"Ich wurde benutzt" Kanye West hat keine Lust mehr auf Politik

Vor Kurzem besuchte Kanye West den US-Präsidenten im Weißen Haus, seine Trump-Verehrung brachte ihm viel Kritik und Spott ein. Nun klingt der Rapper auf Twitter ganz anders: "Ich nehme Abstand von der Politik."

Kanye West im Oval Office
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Kanye West im Oval Office


Seine Augen seien nun weit geöffnet, schreibt Kanye West. Ihm sei nun bewusst, dass er benutzt worden sei, um Nachrichten zu verbreiten, an die er selbst nicht glaube. "Ich nehme Abstand von der Politik und konzentriere mich nun gänzlich darauf, kreativ zu sein."

Diese Twitter-Botschaft veröffentlichte der US-Rapper in der Nacht zu Mittwoch. Und sie kommt nun doch etwas überraschend, schließlich ist es noch keine drei Wochen her, da war West ins Weiße Haus spaziert, hatte im Oval Office Platz genommen und sich vor Dutzenden Fotografen mit dem US-Präsidenten unterhalten. Wobei, streng genommen hatte Donald Trump keinen besonders großen Redeanteil, West schaffte es ganz ohne Hilfe, von einem zum anderen zum nächsten Thema zu kommen. Dabei trug er eine rote Kappe mit Trumps Wahlkampfslogan auf dem Kopf.

MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX/Shutterstock

West hat aus seinem politischen Engagement bisher keinen Hehl gemacht, im Gegenteil: Er verteidigte es wiederholt. Immer wieder kamen zudem Gerüchte auf, er selbst erwäge eine Kandidatur fürs Präsidentenamt.

Dass er nun offenbar keine Lust mehr auf Politik hat, dürfte mit der konservativen "Blexit"-Bewegung zu tun haben, eine Wortschöpfung aus "Black" und "Exit". Die Bewegung appelliert an Schwarze, bei den US-Demokraten auszutreten beziehungsweise sie nicht zu unterstützen. Die Gründerin Candace Owens ("Schwarze müssen keine Demokraten sein") - selbst konservative, schwarze Trump-Unterstützerin - hatte vor Kurzem fälschlicherweise behauptet, ihr "lieber Freund und Mit-Superheld Kanye West" habe ihr beim Design des "Blexit"-Logos geholfen.

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Donald Trump und Kanye West: Skurriler Auftritt im Weißen Haus

Tatsächlich hatte er sie nur an einen Designer vermittelt. "Ich wollte niemals mit Blexit in Verbindung gebracht werden", schrieb West in einem weiteren Tweet. "Ich habe damit nichts zu tun."

Kurz zuvor hatte West noch eine Reihe weiterer Tweets abgesetzt. Darin bedankt er sich unter anderem bei seiner Familie, seinen Lieben und der Gemeinschaft für ihre Unterstützung "meiner TATSÄCHLICHEN Überzeugungen und meiner Vision für eine bessere Welt".

aar



insgesamt 4 Beiträge
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dasfred 31.10.2018
1. Mittlerweile tut mir Kanye West nur leid
Ich sehe, wenn ich all die Berichte, die über ihn gebracht wurden, einen eher hilflosen, leicht zu beeinflussenden Mann. Sein Erfolg überdeckt wahrscheinlich sein eher naives Weltbild. Southpark hat ihn vor Jahren verulkt, als den einzigen, der einen zotigen Witz nicht verstanden hat. Damals fand ich das witzig, heute hat ihn die Realität eingeholt.
Papazaca 31.10.2018
2. Sicher hat West massive Probleme mit CD-Verkäufen,
mit vielen anderen Musikern, sonstigen Künstlern, der schwarzen Community und grundsätzlicher Akzeptanz. Er lebt vom musikalischen Erfolg. Wenn seine Fans sich von ihm abwenden ist er gesellschaftlich nicht mehr relevant. Wahrscheinlich haben die letzten Zahlen ihn sehr nachdenklich gemacht. Ansonsten macht er oft einen so wirren Eindruck, das man sich ernsthafte Sorgen um ihn machen muß.
Atheist_Crusader 31.10.2018
3.
Er hat wohl einfach gemerkt, dass seine Arbeit als Trump-Zäpfchen und seine Sprüche wie "slavery was a choice" ihm die bestehenden Fans vergrauelt haben und nur wenig neue hinzukommen weil Konservative eher selten Hip-Hop hören. Als einer der wenigen Prominenten Schwarzen die sich auf die Seite der Republikaner (speziell Trumps) gestellt haben war es natürlich klar dass er erschöpfend als der Vorzeige-Schwarze missbraucht würde. Das hätte Jeder vorhersehen können. Ich kann immer noch nicht einschätzen was dahintersteckte: echte Überzeugung (in Trumps Ideen), Eigeninteresse (als reiche Person), Profilierungssucht (durch die Kontroverse) oder vielleicht etwas Anderes. Deswegen weiß ich noch nicht mal ob er mir leidtun soll. Aber wenn man das in einen Kontext zu seinem sonstigen Verhalten setzt dann wohl eher nicht.
Analog 31.10.2018
4. Er sollte bei seiner Musik bleiben,
Politik ist und wird nicht zu seinen stärken zählen. Nimmt sich selbst zu wichtig und glaubt, wenn ihm Millionen auf Facebook folgen, dass das irgend eine Relevanz hat.
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