Kate und William Läuten die Glocken, klingelt die Kasse

Die Trauung von Prinz William und Kate Middleton verschlingt Unsummen, aber die Regierung zahlt gerne. Premier Cameron hofft auf den Hochzeitsboom für die Wirtschaft, clevere Händler auf das Geschäft mit Devotionalien wie Tassen, Teller und Kondome.

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London - Gullydeckel werden zugeschweißt, Scharfschützen postieren sich auf den Dächern, Fahnder in zivil mischen sich unter die Zuschauer. Die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton wird nicht nur das größte gesellschaftliche Ereignis des Jahres, sondern auch eine gigantische Sicherheitsoperation - und damit eine enorme Belastung für die englische Staatskasse. 25 Millionen Euro werden allein die Sicherheitsmaßnahmen kosten, 5000 Polizisten sollen am 29. April im Einsatz sein.

Hinzu kommen Kosten in Millionenhöhe für die eigentliche Zeremonie in der Westminster Abbey, die von den Royals selbst bezahlt wird. Außerdem erklärte die Regierung den 29. April zum Nationalfeiertag. Eine Entscheidung, die nach Angaben des Wirtschaftsministeriums zu Einbußen in Höhe von 2,9 Milliarden Pfund führen könnte. Der Unternehmerverband CBI rechnet sogar mit Produktionsausfällen in Höhe von bis zu sechs Milliarden. Eine riesige Verschwendung sei das, wettern Gegner der Windsors wie die Anti-Monarchiebewegung "Republic" - und ein fatales Signal in Zeiten brachialer Sparprogramme.

Dagegen sieht die konservative Regierung von David Cameron in der Hochzeit eine große Chance. Der Premier soll "vor Freude auf den Tisch gehämmert" haben, berichten Vertraute, als er von der Verlobung von William und Kate erfuhr. In den vergangenen Monaten musste Cameron den Briten schmerzhafte Einschnitte im Sozialwesen vermitteln. Die Folge: wütende Proteste gegen die Sparbeschlüsse der Regierung. In London lieferten sich Studenten Anfang des Jahres gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei.

730 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen

Nun hofft Cameron auf einen heilsamen Effekt durch die Hochzeit. Zum einen bedeutet die Trauung eine Auszeit von all den schlechten Nachrichten, von Japans Atomkatastrophe und vom Einsatz englischer Soldaten im Libyen-Krieg. Zum anderen könnte sie die desolate britische Wirtschaft wieder in Schwung bringen.

Auch das Brautpaar ist sich offensichtlich der Bedeutung seiner Hochzeit bewusst. Der Prinz und Kate Middleton verfolgten die wirtschaftliche Situation sehr genau, teilte eine Sprecherin mit, kurz nach der Bekanntgabe der Verlobung. "Sie berücksichtigen den Zustand des Landes."

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Schon jetzt profitieren viele Branchen vom Hype um die Trauung. Allein die zusätzlichen Einnahmen durch Souvenirs sollen etwa 222 Millionen Pfund (250 Millionen Euro) betragen, prognostiziert das Marktforschungsinstitut Centre for Retail Research. Es gibt Kate und William auf Geschirrtüchern, Porzellantellern und Briefbeschwerern. Auf Münzen. Auf Briefmarken. Auf Manschettenknöpfen und Teebeuteln. Auf Kotztüten und Kondomen (Offizieller Name: "Kronjuwelen"). Die Liste ist endlos.

Die Firma UK Gift Company, spezialisiert auf Royal-Produkte, geht von einer Belebung des Geschäfts um 30 bis 40 Prozent aus. Eine Fabrik in Sheffield fuhr am Tag nach der Bekanntgabe der Hochzeit ihre Produktion dramatisch nach oben, um mit der Herstellung von William&Kate-Tassen nachzukommen. Das Designerkleid, das die angehende Braut bei der Verlobungs-Pressekonferenz trug, war innerhalb von 24 Stunden ausverkauft. Eine günstige Version des Kleides wurde zum Verkaufsschlager der Supermarktkette Tesco und war nach zwei Wochen ebenfalls vergriffen. Buchmacher nehmen Wetten auf die Länge des Brautkleides an, auf den Ort der Flitterwochen, auf das Scheidungsdatum.

Regierung setzt auf Hochzeit als nationales "Wohlfühl-Event"

Etwa 560 Millionen Euro bringt die Monarchie nach Angaben der nationalen Tourismusagentur "VisitBritain" in einem durchschnittlichen Jahr ein. Durch die Hochzeit von William und Kate werde diese Summe 2011 deutlich übertroffen, so die Organisation. "VisitBritain" erwartet für den 29. April mehr als eine Million Besucher und allein an diesem Tag Sondereinnahmen von 35 bis 55 Millionen Euro.

Um 266 Prozent seien die Flugbuchungen nach London für Ende April gestiegen, berichtet der Online-Reisedienst Expedia. Gleichzeitig melden Reisebüros Rekordbuchungen von Briten, die vor dem Trubel fliehen wollen - dank Ostern, Hochzeit und Maifeiertag müssen sie für einen elftägigen Urlaub nur drei Tage freinehmen. Insgesamt werden die Sondereinnahmen aus Tourismus und Souvenirverkäufen etwa 730 Millionen Euro geschätzt.

Wichtiger als die kurzfristigen Profite wäre für Cameron jedoch der erhoffte Langzeit-Effekt der Hochzeit. Auch manche Ökonomen sehen die Trauung als nationales "Wohlfühl-Event", schreibt die BBC. Sie könne das Konsumklima verbessern. Ein Blick auf vergangene royale Großereignisse zeigt: Die Chancen stehen offenbar nicht schlecht.

Die jüngsten britischen Royal-Großereignisse fanden in wirtschaftlich schwierigen Zeiten statt - die Krönung von Königin Elizabeth 1953, ihr 25-jähriges Thronjubiläum 1977 und die Hochzeit von Prinz Charles und Diana 1981. Laut "Bloomberg" kam die britische Wirtschaft in den Jahren danach allmählich wieder in Schwung, überwand wirtschaftliche Stagnation oder sogar Rezession, in denen das Land 1952 beziehungsweise 1980 steckte.

Selbst die Monarchiegegner wollen Kapital aus der Hochzeit schlagen

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass die königlichen Festtage die Ursache für die jeweiligen wirtschaftlichen Aufschwünge waren. Aber zumindest bieten sie Anhaltspunkte dafür, wie sich die Hochzeit von William und Kate auswirken könnte - denn die Situation ist vergleichbar: 2009 schrumpfte die britische Wirtschaft laut Bloomberg um fast fünf Prozent, 2010 betrug das Wachstum bescheidene 1,3 Prozent. Erst Ende März musste die Regierung ihre Wachstumsprognose für 2011 nach unten korrigieren. Die Inflation ist mit 4,4 Prozent beängstigend hoch, die Arbeitslosigkeit auf dem höchsten Niveau seit 1994.

Um die Krise zu bewältigen, nimmt Premierminister Cameron die hohen Kosten für die Hochzeit in Kauf. 100 Millionen Pfund darf "VisitBritain" laut Regierungsbeschluss zusätzlich ausgeben, um unter anderem mit der Trauung von William und Kate für Großbritannien als Reiseziel zu werben. Die Hälfte der Summe zahlt das Ministerium für Kultur, Medien und Sport, den Rest bringen Unternehmen auf.

Wie auch immer die wirtschaftliche Bilanz ausfällt - der gigantischen Geldmaschine verschließen sich selbst altehrwürdige Institutionen nicht. Der Oberste Gerichtshof vermietet seine Räume mit Blick auf den Vorplatz der Westminster Abbey am großen Tag - für 2500 Pfund pro Platz.

Und selbst die Anti-Monarchiebewegung will indirekt vom Hype um die Traumhochzeit profitieren. Auf der "Republic"- Homepage kann man für 3,99 Pfund pro Exemplar Tassen mit der Aufschrift "I am not a royal wedding mug" (Ich bin keine königliche Hochzeitstasse) bestellen.

insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Hugh Theo 24.04.2011
1. monarchists are mugs
Zitat von sysopDie Trauung von Prinz William und Kate Middleton verschlingt Unsummen,*aber die Regierung zahlt gerne. Premier Cameron hofft auf den Hochzeitsboom für die Wirtschaft, clevere*Händler auf das Geschäft mit Devotionalien wie Tassen, Teller und Kondome. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,758409,00.html
Die Űbersetzung von "mug" ist nicht nur "Becher", sondern auch "Trottel". "I am not a Royal Wedding mug". Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Pepito_Sbazzagutti 24.04.2011
2. ....
Zitat von sysopDie Trauung von Prinz William und Kate Middleton verschlingt Unsummen,*aber die Regierung zahlt gerne. Premier Cameron hofft auf den Hochzeitsboom für die Wirtschaft, clevere*Händler auf das Geschäft mit Devotionalien wie Tassen, Teller und Kondome. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,758409,00.html
In Deutschland gab es diesen Zirkus inklusive Gerümpelverkauf zuletzt anlässlich der Hochzeit des deutschen Kronprinzen im Jahre 1905. Schön, dass wir wenigstens diesen albernen Schwachsinn überwunden haben :-)
trubeldubel 24.04.2011
3. Verluste? Zusatzgeschäft!
Was dem seine Verluste sind dem anderen sein Zusatzgeschäft. Schön, dass es sowas noch gibt. Am besten ist es, wenn wir die vielen Feiertage, Sonn- und Samstage auch abschaffen bzw. zu Arbeitstagen umgestalten. Wie dann die Produktivität steigt, saaagenhaft! Wenn dann noch die Arbeitszeit auf 12 Stunden pro Tag angehoben wird (wir haben ja auch sooooviel zu tun), aber dann... Endlich haben die Banken wieder Geld, weil keiner zum Ausgeben und Genießen kommt. Die Chefs brauchen nichts mehr zahlen, weil sowieso keiner Geld ausgibt. Dann schaffen wir neben die Arbeitsplatze ein paar Tröge für das Essen und unter die Maschinen kommen Schlafsäcke.
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