Inszenierte Attacke Grand Jury lässt Anklage in 16 Punkten gegen Jussie Smollett zu

Aus geschäftlichen Gründen soll sich "Empire"-Schauspieler Jussie Smollett als Opfer rechter Gewalt inszeniert haben. Der bestreitet die Vorwürfe. Nun kommt es zur Anklage gegen ihn.

Jussie Smollett
AFP

Jussie Smollett


Eine Grand Jury im Cook County befindet die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen den "Empire"-Schauspieler Jussie Smollett als gerechtfertigt. Dies berichten lokale US-Medien.

Der offen homosexuelle Afroamerikaner hatte Ende Januar berichtet, er sei nachts in Chicago auf offener Straße von zwei Maskierten angegriffen und rassistisch und schwulenfeindlich beleidigt worden. Nach Überzeugung der Polizei war die Attacke aber nur gestellt.

Ursprünglich gab es nur einen möglichen Anklagepunkt, der beinhaltete, dass Smollett bei einer Aussage gegenüber der Polizei eine ordnungswidrige Angabe machte. Nun weitete sich der Fall aus und dem Schauspieler werden 16 Anklagepunkte vorgeworfen: Acht Punkte beziehen sich auf Aussagen gegenüber einem Polizisten, acht weitere auf Aussagen gegenüber einem weiteren Ermittler.

Sollte Smollett für schuldig befunden werden, könnte ihm eine Haftstrafe bis zu vier Jahren drohen. Aus der Untersuchungshaft wurde er bereits gegen 100.000 Dollar Kaution entlassen.

"Schmerz und Wut"

Die Ermittlungsbehörden erheben schwere Vorwürfe gegen den US-Künstler: Der 36-Jährige soll zwei Männern für den vorgetäuschten Angriff 3500 Dollar (rund 3100 Euro) gezahlt haben, weil er sich von seiner Opferrolle berufliche Vorteile erhofft habe. Der Schauspieler habe "den Schmerz und die Wut über den Rassismus ausgenutzt, um seine Karriere zu befördern", sagte der Polizeichef von Chicago, Eddie Johnson, in einer Pressekonferenz.

Die Anwälte des Schauspielers kritisierten die Polizei anschließend scharf: Mit der Pressekonferenz sei auf der Unschuldsvermutung "herumgetrampelt" worden. In einem Interview mit "Good Morning America" sagte Smollett, es verletze ihn, dass man ihm inzwischen nicht einmal glaube, dass es die Attacke gegen ihn gab.

Der angebliche Angriff auf Smollett hatte nicht nur in der Filmbranche für Empörung gesorgt, sondern war auch von vielen Politikern scharf verurteilt worden. Er schien für die zunehmende Gewalt gegen Minderheiten in den USA zu stehen, für die Kritiker auch die aggressive Rhetorik von Präsident Donald Trump verantwortlich machen.

Tatsächlich ist die Zahl von Hassverbrechen in den USA nach Angaben der Bundespolizei FBI im Jahr 2017 um 17 Prozent gestiegen. Opfer waren vor allem Afroamerikaner und Juden. Mehrere US-Zeitungen schrieben nun aber, im Fall Smollett hätten Journalisten und Politiker vorschnell reagiert und die Angaben des Schauspielers unkritisch übernommen.

tin

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