Kate und William Ohne Tadel in den Adel

Mum war Stewardess, Dad Pilot - ist die Tochter reif fürs Königshaus? Aber ja doch. Kate Middleton hat lange auf einen Antrag ihres Prinzen gewartet - und in der Warteschleife mehr Klasse bewiesen als mancher künftige Verwandte.
Foto: TOBY MELVILLE/ REUTERS

Prinz William

Catherine Elizabeth Middleton

Hamburg - hat Wort gehalten. Genau so, wie es sich für einen Thronfolger gehört. "Ich habe nicht vor zu heiraten, bis ich 28 oder vielleicht 30 Jahre alt bin", sagte William im März 2004. Damals war er seit rund drei Monaten mit , genannt Kate, liiert und die beiden verbrachten ihren ersten gemeinsamen Urlaub im schweizerischen Klosters. Es war Kates erster öffentlicher Auftritt.

Seit diesem Skiurlaub läuft für die britischen Medien der Countdown, gab es nur eine Frage: Wann wird William Kate heiraten, wann wird er ihr einen Antrag machen? Aus Kate Middleton wurde die Wartende - und über acht lange Jahre blieb sie für die britische Öffentlichkeit genau das, "Waity Katie". Sie war "Princess in Waiting", Prinzessin in der Warteschleife, Prinzessin auf Abruf.

Ein nettes Mädchen aus der Mittelschicht, der Vater ein früherer Pilot und Self-Made-Millionär, der heute mit Hello-Kitty-Servietten und Schneewittchen-Krönchen sein Geld verdient. Die Mutter arbeitet mit im Party-Zubehör-Versand, davor war sie Stewardess, "Saftschubse". Nicht gerade der Inbegriff dessen, was Anhänger der britischen Monarchie unter echter Upper Class verstehen. Und dann kaute Carole Middleton bei ihrem ersten offiziellen Auftritt auch noch Kaugummi, ein Nikotin-Kaugummi sogar. For God's sake!

Die Middletons haben ihr Geld selbst verdient, es ist nicht über Generationen vererbt. Neureiche, könnte man sagen, ein bisschen Middle Class, ein bisschen Wannabes, Möchtegerns also. Auf keinen Fall sind sie auch nur annähernd so blaublütig, wie die Familien von Diana oder Fergie es waren. Und das ist - auch 30 Jahre nach der Trauung von Charles und Diana - noch immer ein Problem, zumindest ein Problemchen, dem sich die britischen Medien widmeten.

Fotostrecke

Kate Middleton: Ohne Tadel in den Adel

Foto: TOBY MELVILLE/ REUTERS

Hat Kate Middleton den Hintergrund, um im Buckingham Palace zu bestehen? Hat sie Adelsqualitäten (worin auch immer diese bestehen mögen)?

Miss Middleton ist vor allem eines: nett, nett, nett

Kate und ihre beiden jüngeren Geschwister Pippa und James haben gute Privatschulen besucht, Kate studierte im schottischen St. Andrews, einer der ältesten Universitäten des Landes, aber nicht der allerbesten. Ausgerechnet das Orchideenfach Kunstgeschichte. Ein beliebtes Fach für Töchter aus gutem Hause, die sich Gedanken machen wollen über die schönen Dinge des Lebens statt über die Zahlungseingänge auf dem Konto.

Oder für Söhne, die zweiter in der Thronfolge der britischen Monarchie sind - so wie William.

Beide belegten den Einführungskurs des Instituts für Kunstgeschichte und wohnten in der St. Salvators Hall, dem Studentenwohnheim, das nur "Sallies" genannt wird. Mit zwei befreundeten Kommilitonen bezogen sie später eine WG in einer Altbauwohnung, Williams Leibwächter immer vor der Tür.

Fotostrecke

William und Kate: Das Warten hat ein Ende

Foto: AFP

Dass sie für den Thronfolger schwärmte, muss Middleton zunächst für sich behalten haben: Während dieser auf dem Campus von heiratswilligen Groupies regelrecht gestalkt wurde, trumpfte seine WG-Partnerin mit freundschaftlichem Engagement auf. Gemeinsam spielten sie Tennis und büffelten für die Klausuren.

Kate Middleton gilt als modebewusst und sportlich, diszipliniert und zuverlässig, anständig und wohlerzogen. Aber ein Wörtchen könnte als Synonym für ihren Namen stehen: nett. Kate Middleton ist nett, nett, nett. Niemand verlor über die angehende Prinzessin ein schlechtes, nicht mal ein außergewöhnliches Wort.

"Lady of Leisure"

Nur eine Schulfreundin drängte sich einmal in den Vordergrund und plauderte zwei angebliche Geheimnisse aus, auf die sich die britischen Boulevardmedien stürzten. Middleton fände Gefallen an dem Hobby, das die Briten "Mooning" nennen: Den nackten Hintern aus dem Fenster zu hängen. Und zum zweiten habe sie schon immer für Prinz William geschwärmt, von dem sie angeblich ein Poster in ihren Kleiderschrank hängte.

Der von den britischen Medien vergebene Spitzname "Lady of Leisure" ("Lady Freizeit") ist mit das Spannendste, was über Middleton kursiert. Der Ruf geht auf die Zeit nach ihrem Studium zurück: Als diplomierte Kunsthistorikerin absolvierte sie zunächst ein freiwilliges soziales Jahr. Danach heuerte sie bei dem britischen Modelabel Jigsaw an - als Einkäuferin für Accessoires, in Teilzeit.

Die restlichen Tage kümmerte sie sich um ihr Aussehen und ihre Freizeit.

Kein einziges Interview hat Middleton je gegeben oder sich von Reportern mehr als einen Satz entlocken lassen. Auch nicht, als ihr während der kurzzeitigen Trennung von William für ein Exklusiv-Gespräch fünf Millionen Pfund geboten wurden. Middleton schwieg. Vielleicht auch, weil die Trennung nur, so wird gemunkelt, vom Palast inszeniert war, um das junge Paar aus dem Fokus der Öffentlichkeit zu nehmen.

Je weniger William und Kate die Gerüchte um eine bevorstehende Hochzeit nährten, desto wilder wurde spekuliert. Sie hat Weihnachten bei der Queen gefeiert? Sie bekommt Personenschutz? Sie ist zu offiziellen Feierlichkeiten eingeladen worden? All das ließ nur einen Schluss zu. Die Trauung stand unmittelbar bevor - acht zähe Jahre lang. Über die Prägung von Gedenkmünzen zur Hochzeit wurde gemunkelt, darüber, dass das Aufgebot bereits bestellt sei, dass Hochzeitsmarken gedruckt würden.

Und Kate und William selbst? Sie waren erstaunlich unaufgeregt. Zu öffentlichen Terminen erschienen sie meist getrennt, damit sie nicht zusammen fotografiert werden konnten. Auf Fragen nach einer bevorstehenden Hochzeit reagierte William stets höflich, meist ausweichend. Die Spekulationen seien "ein Minuspunkt" seiner Rolle, sagte er in einem Interview im Oktober. Da waren die beiden vermutlich schon verlobt.

Kates Attitüde: erfrischend unspektakulär

Middleton versuchte sich gegen ihre mediale Omnipräsenz zur Wehr zu setzen. Im Oktober 2005 reichte sie eine Beschwerde bei Gericht ein, weil sie sich von Journalisten belästigt fühlte. Sie habe nichts getan, um diese Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, sei keine Person der Zeitgeschichte, so die Argumentation. Danach wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

Warten und dabei nicht auffallen, schien Kates Devise. Ein Handy am Ohr beim Autofahren und ein Knöllchen wegen Falschparkens, das waren die größten Skandale. Petitessen wohl eher. Ansonsten ist Kate seit Jahren vor allem eins: erfrischend unspektakulär. Diana galt den Briten als dümmlich - trotz ihres Engagements. Fergie ist als exzentrisch verschrien - wer sich vom Finanzberater öffentlich am Zeh lutschen lässt, kann vermutlich kein Land repräsentieren.

Aber Kate ist anders. Ein Angebot fürs britische Dschungelcamp lehnte sie ebenso empört ab wie eine Einladung in "Hell's Kitchen", eine Kochshow mit Prominenten. Middleton sah sich zu Höherem berufen: Sie stolzierte 2006 im knallroten Mantel samt schwarzem Hut zur Verabschiedung von William in der Militär-Akademie Sandhurst - ein Outfit in Queen-Farben und einen Tick zu selbstbewusst.

Die Sehnsucht, an der Fassade der Kunsthistorikerin zu kratzen, ihr gar etwas Anstößiges, Anrüchiges zu entlocken, gipfelte darin, dass bei jener offiziellen Abschiedsfeier ein privater Fernsehsender einen Lippenleser engagierte. Dieser entzifferte Middletons Lippenbekenntnisse, als ihr Freund an ihr vorbeimarschierte: "Ich liebe diese Uniform. Sie ist so sexy." Selbst das taugte nicht zum Skandal.

Middleton ist bodenständig, verlässlich, eine in der Außenwirkung sichere Bank. Wer acht Jahre klaglos wartet, wird nicht im neunten Jahr exzentrisch. Insofern ist Kate vielleicht etwas öde und etwas durchschnittlich, aber sie ist immerhin berechenbar. Das ist im britischen Königshaus schon eine Menge. Und immerhin hat sie da etwas mit ihrem künftigen Mann gemein: Denn auch der hat bekanntermaßen sein Wort gehalten, nicht vor dem Jahr 2010 heiraten zu wollen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.