US-Medien Strafverfahren gegen Kevin Spacey wegen sexueller Nötigung eingestellt

Hat Schauspieler Kevin Spacey einen damals 18-Jährigen belästigt? Ein Gericht sollte das herausfinden. Nun wurde die Anklage fallengelassen - auch ein verschwundenes Handy soll dabei eine Rolle gespielt haben.

Strafverfahren in Massachusetts: Kevin Spacey vor Gericht (Archiv)
Nicole Harnishfeger / AFP

Strafverfahren in Massachusetts: Kevin Spacey vor Gericht (Archiv)


Ein Strafverfahren in Massachusetts gegen US-Schauspieler Kevin Spacey ist eingestellt worden. Das melden mehrere US-Medien unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Sie habe die Vorwürfe gegen den 59-Jährigen fallengelassen, da das mutmaßliche Opfer die Aussage verweigere.

Spacey wurde vorgeworfen, einen damals 18-jährigen Mann auf der Insel Nantucket im US-Bundesstaat Massachusetts betrunken gemacht und später in den Schritt gefasst zu haben. Der junge Mann arbeitete als Aushilfskellner in einem Restaurant auf der Urlaubsinsel. Vor Gericht musste sich Spacey wegen sexueller Nötigung verantworten (lesen Sie hier die Hintergründe). Der 59-jährige Hollywoodstar ("House of Cards") bestritt die Vorwürfe.

Zuletzt war das Handy des mutmaßlichen Opfers jedoch verschwunden - mit diesem soll der Mann den Vorfall gefilmt haben. Ein Polizist gab an, der Familie das Handy nach Auswertung der Daten zurückgegeben zu haben, aber keine Empfangsbestätigung verlangt zu haben. Die Familie wiederum erklärte, das Handy nicht zurückbekommen zu haben.

Seine Mutter hatte in Anhörungen vor dem Gerichtsverfahren allerdings eingeräumt, Fotos von dem Handy gelöscht zu haben, bevor es der Polizei übergeben wurde. Sie begründete dies damit, dass die Fotos ihren Sohn in Verlegenheit hätten bringen können. Sie habe aber keinerlei Daten im Zusammenhang mit Spaceys mutmaßlichem Übergriff gelöscht.

Anwalt forderte Einstellung des Verfahrens

Der junge Mann bestritt vor Gericht, Daten von dem Telefon gelöscht zu haben. Auf die Warnung, dass jegliche Manipulation des Handys strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte, machte der junge Mann von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Erst vor Kurzem hatte das mutmaßliche Opfer seine parallel zu dem Strafverfahren angestrengte Zivilklage ohne Angabe von Gründen zurückgezogen.

Der Anwalt des Schauspielers hatte dagegen vor Gericht angedeutet, es seien Kurzbotschaften gelöscht worden, die zeigten, dass der damals 18-Jährige mit der Situation einverstanden gewesen sei. Anwalt Alan Jackson hatte deshalb gefordert, das Verfahren gegen Spacey umgehend einzustellen.

Die Vorwürfe gegen Spacey waren im Zuge der #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Gewalt laut geworden. Im Oktober 2017 hatte der Schauspieler Anthony Rapp Spacey in einem Interview beschuldigt, ihn als 14-Jährigen bei einer Party im Jahr 1986 missbraucht zu haben. Mittlerweile sind mehr als 30 Vorwürfe von sexuellen Übergriffen und Belästigung gegen Spacey öffentlich.

Die Vorwürfe hatten für Spacey schwerwiegende Folgen: Er fiel in der Branche in Ungnade und erlebte einen dramatischen Karriereabsturz. Unter anderem verlor er seine Hauptrolle in der Netflix-Kultserie "House of Cards".

kko/AFP/Reuters



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