Auftritt von Kanye West Zu Gast bei Autokraten

Kanye West hat bei einem Abstecher nach Kasachstan offenbar prächtig verdient. Drei Millionen Dollar soll der Rapper dafür bekommen haben, auf der Hochzeit eines Enkels von Präsident Nasarbajew zu singen. Wie das fürs Image ist, kann sich West von einer Kollegin erklären lassen.


Almaty - Beim Geld hört bekanntermaßen die Freundschaft auf. Oder sie beginnt erst richtig. Am Wochenende trat US-Rapper Kanye West in Kasachstan offenbar für einen Enkel des autoritär regierenden Präsidenten Nursultan Nasarbajew auf. Der feierte seine Hochzeit und hatte den Opa wohl gebeten, den Rapper einfliegen zu lassen.

Die Argumente waren überzeugend: Drei Millionen Dollar soll West für den Gig bekommen haben. Im Hotel Royal Tulip in Almaty spielte der Rapper Songs wie "Can't Tell Me Nothing" und pfiff auf politische Korrektheit. Ein kurzes Video des Auftritts kursiert auf Instagram.

"Kanye West im Borat-Land" titelte das Klatschportal TMZ in Anlehnung an den Komiker Sacha Baron Cohen, der einst die Figur Borat verkörperte, einen antisemitischen und chauvinistischen Journalisten aus Kasachstan.

Dass ein Auftritt wie in Almaty nicht gut ankommen dürfte, hätte sich West denken können - oder einfach bei Jennifer Lopez nachfragen müssen. Die hatte im Juni dem turkmenischen Machthaber Gurbanguly Berdymuchammedow ein Ständchen gegeben. Kaum wurde das bekannt, bemühte sich Lopez' Management um Schadensbegrenzung: Hätte die Sängerin von den Menschenrechtsproblemen in Turkmenistan gewusst, wäre sie dort nicht aufgetreten, hieß es.

Nursultan Nasarbajew ist seit 1990 Präsident Kasachstans - auch dank einer 2007 vom Parlament beschlossenen Verfassungsänderung, wonach das Staatsoberhaupt beliebig oft wiedergewählt werden darf. Die Drei-Millionen-Gage wird ihn nicht weiter schmerzen - sein Vermögen wird auf sieben Milliarden US-Dollar geschätzt. West verdiente laut "Forbes" im vergangenen Jahr etwa 35 Millionen Dollar.

Eine kleine Finanzspritze kam West offenbar dennoch ganz gelegen. Seit 2012 ist der Musiker mit Reality-TV-Sternchen Kim Kardashian liiert. Am 15. Juni kam die gemeinsame Tochter zur Welt. Die Ausgaben für die Familiensicherheit sind seitdem beträchtlich gestiegen: So soll West mehr als 1,5 Millionen Dollar für ein sogenanntes Anti-Kidnapping-Auto ausgegeben haben, das angeblich vor Zugriffen schützen soll. Der als legendär arrogant beschriebene Künstler fühlt sich demnach aufgrund seiner Popularität von Psychopathen bedroht.

ala



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