Katie Holmes Perfekt inszenierter Rollenwandel

Vom unterwürfigen Unschuldslamm zur selbstbewussten Supermutter: Katie Holmes hat nach der Scheidung von Tom Cruise in Rekordzeit einen radikalen Imagewandel vollzogen - die Naivität früherer Tage hat sie abgelegt.

AFP

New York - Diese eine Geste verriet alles. Katie Holmes saß im Fond eines Wagens und führte ihre linke Hand zum Kopf. Zu sehen waren ihre Finger - und kein Ehering. Paparazzi hatten die Szene vor einigen Tagen auf Fotos festgehalten. Das Fehlen des Rings machte klar: Die Trennung von Tom Cruise ist endgültig, mit der Scheidung ist alles vorbei.

Aus einer beiläufigen Handbewegung wurde somit eine Botschaft an die Öffentlichkeit. Die 33-Jährige führte der ganzen Klatsch-und-Tratsch-Welt mal kurz vor, wer hier wen verlassen hat. Wenn man weiß, wie bewusst Katie Holmes sich der Wirkung solcher Bilder ist, dann erscheint die Geste auch nicht mehr ganz so zufällig. Sie fügt sich vielmehr ein in eine Reihe einiger gelungener PR-Stunts in eigener Sache. Die hörige Gattin eines Superstars ist zur Ikone für selbstbewusste Frauen geworden - und das in weniger als drei Wochen. Verblüffend, wie geschickt Katie Holmes diese Wahrnehmung selbst gesteuert hat.

Ende Juni wurde ihre Scheidung von Tom Cruise publik. Der 50-Jährige war von dem Schritt völlig überrumpelt, schreibt die amerikanische Boulevardseite "tmz.com". Wer dachte, dass Holmes sich nun samt Tochter Suri aus der Öffentlichkeit zurückzieht, wurde ebenso überrascht. Zunächst folgte eine rasche außergerichtliche Einigung zwischen den Hollywood-Stars. Das "hauptsächliche" Sorgerecht für das sechsjährige Kind wurde Holmes zugesprochen. Kurz darauf unternahm sie einen Familienausflug in den Central Park Zoo in New York. Fotos zeigen eine lachende Katie Holmes, zusammen mit ihrer Mutter Kathleen und Suri. Liebeskummer oder Trennungsschmerz? Keine Spur davon.

"Eine neue Phase"

Die ganz große Nummer folgt nun am 17. Juli. Dann erscheint die neue US-Ausgabe des Frauenmagazins "ELLE". Auf dem Titelblatt: Katie Holmes. Sie trägt ein Tank-Top, darüber spannen sich Hosenträger, die Unterwäsche schimmert durch. In einem Interview mit dem Blatt gibt sie unter anderem zu Protokoll, zu sich selbst gefunden zu haben. "Eine neue Phase" habe in ihrem Leben begonnen.

Und das Leben davor? Fünf Jahre dauerte ihre Ehe mit Tom Cruise. Das Paar hatte sich 2005 kennen gelernt, da war Holmes 26. Die Katholikin wechselte rasch darauf den Glauben und trat in die Scientology-Kirche ein. Tom Cruise ist seit langem bekennender Anhänger der umstrittenen Sekte. Was er mit der jungen Schauspielerin machte, roch nach Gehirnwäsche im Schleudergang.

Während Cruise in dieser Zeit einige Blockbuster drehte - nach wie vor ist er laut "Forbes"-Liste der bestbezahlte Schauspieler der Welt - fiel Holmes nur noch in kleineren Filmen auf. Ihre Hauptrolle war nun die Superstar-Gattin. Darin wirkte sie durchaus elegant - dem Anschein nach aber auch vollkommen ferngesteuert. In die Bewunderung für ihr prachtvolles Auftreten mischte sich genau so viel Mitleid.

Leichter Gegner

Damit ist nun Schluss. Mit der Trennung von Tom Cruise hat sie sich angeblich auch von Scientology losgesagt. Ihre Angst vor der Sekte wird immer wieder als der wichtigste Grund für die Scheidung genannt. Vor allem wolle sie Tochter Suri vor dem Einfluss der Sekte schützen, heißt es. Die offensiven Auftritte der vergangenen Tage stehen dabei in krassem Kontrast zu der unterwürfigen Haltung, die sie die Jahre zuvor an den Tag legte.

Dass der Ruf ihres Ex-Mannes längst zerstört ist, dürfte ihr dabei geholfen haben, auf einen Schlag als strahlende Siegerin dazustehen. Auf der Leinwand oft Held und edler Retter, machte er sich abseits des Kinos lächerlich. Unvergessen bleibt sein Rumgehopse auf der Couch von Talkmasterin Oprah Winfrey. Damals wollte er demonstrieren, wie glücklich ihn die Liebe zu Katie Holmes mache.

Von diesen verrückten Kapriolen ist an ihr nichts hängen geblieben - was beweist, wie geschickt Holmes die Klaviatur der Medien bedient. Vor dem öffentlichwirksamen Besuch im Zoo inszenierte sie sich bereits bei einem Einkaufsbummel mit Tochter Suri in einem Bio-Supermarkt als bodenständige Mutter. Und das Foto-Shooting samt Interview in der "ELLE" wird ebenfalls zum richtigen Zeitpunkt lanciert. Mit ihrer offensiven Zurschaustellung erweckt sie erfolgreich den Eindruck, nichts verbergen zu müssen.

Ein weiteres Beispiel dafür sind die Fotos, auf denen sie nun ohne Ehering zu sehen ist. Die Bilder wurden geschossen, als sie von Aufnahmen zu einer Fernseh-Show zurückkehrte. Titel der Sendung: "Project Runway"- was so viel wie "Projekt Startbahn" oder "Projekt Laufsteg" bedeutet. Bei der Casting-Show für Designer geht es um die perfekte Inszenierung.



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