ob ein solches Verfahren zugelassen werde.

Die US-Justiz will Assange wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen. Dem 50-Jährigen drohen dort bei einer Verurteilung bis zu 175 Jahre Haft. Vorgeworfen wird ihm, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen und veröffentlicht und damit das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht zu haben.

Seine Unterstützer sehen in ihm dagegen einen investigativen Journalisten, der Kriegsverbrechen ans Licht gebracht hat und an dem nun ein Exempel statuiert werden soll.

bbr/dpa