Justus Rosenberg mit 100 Jahren gestorben Der Mann, der half, Hannah Arendt vor dem Holocaust zu retten

Justus Rosenberg floh im Zweiten Weltkrieg vor den Nazis nach Frankreich. Dort wurde er Teil eines Netzwerks, das Jüdinnen und Juden vor dem Holocaust rettete. Nun starb er mit 100 Jahren.
Er half, Hunderte Menschen vor den Nationalsozialisten zu retten: Justus Rosenberg hier im Jahr 2018 auf seiner Terrasse

Er half, Hunderte Menschen vor den Nationalsozialisten zu retten: Justus Rosenberg hier im Jahr 2018 auf seiner Terrasse

Foto: Christina Horsten / dpa

Einer der letzten Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten, Justus Rosenberg, ist mit 100 Jahren gestorben. Rosenberg war im Zweiten Weltkrieg Teil eines Netzwerks von Helferinnen und Helfern gewesen, das Hunderte Menschen vor den Nationalsozialisten und dem Holocaust rettete – unter anderem die Philosophin Hannah Arendt, die Schriftsteller Heinrich und Golo Mann, die Künstler Marc Chagall und Max Ernst.

Rosenberg wurde 1921 in Danzig geboren, seine Eltern waren nicht praktizierende Juden, zu Hause sprach er Deutsch. Nach der Machtübernahme der Nazis verstärkte sich auch in Danzig der Antisemitismus. Seine Eltern rieten Rosenberg, Danzig zu verlassen, und so zog er 1937 nach Paris. »Ich träumte von wunderschönen französischen Frauen. Ich war 16. Machen wir uns nichts vor«, sagte Rosenberg 2016 in einem Interview mit der »New York Times«. Drei Jahre später zog er nach Toulouse, um dort zu studieren, und lernte über Verbindungen den US-Journalisten Varian Fry kennen. Fry baute von Marseille aus das Hilfsnetzwerk auf.

Er trug Franz Werfel mit dessen Frau über die Pyrenäen

Im Team wurde Rosenberg bald »Gussie« genannt. Der unauffällig aussehende junge Mann, der perfekt Französisch, Deutsch und Englisch sprach, lebte mit Fry und den anderen in einem Haus, wurde zum Kurier, überbrachte teils gefälschte Dokumente. Den Schriftstellern Heinrich Mann und Franz Werfel half er persönlich über die Pyrenäen nach Spanien: Den damals schon rund 60 Jahre alten Schriftsteller Werfel trugen Rosenberg und Werfels Frau zusammen über die Berge, jeder einen Arm über der Schulter. »Mir war schon damals bewusst, dass da etwas Historisches passiert. Aber es war auch einfach ein großes Abenteuer für mich«, sagte Rosenberg einmal.

Nachdem Fry aufgeflogen war, schlug sich Rosenberg allein durch und wurde nach einer Zeit bei der französischen Untergrundarmee nach Kriegsende schließlich von einer Universität im US-Bundesstaat Ohio als Französischlehrer engagiert. Seit Anfang der 60er Jahre lehrte er am Bard College im US-Bundesstaat New York.

Rosenberg starb bereits am 30. Oktober, seine Frau bestätigte nun seinen Tod gegenüber der »New York Times«. Der Professor für Sprachen und Literatur, der erst im vergangenen Jahr ein Buch über seine Zeit an der Seite von Fry herausgegeben hatte, starb im Kreis seiner Familie.

Anm. d. Red.: In der ursprünglichen Fassung dieses Texts stand, dass Danzig 1937 Teil von Polen war. Das war falsch. Tatsächlich war Danzig zu dieser Zeit als »Freie Stadt« dem Völkerbund unterstellt, mehrheitlich lebten dort Deutsche. Wir haben den Fehler korrigiert.

has/dpa
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