Karrieren Tom Cruise und der verlorene Star-Appeal

Redlich hat sich Tom Cruise zum Start seines neuen Kinofilms um zuckersüße PR bemüht - genützt hat es nicht viel. Die meisten Kritiker kanzelten das Werk ungnädig ab, der Publikumszuspruch war mäßig. Es kommt noch schlimmer für den Star: Er muss sich das Mitleid der Medien gefallen lassen.

AFP

Los Angeles - Früher hätte es das nicht gegeben: Eine Actionkomödie mit Tom Cruise in der Hauptrolle startet zur besten Sommer-Kinohit-Zeit - und landet auf dem US-Boxofficeranking auf einem mäßigen dritten Platz.

Doch genau das ist dem Vehikel "Knight and Day" passiert. Cruise, 48, spielt einen Agenten, der eine arglose Blondine, gespielt von Cameron Diaz, in seine Affären verstrickt. Der Film sollte das große Comeback für den einstigen Superstar der US-Kinos ("Top Gun", "Mission Impossible") markieren - doch diese Mission ist vorerst gescheitert.

Dabei hatte Cruise im Vorfeld des Filmstarts alle PR-Register gezogen: Klatsch-Magazinen vertraute er possierlich an, dass er mit verstellter Stimme die Kuscheltiere seiner Tochter Suri synchronisiere, auf roten Teppichen turtelte er demonstrativ und penetrant mit Gattin Katie Holmes, und schließlich trat er bei den MTV Movie Awards erneut als feister Filmproduzent Les Grossman auf, eine Rolle, die er sehr erfolgreich in der Komödie "Tropic Thunder" gespielt hatte.

Das Gros der amerikanischen Kinokritiker dankte Cruise diesen Einsatz nicht - "Knight and Day" wurde größtenteils verrissen. "Was dem Film fehlt?", schrieb beispielsweise die "New York Times". "Hm, mal sehen: Witz, Leichtigkeit, Originalität, Chemie zwischen den Hauptdarstellern."

Auf der Website "Cinematical.com" stand gar zu lesen. "Sehen Sie "Knight and Day und retten Sie die Karriere von Tom Cruise".

Der US-Blog "Daily Beast" zeigt sich besorgt: "Warum hassen die Menschen Tom Cruise?", fragt Autorin Gina Piccalo und gibt gleich selbst die Antwort. Cruise sei zum Synonym für die obskure und höchst umstrittene "Scientology"-Glaubensgemeinschaft geworden.

Die Merkwürdigkeiten, die Cruise im Zusammenhang mit seinen persönlichen Überzeugen von sich gab, hätten sein Publikum nachhaltig befremdet - nicht zu vergessen der hysterische sofahopsende Auftritt in Amerikas meistgesehener Talkshow "Oprah" im Jahr 2005.

"Tom Cruise braucht kein Mitleid", hieß es beim "Media Decoder"-Blog der "NYT", "er kriegt es trotzdem." Denn nicht Cruise allein sei Schuld am Scheitern des Films. Auch Cameron Diaz sei miserabel, der Titel des Streifens merkwürdig, und das Marketing zaghaft.

Für seine Comeback-Pläne scheint Cruise einen langen Atem zu brauchen.

Anmerkung der Redaktion: In der ersten Textfassung schrieben wir fälschlich, dass Tom Cruises Gattin Kate Hudson sei. Richtig ist, dass er mit Katie Holmes verheiratet ist. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

pad



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