Guttenberg schließt ein Comeback aus »Ich glaube wirklich nicht, dass mich noch einer in der Politik braucht«

Der einstige CSU-Star Karl-Theodor zu Guttenberg hat nicht vor, das politische Parkett noch einmal zu betreten. Stattdessen drängt er ins Fernsehen – und meint: mit Eitelkeit habe das nichts zu tun.
Ex-Politiker Guttenberg

Ex-Politiker Guttenberg

Foto: Friso Gentsch / dpa

Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat ein Comeback in der Politik ausgeschlossen.

»Nach meinem Empfinden habe ich in der Politik nix mehr zu suchen. Nein, ich kehre nicht mehr in die Politik zurück«, sagte er dem Magazin »Stern« im Interview . »Ich glaube wirklich nicht, dass mich noch einer in der Politik braucht.«

Guttenberg wird Doku-Moderator für RTL+ und soll den RTL-Jahresrückblick mit Thomas Gottschalk moderieren. Der »Stern« gehört seit Januar 2022 zu RTL.

Guttenberg sagte, er habe lange mit sich gerungen, ob er sich seine neue Rolle als TV-Moderator zutraue. Der Grund dafür seien seine Erfahrungen mit der Öffentlichkeit. »Ich sehe doch schon die Fragen: Enttäuschte Eitelkeit? Zurückdrängen ins Scheinwerferlicht? Nie versiegende Gier nach Aufmerksamkeit?«

»Ungesunde Überdosis Eitelkeit«

Guttenberg ergänzte: »Was meine Eitelkeit angeht, habe ich eine sehr ungesunde Überdosis schon gehabt. Das braucht man nicht noch mal.« Warum er sich dennoch für den Auftritt im Jahresrückblick entschied? »Ich mag viel versemmelt haben, aber der öffentliche Auftritt war meistens irgendwie gelungen.«

Im März 2011 hatte zu Guttenberg nach erfolgreichen Jahren als CSU-Politiker wegen einer Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit seine politischen Ämter niedergelegt. Guttenberg hatte seine Doktorarbeit zu großen Teilen von anderen Autoren abgeschrieben und dies nicht gekennzeichnet. Später erlangte er den Doktorgrad mit einer anderen Arbeit .

Zuletzt stand er wegen des Wirecard-Skandals im Fokus der Öffentlichkeit. Der gefallene CSU-Star hatte Angela Merkel einst überzeugt, für den Markteintritt von Wirecard in China bei Staatschef Xi Jinping zu werben. Für die Lobbyarbeit kassierte seine Beratungsfirma einen hohen sechsstelligen Betrag von Wirecard.

Kritik gab es auch an einem Zeitungsartikel Guttenbergs in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, in dem er eine für Wirecard passgenaue Position vertrat und der in einem »Aktionsplan« einer für Wirecard tätigen PR-Agentur auftauchte.

»Kein Lobbyist«

Dem »Stern« sagte Guttenberg dazu: »Ich finde nach wie vor, dass ich kein Lobbyist war und bin.« Sein Engagement für Wirecard erklärte er so: »Ich hielt es damals für geboten, das Kanzleramt über die Pläne eines aufstrebenden Dax-Unternehmens in China zu informieren.«

Später habe sich jedoch herausgestellt, dass Wirecard die Staatsanwaltschaft und auch seine Beratungsfirma aufs Übelste getäuscht habe. »Wenn man mir als Berufsbezeichnung Lobbyist anheften möchte, dann wäre ich der erbärmlichste in ganz Deutschland – weil mich dieses eine Mal gleich mehrere Stunden vor einen Untersuchungsausschuss geführt hat. Das war und ist kein Geschäftsmodell von mir.«

jpz/dpa
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