Karl Dall zu Vergewaltigungsvorwürfen "Es bleibt etwas kleben"

Karl Dall wehrt sich gegen die Vergewaltigungsvorwürfe einer Schweizer Journalistin. In einem Interview mit der "Zeit" sagte er, die Frau habe ihn gedrängt, mit ihr zusammenzuleben. Dass er mit ihr allein in einem Hotelzimmer war, bezeichnet Dall als "Riesenfehler".

DPA

Hamburg - Der Komiker Karl Dall hat die Vergewaltigungsvorwürfe einer Schweizer Journalistin in einem Interview mit der "Zeit" entschieden zurückgewiesen. Die Journalistin wirft Dall vor, sie in einem Zürcher Hotel vergewaltigt zu haben. Dall bestreitet nicht, mit ihr auf einem Zimmer gewesen zu sein. Der 72-Jährige sagt aber, sie hätten nur geredet. "Ich habe dieser Frau mit ihren Problemen stundenlang zugehört", so Dall zur "Zeit". "Es war ein Riesenfehler, dass ich bei diesem 'Interview' allein war. Ich Idiot!"

Die Wochenzeitung interviewte Karl Dall in dessen Wohnung, auch seine Frau Barbara war anwesend. Sie sind seit 43 Jahren verheiratet. Barbara Dall sagt zum Kontakt ihres Mannes mit der Journalistin: "Wir hatten gleich das Gefühl, dass die zu viel von uns will."

Nach Darstellung von Karl Dall hatte die Frau im August Kontakt mit ihm aufgenommen, es ging um ein Interview zu neuen Shows. Irgendwann habe sie angefangen, erotische Sachen zu schreiben, "und zum Teil bin ich darauf eingegangen", so Dall in der "Zeit". Dann aber habe er "abgeblockt". Die E-Mail, welche die Frau nun der Staatsanwaltschaft übergeben habe, sei "völlig aus dem Zusammenhang gerissen".

Die Journalistin habe ihm damals im Hotel erklärt, sie habe die geplante Hochzeit mit ihrem Freund abgesagt, da sie mit Dall in der Schweiz habe leben wollen. Barbara Dall sagte zur "Zeit", die Frau habe ihre Tochter bedrängt, sie solle ihre Mutter überreden, Karl Dall zu verlassen. Am Telefon hat sie laut Dall "teilweise mit technisch veränderter Stimme" gesprochen.

300 Briefe an Freunde und Bekannte

Die Journalistin äußerte sich gegenüber der "Zeit" nicht. Die Wochenzeitung zitierte den Anwalt der Frau, wonach sie "sämtlichen von Herrn Dall in der Sache bisher gegenüber der Presse gemachten Darstellungen und Verlautbarungen" widerspreche.

Nachdem die Vorwürfe der Journalistin öffentlich geworden waren, wurden weitere Fälle bekannt, in denen sie Prominente gestalkt haben soll. Darunter Jürgen Drews und Udo Jürgens. Dall sagt, er habe davon erst erfahren, nachdem die Vorwürfe gegen ihn öffentlich geworden sind.

Der 72-Jährige erklärte seine anfängliche Offenheit der Frau gegenüber auch mit seiner Vergangenheit: In den siebziger Jahren hätten zwei gute Freunde Suizid begangen. "Beide haben kurz zuvor mit mir geredet." Deshalb sei er hoch sensibilisiert. Die Frau habe ihm im Hotel gedroht, aus dem Fenster zu springen.

Anfang November war Dall in St. Gallen festgenommen worden. Er blieb vier Tage in Untersuchungshaft. Danach habe er 300 Briefe aufgesetzt, an Freunde und Bekannte. "Als ich dann merkte, jetzt legt das Schiff ab, hab ich die alle losgeschickt."

Dalls Anwalt hatte bereits mitgeteilt, sein Mandant würde sich einem Prozess stellen. Mit Blick auf eine mögliche Anklage sagte Dall der "Zeit": "Vielleicht kommt es zu einem Prozess, vielleicht nicht. Aber es bleibt etwas kleben."

bim



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