Kampf-Einsatz Prinz Harry als Soldat in Afghanistan

Der Militäreinsatz im Irak war geplatzt, umso erstaunlicher die Neuigkeit aus dem britischen Verteidigungsministerium: Prinz Harry kämpft seit zehn Wochen in Afghanistan gegen die radikalislamischen Taliban.


London - Von humanitärer Arbeit war die Rede, tatsächlich aber stand der 23-Jährige an vorderster Front: Prinz Harry, jüngster Sohn des britischen Thronfolgers Prinz Charles, kämpft in Südafghanistan gegen die Taliban. Das britische Verteidigungsministerium gab in London bekannt, der Enkel der Queen sei seit zehn Wochen mit den britischen Truppen in Helmand gegen die Aufständischen im Einsatz. Noch ist unklar, wie lange er dort bleiben wird.

Der Prinz zeigte sich zufrieden mit dem Leben an der Front, obwohl er sich an ein wenig königliches Leben praktisch ohne fließendes Wasser und ohne Heizung in den Schlafräumen gewöhnen musste. "Es ist bizarr", sagte er nach einem Bericht der Nachrichtenagentur PA. "Ich bin hier draußen, habe seit vier Tage nicht richtig geduscht, habe meine Kleidung seit einer Woche nicht gewaschen und trotzdem erscheint das alles normal." Er betonte, er vermisse nichts. "Wir haben Musik, wir haben Licht, wir haben Essen, wir haben Getränke", erklärte er und fügte schnell hinzu: "Nein, ich vermisse auch keinen Alkohol, wenn das die nächste Frage ist." Er freue sich, mit den anderen Soldaten Zeit zu verbringen und einfach einer von ihnen zu sein. "Es ist nett, einmal eine normale Person zu ein. Ich glaube, dies hier ist so normal, wie ich jemals sein werde."

"Sein Verhalten während der Operationen in Afghanistan war beispielhaft", sagte Heereschef Richard Dannatt. "Er war an den Operationen voll beteiligt und ist die gleichen Risiken eingegangen wie alle anderen in seiner Truppe."

Prinz Harry, in der britischen Thronfolge auf Rang drei steht, flog Mitte Dezember nach Afghanistan. Sein Einsatz wurde entsprechend einer Vereinbarung zwischen dem Verteidigungsministerium und Medienorganisationen nicht öffentlich gemacht. Eine Gruppe von Journalisten, darunter auch Amerikaner, hatte den Prinzen in Afghanistan besuchen dürfen. Alle Reporter hatten jedoch versichern müssen, dass sie erst nach der planmäßigen und sicheren Rückkehr Harrys darüber berichten würden. Das Geheimnis wurde jedoch auf noch unbekanntem Weg an den Drudge Report weitergegeben. Daraufhin wurden dem Prinzen offenbar sofort alle Einsätze an der Front in Afghanistan untersagt.

Der 23-Jährige kämpfte in der Provinz Helmand, in der die meisten der 7800 britischen Soldaten in Afghanistan stationiert sind. Nach seiner Ankunft am 14. Dezember war er zunächst in Garmsir im Süden der Provinz im Einsatz, nur 500 Meter von Stellungen der Taliban entfernt. Seitdem wurde er versetzt, über die Einzelheiten wird aus Sicherheitsgründen nicht berichtet.

Vergangenen Sommer hatte der Prinz Freunden gesagt, er wolle die Armee verlassen und seine Arbeit für humanitäre Zwecke verstärken, wenn für ihn kein ernsthafter Militäreinsatz in Frage komme. Prinzessin Diana hatte zahlreiche Hilfsorganisationen unterstützt. Prinz Harry hatte im April 2006 die Hilfsorganisation "Sentebale" gegründet, die in dem südafrikanischen Land Lesotho Waisenkindern hilft. "Ich fühle mich dieser Aufgabe für den Rest meines Lebens verpflichtet", hatte der Prinz erklärt, nachdem er zwei Monate in Lesotho im Hilfseinsatz war.

Die Sonntags-Boulevardzeitung "News of the World" hatte daraufhin orakelt, Harry würde noch in diesem Jahr für 30 Tage als Offizier in Afghanistan beim Kampf gegen die dortigen Taliban-Extremisten eingesetzt werden. Er solle dort allerdings nur Aufgaben mit niedrigem Risiko übernehmen und vor allem in der Nacht arbeiten, sodass ihn tagsüber niemand sieht, schrieb die Zeitung damals.

jjc/AFP/Reuters



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