Kachelmann vor Gericht "Ich bin unschuldig"

Stundenlang sagte er vor dem Haftrichter aus: Jörg Kachelmann hat die Vorwürfe zurückgewiesen, seine langjährige Freundin vergewaltigt zu haben. Er wird weiter im Untersuchungsgefängnis sitzen - denn der 51-Jährige hat seinen Prüfungsantrag vor Gericht zunächst zurückgezogen.


Mannheim - Der populäre Wetterexperte Jörg Kachelmann bleibt vorerst in Untersuchungshaft. Kachelmann habe seinen Antrag auf Haftprüfung zurückgezogen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der 51-jährige Moderator wolle zunächst weitere Beweisanträge formulieren und dann einen neuen Haftprüfungstermin beantragen.

Zu Fotografen vor dem Gerichtsgebäude sagte Kachelmann: "Ich bin unschuldig." In dem mehrstündigen nicht öffentlichen Termin im Amtsgericht Mannheim hatte er zuvor laut Staatsanwaltschaft umfassend ausgesagt. "Er bestreitet die Vergewaltigung", teilte ein Sprecher danach mit. "Er hat sich vorbehalten, weitere Beweisanträge zu stellen und einen neuen Haftprüfungstermin zu beantragen." Man schätze die Aussagen der Frau aber weiter als glaubhaft ein, es bestehe ein dringender Tatverdacht, sagte der Staatsanwaltschaftssprecher.

Weitere Einzelheiten zum Inhalt der Vernehmung wurden nicht genannt. Der Anwalt der 36-Jährigen, die Kachelmann angezeigt hat, will die Aussagen des Moderators jetzt sorgfältig prüfen: "Wir hatten noch keine Akteneinsicht", sagte Thomas Franz. Er selbst war bei der Anhörung nicht dabei. Seinen Angaben zufolge ist seine Mandantin in psychotraumatologischer Behandlung, sie gehe derzeit nicht zur Arbeit. Die Frau, Moderatorin bei einem privaten Radiosender, habe Kachelmann im Februar unmittelbar nach der Tat angezeigt, es gebe zahlreiche Beweise: "Meine Mandantin war auch in der Gynäkologie in Heidelberg."

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Jörg Kachelmann: Die Karriere eines Wettermanns
Bei einem Haftprüfungstermin hätte das Gericht zu prüfen, ob der dem Haftbefehl zugrunde liegende dringende Tatverdacht der Vergewaltigung und der Haftgrund der Fluchtgefahr weiter besteht. Hätte der Richter nun die Fortdauer der Untersuchungshaft angeordnet, hätte Kachelmanns Anwalt frühestens in drei Monaten erneut einen Antrag stellen können, sagten Justizinsider.

"Die Enthaftung dauert länger"

Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock kritisierte am Mittwoch im Sender N24: "Man ist in Deutschland, wenn ein solcher Verdacht an einem hängt, schnell verhaftet. Die Enthaftung dauert in der Regel länger." Der Rechtsanwalt fügte hinzu: "Aber wenn Herr Kachelmann heute seine Sicht der Dinge darstellt, wird sicherlich bei der Objektivität der Staatsanwaltschaft dort und auch bei Gericht neu nachgedacht. Und es wird alles überprüft werden, was Herr Kachelmann der Justiz mitzuteilen hat."

Kachelmann sitzt seit vier Tagen in U-Haft - er war am Samstag am Frankfurter Flughafen verhaftet worden. Dem 51-Jährigen wird vorgeworfen, seine langjährige Freundin vergewaltigt zu haben. Der Aussage zufolge soll er mehrere Jahre mit der Frau zusammengewesen sein und sie Anfang Februar nach einem Streit in ihrer Wohnung im Rhein-Neckar-Kreis mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Kachelmanns Anwälte weisen die Anschuldigungen als "frei erfunden" zurück.

Kachelmann ist einer der populärsten Wetterexperten Deutschlands. Bei seinem privaten Wetterdienst Meteomedia arbeiten rund 100 Mitarbeiter. Mittlerweile produziert das Unternehmen unter anderem Wetterberichte für die ARD.

hut/apn/AFP/ddp/dpa



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